Urlaub zu Hause Der Natur ganz nah - Auf dem Baumlehrpfad durch das Meißner Spaargebirge

Wandern, radeln, campen, schwimmen, klettern - was Freizeitaktivitäten betrifft, da hat Sachsen einiges zu bieten. Deshalb wollen wir Ihnen während der Sommerferien ein paar Freizeit- und Ausflugstipps vorstellen - jeden Tag mit einer Reportage von einem anderen Ort. Urlaub zu Hause im Selbsttest. Heute: Ausflug entlang des Baumlehrpfads im Meißner Spaargebirge

Ein Weinbergshäuschen
Das Weinbergshäuschen Schwalbennest thront hoch über dem Elbtal. Auf der anderen Flussseite ist das Batzdorfer Totenhäuschen zu erkennen. Bildrechte: L. Müller/M. Waldhauer

So geht also Urlaub in Sachsen. Eigentlich nicht mein Ding, zumal die Sonne heute auch noch frei macht. Aber was soll es: Auf geht es ins Meißner Spaargebirge. Ich kenne die Gegend, Freunde haben hier Weinberge. Heute bleibt aber die Rebschere im Kofferraum und der Fotoapparat muss mit. Ich will den neuen Baumlehrpfad besuchen, den die Stadt Coswig im Frühsommer hat anlegen lassen. Start ist am Boselweg im Bauerndörfchen Sörnewitz. Dort steht auch die erste von mehr als 30 Info-Tafeln des Baumlehrpfads.

Mittwochmorgen liegt Ruhe über dem Spaargebirge. Ein Milan zieht seine Kreise am bedeckten Himmel, Rauchschwalben huschen auf der Jagd nach Insekten durch die Luft. Das Spaargebirge ist geologisch gar kein Gebirge, sondern ein Landrücken - drei Kilometer lang und keine zwei Kilometer breit. Bekannt ist das Gebiet für seine Rebflächen, die zur Elbe hin steil abfallen und dort durch Bruchsteinterrassen modelliert sind. Das Syenit-Granit-Gestein verleiht den Weinen besondere Mineralität. Mehrere bekannte Weingüter, eine junge Sektkmanufaktur, viele Hobby- und Nebenerwerbswinzer erzeugen hier Keltertrauben. Einzelne Häuser mit herrlichen Vorgärten wechseln sich mit viel Natur ab. Das Spaargebirge ist ein Landschaftsschutzgebiet.

Üppige Vegetation nach reichlich Regen

Im Sommer 2021 hat es im Vergleich zu den Vorjahren viel geregnet. Das merkt man sofort an der sattgrünen und üppigen Vegetation. Einer mächtigen Stiel-Eiche ist das erste Schild des Lehrpfads gewidmet. Die Tour führt sanft bergauf, der Weg ist ausgewaschen. Schon nach der ersten Kurve werden rechts Rebflächen sichtbar, während links dichter Laubwald den Weg säumt.

Spaargebirge
Von einer Lichtung aus fällt der Blick übers breite Tal der Elbe bei Brockwitz, wo heute Erdbeerfelder und andere Obstplantagen das Bild prägen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Auf einer kleinen Lichtung zwischen Weinbergen und der bewaldeten Höhe haben sich eine Quitte und ein Holunderstrauch angesiedelt und gehören nun zum Baumlehrpfad. Es bietet sich hier ein weiter Blick Richtung Brockwitz und Coswig. Obstplantagen liegen im Tal - dort, wo einst die Ur-Elbe floss und fruchtbares Schwemmland hinterließ. Die Fleecejacke ist mir längst zu warm geworden. Der Weg wird zu einem Pfad, Brennnesseln und Brombeeren ranken in den Weg hinein. Lange Hosen sind hier sinnvoll. Besondere Bäume sind links und rechts des Pfades mit Schildern beschrieben, dazu gibt es auch Erklärungen zu Waldformen und historischer Nutzung etwa eines sogenannten Mittelwaldes.

Abstecher zum Aussichtspunkt auf der Juchhöh

Es dauert nicht lange und die Höhe ist erklommen. Eine Magerwiese dient hier als Sportplatz, wie ein Fußballtor verrät. Wer Lust hast, kann nun noch einen Abstecher zum Aussichtspunkt auf der Juchhöh machen. Von dort bietet sich ein bekannter Blick über das Elbtal und den Klausenberg - Sachsens kleinster Einzellage, bepflanzt mit Chardonnay, Goldriesling, Weiß- und Grauburgunder sowie den Rotweinsorten Regent und Dunkelfelder - bis hinüber zur Meißner Altstadt mit Dom und Albrechtsburg.

Ortschaft zwischen Fluß und Weinberg
Vom Aussichtspunkt auf der Juchhöh schaut man über den Weinberg bis Meißen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Blindschleichen und wilde Nelken

Nach kleiner Rast geht es zurück zum Baumlehrpfad. Links und rechts stehen wieder Weinreben. Filigrane Grasnelken am Wegrand lassen mich innehalten. Einfach mal die kleinen Dinge in der Natur genießen. Wer Glück hat, die Augen aufhält und nicht allzu sehr lärmt, kann beispielsweise Blindschleichen auf den Wiesen entdecken. Ein lichter Wald erlaubt den Blick auf die Reste einer bronzezeitlichen Wallanlage. Seit Jahrtausenden ist das Spaargebirge schon Kulturlandschaft.

