Nachhaltiges Bauen Selbsttragendes Lehmziegelhaus entsteht in Pilotprojekt in Meißen

Umweltfreundlich und energieschonend wird in Meißen das weltweit erste selbsttragende Lehmziegelhaus gebaut. Die Verwendung des natürlichen Baustoffs spart Ressourcen und hat später Vorteile beim Raumklima.

Diese Eigenheimbaustelle in Meißen sieht auf den ersten Blick aus, wie jede andere auch. Doch was die Maurer hier in einem Pilotprojekt vermauern, ist reiner Lehm. Es soll das weltweit erste Haus mit tragenden Wänden aus industriell gefertigten Lehmziegeln werden.

Prof. Wolfram Jäger überwacht und steuert den Bau. Er ist Experte für Trag- und Mauerwerk. "Für den Lehmbau spricht, dass es ein nachhaltiger Baustoff ist", erklärt er. Am Ende seines Lebenszyklusses könne er wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden, wo er entnommen worden sei.

Raumklima wird natürlich geregelt

Wohnen in einem Lehmhaus ist besonders gesund, betont Prof. Wolfram Jäger: "Das Raumklima wird auf natürlichem Wege geregelt. Der Lehm nimmt Feuchtigkeit auf, gibt sie wieder ab. Es lebt sich in so einem Haus besser als in einem anderen." Daneben speichert Lehm auch Wärme und bindet Schadstoffe.

Prof. Wolfram Jäger von der TU Dresden
Prof. Wolfram Jäger betreut an der TU Dresden den Lehrstuhl Tragswerkplanung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Experte: "Lehm trägt das Mauerwerk"

Lehmbau hat zwar eine jahrhundertealte Tradition. Doch wurde der natürliche Baustoff in jüngster Zeit meist eingesetzt als Putz- und Verfüllmasse, zum Beispiel im Fachwerkhausbau oder als Stampf-Lehm in einer Verschalung. Doch die neuen Lehmziegel tragen sich selbst und brauchen keinerlei Stützkonstruktion, so der Experte. "Es trägt das Mauerwerk", sagt Jäger.

Die Wände sind 24 Zentimeter stark. Um die Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, werden Betondecken zwischen den zwei Geschossen eingezogen. "Wir können so demonstrieren, dass das funktioniert", erklärt Jäger.

Model eines Hauses
Lehm soll nur noch um die Fensterrahmen herum zu sehen sein. Verkleidet wird das Haus mit Lärchenholz. Bildrechte: Stern Zürn Architekten

Bau spart Energie und senkt Co2-Ausstoß

Der in einer Strangpresse hochverdichtete Lehm wird vom niederbayrischen Ziegelhersteller GIMA in Ziegelgröße geschnitten, dann lediglich getrocknet, geschliffen und verpackt. Der bei Tonziegeln übliche Brennprozess entfällt. Das spart Energie und CO2-Emission. Und Produktionskosten werden dadurch auch gesenkt.

Bei der Herstellung des Materials für einen Quadratmeter Betonwand entstehen 82 Kilogramm Kohlendioxid. Mit 57 Kilogramm Emission steht der Ton-Ziegel schon besser da; doch noch einmal 70 Prozent spart der Lehmziegel ein. "Bei Optimierung der Herstellung könnte dieser Wert gegen Null gehen", beschreibt Jäger die ökologischen Vorzüge.

Auch Mörtel aus Lehm

Zum Recyclingkonzept des innovativen Lehmhauses, das in Meißen entsteht, gehört auch, dass die Ziegel nicht mit Zementmörtel, sondern ebenfalls mit Lehmmörtel verbunden werden. Das ist auch gesünder für die, die auf dem Bau damit arbeiten. "Diese hochmodifizierten Mauerwerksmörtel haben sehr viele Inhaltsstoffe, die auf lange Sicht den Verarbeitenden auch Allergene zuführen", sagt Daniel Neuer, Chef der bauausführenden Firma. So könne vor Ort auch auf den Einsatz von Gummihandschuhen verzichtet werden.

Nicht teurer als der herkömmliche Bau aus Stein

Typisch für einen Lehmbau ist das schützende, überstehende Dach. Den Lehm soll man nur noch an der Fensterrahmung sehen. Das Haus erhält eine isolierende Holzfassade. Gedämmt wird von außen mit Hanf. Ausgestattet mit Solartechnik wird aus dem Lehmziegelhaus ein Energie-Plus-Haus.

Trotz aller ökologischer und gesundheitlicher Vorteile wird das Lehmziegelhaus nicht teurer werden als ein vergleichbares Steinhaus. Und das macht es für einen breiten Markt interessant und kann helfen, den Einsatz von Zement beim Bau von Eigenheimen zu reduzieren. Bei der Produktion von nur einer Tonne Zement fallen fast 590 Kilogramm CO2-Emission an.

Quelle: MDR Umschau

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 13. Juli 2021 | 20:15 Uhr

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