Liebesmenüs Valentinstag befeuert Ideen sächsischer Küchenchefs und Azubis

Wegen des Lockdowns wird es zum Valentinstag keine Romantikabende in sächsischen Restaurants geben. Daher bieten viele Gastronomen drei- oder viergängige Liebesmenüs zum Mitnehmen an oder liefern aus. Was das Kochen in der Zwangspause den Profis bedeutet, hat ein Küchenchef in Meißen verraten.

Ein mit Tellern und Tassen und Besteck gedeckter Tisch
Zum Valentinstag bieten Gastronomen in Sachsen Menüs zum Mitnehmen an. Tisch dekorieren und decken müssen die Verliebten zu Hause selbst. Bildrechte: dpa

"Schneller! Du musst schneller rühren", verlangt Küchenchef Martin Schuricht von seinem Lehrling. Der schlägt in der Küche des Hotels "Goldener Löwe" in Meißen gerade mit einem Rührbesen Eischnee auf. Marius Hoffmann soll den unterheben und das Dessert für das Valentinstagsmenü "Tête-à-tête" bereiten. Grießflammerie mit Rotweinkirschen sollen als dritter Gang einem Selleriecremesüppchen mit Roter Beete und einem Flanksteak namens "Wellington" folgen. Ein Dutzend Liebesmenüs haben Paare aus Meißen bislang in der Küche vorbestellt.

Kochen in der Lockdown-Stille

Zwei Mal in der Woche treffen sich die beiden Lehrlinge des Hauses mit dem Küchenchef und üben drei Stunden lang. Trotz Corona-Pause sollen die Nachwuchsköche Praxis erleben. "Wir machen prüfungsrelevante Sachen, müssen einen Arbeitsablaufplan erstellen, die Zutaten vorbereiten und kochen", sagt Lehrling Marius. Er hatte sich unlängst gewünscht, Sauce Hollandaise nochmal zu probieren. Kartoffel- und Eierspeisen waren dran, aber auch Wildhackbraten, gefüllte Hähnchenkeulen und Shrimps-Cocktails.

Martin Schuricht (rechts) steht mit roter Küchenschürze um die Hüfte am Herd und blickt seinem Lehrling Marius Hoffmann über die Schulter. Der junge Mann rührt in einem großen Topf mit einem Schneebesen in de rKüche des Hotels Goldener Löwe in Meißen.
Statt mit dem elektrischen Rührgerät übt Lehrling Marius Hoffmann (links im Bild) das Eischneeschlagen von Hand. Sein Ausbilder Martin Schuricht (rechts) verfolgt die Arbeiten mit kritischem Blick. Bildrechte: Kathrin König

Küchenchef Schuricht unterbricht den Lehrling im 3. Ausbildungsjahr und zeigt ihm "wie man aus dem Handgelenk heraus Eiweiß locker schlägt, ohne Muskelkater vom Armrudern zu kriegen", wie er sagt. Hinter ihm hackt Lehrling Ian Ullmann Zwiebeln und Champignons in winzige Stücke für die Umhüllung der Rindersteaks. Die sollen am Sonntag, von Kartoffelgratin und einer Zwiebel-Pilz-Schicht ummantelt, auf die Tische der Liebespaare zu Hause kommen. Denn abholen müssen die Kunden ihre Menü selbst - wegen der Corona-Vorschriften.

Die Gerichte verkosten und essen die drei dann. "Tja, wegen Corona kochen wir nur für uns", seufzt der Küchenchef. Normalerweise würden sie zu sechst im Schichtdienst arbeiten, wenn Hotel und Restaurant für alle Gäste offen sind. "Ja, ist schon ungewohnt, dass die Küche so leer ist", findet auch Lehrling Marius Hoffmann. Sein Azubi-Kollege im zweiten Lehrjahr, Ian, hat Bedenken, dass er sich unter den derzeitigen Bedingungen "keine Stressresistenz antrainieren kann". Andererseits sei es auch super, in Ruhe so viel von und mit dem Ausbilder lernen zu können.

Es bleibt wenig hängen, wenn das Drei-Gang-Menü 22 Euro kostet. Es ist trotzdem keine verlorene Liebesmüh', weil die Jungs üben können und sich die Paare hoffentlich freuen.

