Landesbischof Bilz Pfingstbotschaft für Sachsen: Mehr loslassen, mehr zutrauen

Zu Pfingsten feiern Christen die Begeisterung für ihren Glauben und den Geburtstag ihrer Kirche. Landesbischof Tobias Bilz widmete sich in seiner Pfingstpredigt zum Fest allerdings denen, die sich trotz Begeisterung überfordert fühlen und der Frage: Was dagegen tun?

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Loslassen, wenn die Verantwortung nicht mehr geschultert werden kann: Was das heißt und für wen dann Folgen hat, darüber predigte Bischof Tobias Bilz Pfingstmontag in Meißen (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Sachsens evangelischer Landesbischof Tobias Bilz hat zu Pfingsten das Augenmerk auf die Themen Überforderung und Verantwortung gelegt. In seiner Predigt, die Pfingstmontag immer im Dom zu Meißen stattfindet, sprach er über den Umgang mit Überforderung - "oder Burnout, wie man auch sagt". Viele Menschen seien heutzutage überfordert. "Ein Zustand, in dem die Menschen sagen, die Last ist zu schwer, die sie tragen sollen", sagte Bilz und gab zu, "auch manchmal solche Last" zu fühlen. Doch wie damit umgehen?

Einsicht und Aussprache des Problems

Der erste Schritt sei zugleich der schwerste: sich einzugestehen, dass man überfordert sei. Denn es fühle sich manchmal wie Versagen an. Und Schritt zwei? "Es muss ausgesprochen werden." Danach stellten sich die Betroffenen viele Fragen, etwa was man alles übernehmen soll, wofür man verantwortlich sei und was man abgeben müsse. "Denn in Überlastungssituationen finden sich auch alternative Lösungen. Die Person muss Verantwortung abgeben."

Viele Vorgesetzte und Führungskräfte wollten alles kontrollieren und in der Hand behalten. Zugleich höre Bilz in der Landeskirche von vielen Hauptamtlichen den Wunsch, einen Teil der Last an Ehrenamtliche abgeben zu können.

Tobias Bilz aus Dresden ist der neue Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Sachsen.
Landesbischof Tobias Bilz hatte als Grundlage für seine Predigt aus dem 4. Buch Mose Kapitel 11 die Verse 11 bis 25 vorgenommen und Bezüge zum Stresslevel heutiger Tage hergestellt. Bildrechte: dpa

In Überlastungssituationen finden sich auch alternative Lösungen. Die Person muss Verantwortung abgeben.

Tobias Bilz Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen

Verantwortung abgeben und teilen

Zum Pfingstfest erinnerte der Bischof daran, dass Last und Verantwortung abgeben Teilhabe bedeute. Bilz verlangte von denen, die sich überfordert fühlen, dass sie anderen Menschen mehr zutrauen sollten. Gleichzeitig forderte er jene in der sogenannten zweiten Reihe auf, Verantwortung zu übernehmen. "Ich wünsche mir fröhliche Menschen, die ihr Geschäft tun und wir uns alle gegenseitig ermutigen." Sich zu begeistern, sei im Protestantismus und in Deutschland wenig ausgeprägt, weil vieles gern nüchtern betrachtet werde, meinte er. Doch warum nicht mit Pfingsten Neues wagen?

Neue zeitgenössische Kirchenmusik

Neues erklang vor und nach der Bischofspredigt auch im Meißner Dom. Es war der "Christus-Hymnus" des Komponisten Oskar Gottlieb Blarr zu erleben. Das Werk aus dem Jahr 2.000 ist geprägt von ungewöhnlichen, zuweilen orientalisch anmutenden Klängen und wird teils in griechischer Sprache gesungen. Ein Experiment, auf das sich das Ensemble Meißner Dommusik, der Domchor und Solisten unter der Leitung von Domkantor Thorsten Göbel zu Pfingsten einließen.

In Sachsen und weltweit begehen Christen Pfingsten 50 Tage nach Ostern als Fest des Heiligen Geistes. Der Name Pfingsten leitet sich vom griechischen "Pentekoste" ab, was "der 50. Tag" bedeutet.

MDR (kk)/epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Das Wort zum Tag | 06. Juni 2022 | 05:45 Uhr

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