Wetterkapriolen Frostschutz: Kerzen in Weinbergen - Folien über Beerenplantagen

Alle Jahre wieder sorgen Spätfröste in sächsischen Obstplantagen und Rebflächen für Schäden. Einige Winzer und Winzerinnen versuchen mit Feuern zwischen den Weinstöcken die Temperaturen leicht zu erhöhen, Obstbauern und -bäuerinnen beregnen Blüten und Knospen. Sogenannte Kristallisationswärme schützt vor Frostschäden. Andere Landwirtinnen und Landwirte schützen Beerensträucher mit Vlies und Folien.

Feuer zeichnen sich ab am Weinberg von Schloss Wackerbarth in Weinboehla
Ein Weinberg des Staatsweinguts in Weinböhla erweist sich seit Jahren als extrem frostgefährdet. In der Nacht zum Dienstag wurden dort wieder Frostschutzkerzen zwischen den Rebzeilen aufgestellt. Bildrechte: imago images/photothek

Wie bereits in zurückliegenden Jahren haben die Winzer vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul in der Nacht zum Montag wieder Frostkerzen aufgestellt. Damit sollen nach Angaben der Winzer Frostschäden an den Rebstöcken verhindert werden. Erste Rebsorten beginnen derzeit auszutreiben und könnten bei Minusgraden erfrieren.

"Wir sind vorsichtig optimistisch, dass es funktioniert hat", sagte Weingutssprecher Martin Junge nach dem nächtlichen Einsatz der Weinbauern. Man müsse nun sehen, wie die Reben in den kommenden Tagen weiter austreiben. Für Dienstagfrüh ist nochmals Frost angekündigt.

Schutz für rund 100.000 Rebstöcke früh austreibender Sorten

In der Nacht zum Montag waren die Temperaturen auf einem Weinberg in Weinböhla auf minus 3 Grad Celsius gesunken. Auf einer Fläche von knapp einem Hektar zündeten die Winzer daher rund 180 Frostschutzkerzen an. "Diese können die Umgebungstemperatur um etwa drei bis vier Grad erwärmen", so Junge.

Insgesamt entzündeten die Winzer vom Staatsweingut den Angaben zufolge die Frostschutzkerzen auf einer Fläche von rund 25 Hektar besonders anfälliger Rebflächen und Junganlagen - von Radebeul bis nach Diesbar-Seußlitz. Rund 100.000 Rebstöcke, darunter frühe Sorten wie Bacchus und Müller-Thurgau, sollten so bei Minusgraden geschützt werden. Frostschutzkerzen sind allerdings teuer und nicht alle Winzer können in diese Form professionellen Frostschutzes so einfach größere Summen investieren, wie das Staatsweingut als ein Tochterunternehmen der öffentlichen Sächsischen Aufbaubank. Kleinere Weinbaubetriebe nutzen stattdessen häufig Holzbriketts oder altes Rebholz für ihre Feuer in Weinbergen.

Folien und Vliese auf Obstplantagen und Erdbeerfeldern

Obstbauer Michael Görnitz aus Brockwitz bei Coswig hat bislang auf Feuer verzichtet, sich aber dennoch auf die Frostnächte vorbereitet. Der Bio-Betrieb hat Boden bearbeitet und Gras gemäht, damit kalte Luft abfließen und Bodenwärme aufsteigen kann. Beerensträucher wurden mit Folien abgedeckt, bereits blühende Erdbeeren mit Vlies. Bis zu minus 6 Grad hat der Obstbauer in Bodennähe gemessen - kritisch für bereits blühende Erdbeeren. Nach seinen jahrelangen Erfahrungen geht er davon aus, dass vor allem Pfirsich, Pflaume und frühe Birnensorten starke Frostschäden erlitten haben.

Er beklagt, dass die Kosten für zusätzlichen Frostschutz alleine beim Landwirt liegen, staatliche Zuschüsse für Mehrausgaben in Frostjahren würden nicht gewährt. Görnitz betont aber zugleich, dass mit Frost bis zu den Eisheiligen im Mai stets gerechnet werden müsse und das wisse auch jeder Landwirt und jeder Hobbygärtner.

Beregnung / Heizung von Obstbäumen in Blüte.
Versuchsanlagen des Obstbaus in Pillnitz werden bei Spätfrost automatisch beregnet, wie dieses Bild aus einem zurückliegenden Jahr zeigt. Bildrechte: Burkhard Lehmann/LfULG

Frostberegnung auf Versuchsanlagen in Pillnitz

Beregnung / Heizung von Obstbäumen in Blüte.
Kristallisationswärme unterm Eispanzer schützt Obstblüten. Bildrechte: Burkhard Lehmann/LfULG

Die Obstbau-Versuchsflächen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Pillnitz sind zum Schutz vor Frost beregnet worden. Noch am frühen Montagvormittag war eine Eisschicht auf den Zweigen zu sehen. Eine Sprecherin des Amtes erklärte, die Beregnungsanlagen würden automatisch bei minus 1 Grad Celsius anspringen. Da kein Wind wehte, seien die Bäume gleichmäßig besprüht worden. Die Fachleute gehen deshalb davon aus, dass ihre Frostregnung erfolgreich war. Sogenannte Kristallisationswärme unter der dünnen Eisschicht schützt die Pflanzen vor Frostschäden.

In offenen Obst- und Rebanlagen und Weinbergssenken ist Wind hingegen erwünscht. Die Durchmischung der Luft sorgt nach Expertenauskunft dafür, dass sich Frostluft nicht staut oder in Tälern sammelt.

Quelle: MDR/lam/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 26. April 2021 | 19:00 Uhr

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