Martin Schuricht Koch und Küchenchef

Beschäftigungstherapie: Für Köche und Paare

Das Kochen der Valentinstagsmenüs am Sonntag ist für die drei eine schöne Abwechslung. Ihre Chefin meint, dass es auch eine kleine "Beschäftigungstherapie" im Lockdown sei. "Unsere Mitarbeiter scharren mit den Füßen und wollen endlich wieder arbeiten. Wir hoffen so sehr, das wir Ostern richtig öffnen dürfen", sagt Hoteldirektorin Astrid Metzig. Schließlich sei der Goldene Löwe das einzige Haus in Meißen, das als Herberge und Gastwirtschaft durchgängig existiere - "und zwar seit 400 Jahren".

Ein Lehrling mit weißer Küchenkleidung steht in iner Großküche an einem Schnedebrett und hackt Zwiebeln klein. Es ist Ian Ullmann aus Meißen, der 2021 im 2. Lehrjahr lernt.
Ian Ullmann lernt im 2. Lehrjahr Koch und freut sich, wenn er praktisch arbeiten kann. Während des Lockdowns kommt er drei Mal in der Woche in seinen Ausbildungsbetrieb. Er übt für die Hauptspeise des Valentinstagsmenüs am Sonntag. Das wird - bis aufs Dessert - tagesaktuell zubereitet werden. Bildrechte: Kathrin König

Die Abholer der Valentinstagsmenüs am Sonntag bekommen vom Hotel noch Infozettel mit, damit sie die gekochten, teils luftdicht verpackten Speisen zu Hause richtig servieren. "Nachdem alles heiß geworden ist, nach Belieben auf feinstem Porzellan - vorzugsweise Meissner, wenn vorhanden - anrichten und genießen", empfiehlt ihnen Küchenchef Schuricht.

Wir bereiten alles frisch zu. Erwärmen müssen es die Leute selbst. Das ist doch auch romantisch, sich zu zweit kurz in die Küche zu stellen; also wenn man sich versteht.

Martin Schuricht Ausbilder und Küchenchef im Meißner Goldenen Löwen

Lust bekommen?

Alle, die nun auch Menü-Romantik am Tisch haben wollen - ohne selbst groß in der Küche zu werkeln, sollten sich beeilen. Viele Restaurants nehmen am Freitag und Sonnabendmorgen noch Bestellungen entgegen. Am einfachsten gibt man seinen Wohn- oder Suchort bei der Internetrecherche ein, dazu die Suchworte "Valentinstag" und "Menü". In allen mittleren und großen Städten Sachsens finden sich Angebote, aber beispielsweise auch in Stauchitz, Döbeln, Markkleeberg, Neuhermsdorf im Erzgebirge und vielerorts in der Lausitz.

Herzen aus Holz liegen auf der Tastatur eines Computers
Bildrechte: dpa

Die Preise für ein Drei-Gänge-Menü liegen zwischen 20 bis 50 Euro pro Person. Manche Anbieter fügen ihren Valentins-Mitnahme-Boxen auch Karten, Blumen oder Wein bei. Andere verleihen das Porzellangeschirr gegen Gebühr gleich mit. Und wer am Sonntag lieber einen Heimkino-Abend plant, könnte die passenden Nachos und Popcornmengen im Herzchen-Eimer auch im Kino in Taucha bestellen.

Liebesdaten im Check - Das Statistische Landesamt Sachsen hat sich den 14. Februar auf statistisch belastbare Eheschwüre hin angesehen. Heraus kam: Der Valentinstag ist kein besonders bevorzugtes Datum für Eheschließungen.

- In den Jahren 2015 bis 2020 wurden zwischen 2,8 und 6,5 Prozent aller in Sachsen geschlossenen Ehen für den Monat Februar gezählt. Wenn der Valentinstag auf einen Sonnabend fällt, gehen ein paar mehr Paare in die Standesämter. 2020 waren es immerhin 106, fünf Jahre zuvor nur 75.

- Mehr heiratswillige Sachsen interessieren sich für solche Daten wie im vorigen Jahr der 20.02.2020. Hierzulande heiraten die Menschen lieber in wärmeren Monaten. Mehr als 70 Prozent der Ehen eines Jahres werden in den Monaten April bis September geschlossen, am häufigsten an Freitagen und Sonnabenden. Die meisten Eheschließungen fanden am 15.05.2015, 16.07.2016, 01.07.2017 und 18.08.2018 statt.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.02.2021 | 19:00 Uhr

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