Nach Bürgerbeschwerden Messung zur Luftbelastung bei Schaumaplast in Nossen

Dampfwolke bei Schaumaplast in Nossen.
Anwohner in Nossen befürchten, dass die Dampfwolken von Schaumaplast giftig sind. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Das sächsische Umweltamt plant Luftmessungen in Nossen. Bewohner der Kleinstadt klagen seit mehr als zehn Jahren über unangenehme Gerüche. Sie befürchten, die Dämpfe könnten giftig sein und vermuten, der Gestank könnte von der Firma Schaumaplast kommen.

Die Vorwürfe haben sie jüngst in einer Bürgerversammlung gegen einen der drei größten Arbeitgeber ihrer Stadt gerichtet: Schaumaplast Sachsen produziert seit 1996 im Gewerbegebiet. In dem Werk werden Formteile aus Styropor hergestellt, unter anderem für Kühlschränke, Fahrradhelme, Thermoboxen und die Bauindustrie. Expandiertes Polystyrol, kurz EPS, wird dafür aufgeschäumt. Der dabei freigesetzte Dampf ist der Auslöser des jahrelangen Streits zwischen Anwohnern und Unternehmen.

Schaumaplast-Chef: herkömmlicher Wasserdampf

"Wir verarbeiten EPS als Granulat und dampfen dieses mit ganz herkömmlichen Wasserdampf auf", sagt Schaumaplast-Chef Toni Küttner. Dass dabei giftige Gase austreten, die die Anwohner gefährden, könne er sich nicht vorstellen. "Das ist nicht der Fall", bekräftigt er.

Blick in die Produktion von Schaumaplast.
Schaumaplast produziert Formteile aus Styropor, unter anderem für Kühlschränke, Fahrradhelme, Thermoboxen und die Bauindustrie. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Das sieht der Nossener Gerhard Hesse anders. "Je nach Windrichtung und Tageszeit werden die Anwohner hier mit den Emissionen stark belastet." Dabei handle es sich in der Hauptsache um die gesundheitsschädlichen Verbindungen Styrol und Pentan. "Das kann man riechen, ganz deutlich", so Hesse.

Derartige giftige Gase würden nur bei der Herstellung des Grundstoffs Styropor freigesetzt, nicht aber beim weiteren Aufschäumen des Granulats, entgegnet das Unternehmen. Auch Messungen des Umweltamtes im Abluftkanal hätten keine erhöhten Werte ergeben. Eine noch genauere Messung direkt bei den betroffenen Anwohnern in Nossen soll nun Klarheit bringen. Das Ergebnis soll in zwei Wochen vorliegen.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 01.10.2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

NormalNull vor 32 Wochen

Selbst wenn es "nur" riecht und evtl. ungiftig ist, so ist es doch eine erhebliche Belastung. Was haben da Vieh-Mast-Anlagen für Auflagen, damit von ihnen keine Geruchsbelästigung ausgeht, die wohl selbstverständlich ungiftig, aber eben eklig ist. ...und ja: die Messungen müssen natürlich gut geplant und angekündigt werden, damit sich das Unternehmen auch drauf einstellen kann.

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