Ökologisches Bauen Hahnemannzentrum Meißen baut auf Weinflaschen

Seit ein paar Jahren liest man immer wieder vom "Bauboom". Das Baugewerbe meldet einen Umsatzrekord nach dem anderen. Doch die Corona-Krise sorgte für die Knappheit einiger Baumaterialien wie Holz oder Dämmstoffe. Schlecht für all diejenigen, die gerne ökologisch bauen wollen. Das Hahnemannzentrum Meißen e.V. hat sich was Besonderes einfallen lassen.

Flaschen stehen auf dem Kopf
Die Flaschen sind zum einen als Bodenaufbau und zum anderen als Wärmedammung verbaut. Bildrechte: Helge Landmann

Auf den ersten Blick sieht das neue Gebäude an der Leipziger Straße in Meißen ganz normal aus. Ein gewöhnliches Flachdach-Gebäude mit großem Saal. Platz für die geplanten Tagungen, Hochzeiten und sonstige Festivitäten ist jedenfalls da. Doch auf den zweiten Blick fallen einem die außergewöhnlichen Baustoffe auf, weiß auch Helge Landmann, Vorsitzender des Vereins und Mitglied der Fraktion "Bürger für Meißen" im örtlichen Stadtrat. So zum Beispiel direkt im Eingangsbereich, wo bei Fertigstellung einmal die Garderobe sein soll. Ein kleines Rechteck im Boden lässt Besucher erkennen, was sich an Stelle von konventionellem Dämmstoff unterhalb des Fußbodenbelags befindet: jede Menge leere Weinflaschen, insgesamt 26.000.

Hahnemannzentrum in Meißen
Bildrechte: Konstantin Henß

Ökologisch, regional, recycelt

Aber das ist nicht das einzige ungewöhnliche Baumaterial. Für die Eckverbände des Hauses sind Bruchsteine verwendet worden, die zum Teil aus Gebäuden stammen, die nach nach dem Hochwasser 2013 abgerissen werden mussten. Auch die Steine für das Sockelmauerwerk kamen aus der Region. Bei der Dämmung der Außenwände, die fast vollständig aus Lehm gebaut sind, hat man sich für Schafwolle entschieden.

Das Hahnemannzentrum in Meißen bezeichnet sich ja als Zentrum für naturheilkundliche Bildung, für ökologisches Bauen und Umwelt. Deshalb war ökologisches Bauen für uns immer schon ein Thema. Und dies ist auch fachlich untersetzt – ich selbst bin Restaurator vom Beruf, hatte also sehr viel mit Materialstoffthemen zu tun – diese Expertise konnte ich beim Bau mit einbringen. 

Helge Landmann Vorsitzender Meißner Hahnemannzentrum e.V.

Grundsteinlegung dank vieler Kleinstspenden

Bereits seit 2017 planen Helge Landmann und sein Verein den Bau des Gebäudes. Um den Bau finanziell realisieren zu können, starteten sie unter anderem eine Spendenaktion über das Internet, eine Crowdfunding-Kampagne.

Gebaut ist das Gebäude auf eigene Kosten des Vereins, es gibt also weder Fördermittel noch Fördergelder. Der Verein hat einen Kredit aufgenommen, konnte Spenden einwerben und finanziert den Bau über das, was der Verein selbst erwirtschaftet.

Sandra Alband Geschäftsführerin Meißner Hahnemannzentrum e.V.

Hahnemannzentrum in Meißen
Bildrechte: Konstantin Henß

Die Mitarbeiter der hauseigenen Klosterwerkstatt helfen bei der Fertigstellung, so gut es geht. Und jetzt, da das Gebäude fertig und einsatzbereit ist, soll es vielseitig genutzt werden, wenn es nach Helge Landmann und Sandra Alband geht. Sie planen hier verschiedene Events, Kurse und Seminare rund um Homöopathie und Naturheilkunde. Aber auch Privatleute sollen das Gebäude anmieten können, etwa für Hochzeiten, Geburtstage oder ähnliches.

Quelle: MDR/kh

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