Blindschleiche
Wer genau hinschaut, kann Blindschleichen entdecken. Nur noch mal zur Sicherheit: Es sind keine Schlangen, sondern Echsen (ohne Beine). Bildrechte: MDR/L. Müller

Gegenüber steht mit dem Schwalbennest eines der bekanntestes Weinberghäuschen in Sachsen. Auf der anderen Elbseite leuchtet im dichten und dunklen Wald der linkselbischen Täler das Batzdorfer Totenhäuschen mit seinem hellen Putz.

Boselspitze: Die Sächsische Schweiz in der Ferne

Nach wenigen Gehminuten ist der Aussichtspunkt auf der Boselspitze erreicht. Bei klarem Wetter kann man die Türme der Dresdner Altstadt, die Tafelberge der Sächsischen Schweiz und die Ausläufer des Erzgebirges in der Ferne ausmachen, die Elbe verläuft im Tal. Ich gönne mir eine kurze Pause und lasse den Blick in die Ferne schweifen. Geht schon, mal ein Urlaub in Sachsen. Beschaulich wie auf einer Modelleisenbahn stehen die hübsch hergerichteten Häuser und Höfe von Sörnewitz. Jetzt hätte ich schon Lust auf ein gut gekühltes Weinchen im Hof eines Weinguts. Doch das muss noch warten.

Aussicht über Landschaft mit Fluß
Der Aussichtspunkt auf der Boselspitze lädt zur Rast ein. Bildrechte: MDR/L. Müller

Wenn schon auf den Spuren der Natur, dann aber richtig: Der Boselgarten, eine Außenstelle des Botanischen Gartens der TU Dresden, führt Besucher in das besondere Klima des Spaargebirges ein. Hier gedeihen - ganz naturrnah - Pflanzen, die besonders trockenresistent und durchaus auch in mediterranen Regionen heimisch sind. Ein riesiges Insektenhotel bietet Wildbienen ein Zuhause. Wer streng gezogene Rabatten und Primeln in Reih und Glied mag, ist hier freilich falsch oder aber lässt sich darauf ein, einen Garten mit ganz anderen Augen zu sehen und neues zu entdecken.

Wie Naturschützer einem Steinbruch Grenzen setzten Viele hier vorkommende Wärme und Licht liebende Pflanzenarten wanderten nach der Eiszeit aus den Steppengebieten Südost-Europas in das Gebiet ein. Klimaänderungen und der langsamer nachziehende Wald verdrängten sie später auf Rückzugsstandorte.
Abgesehen von der botanischen Bedeutung war der Boselfelsen von jeher markantes Wahrzeichen der Region und beliebter Aussichtspunkt. 1904 ging der Steinbruch am Boselfelsen an die Firma Dümling über. Der Besitzerwechsel hatte eine so starke Intensi­vierung des Abbaus zur Folge, dass Heimatfreunde und Botaniker um den Standort fürchten mussten. Da man sich damals noch nicht auf Naturschutz­gesetze berufen konnte, erwarb der „Landesverein Sächsischer Heimatschutz“ (LSH) auf Anraten des Botaniker Prof. Oskar Drude und mit Unterstützung des Meißener Verschönerungsvereins 1908 ein Flurstück nahe der Abbruchkante - die Keimzelle des heutigen Boselgartens. Damit war dem Steinbruch eine Eigentumsgrenze gesetzt. Die bedrohten Pflanzenarten konnten bewahrt werden und sollten sich vom Garten aus wieder ausbreiten. TU Dresden

Vögel entdecken im Wald

Nun geht es schon wieder bergab zum Ausgangspunkt. Der kleine Pfad verläuft schattig durch dichten Wald. Ein Eichhörnchen huscht über den Weg, ein Bussard startet von einer Baumkrone aus Richtung Elbwiesen. Es sind an diesem Mittwochvormittag nur wenige Wanderer im Spaargebirge unterwegs, an Wochenenden sieht es schon mal anders aus. Rechts öffnet sich noch der Blick auf eine verwilderte, frühere Streuobstwiese. Ein Buntspecht hämmert dort an einem alten Birnenbaum, zwei Kleiber klettern am Stamm einer Erle hoch und runter. Noch fünf Gehminuten - und der Ausgangspunkt ist wieder erreicht.

Landkarte mit dem Aussichtspunkt Juchhöh
Bildrechte: M. Waldbauer

Fazit

Wer sich auf den Ausflug durch das Spaargebirge einlässt, kann viel entdecken. Man sollte aber schon an Flora und Fauna interessiert sein, sonst wird die Tour wahlweise anstrengend oder langweilig. Besonders viel Kondition ist für den Spaziergang nicht notwendig. Die reine Gehzeit für die Runde entlang des Baumlehrpfads liegt unter einer Stunde. Wer alle Tafeln studieren will, sich Pausen gönnt und keine Eile hat, kann mit dem Abstecher zur Juchhöh zwei bis drei Stunden einplanen.

Anreise

  • mit dem Auto bis zum Wanderparkplatz in der Elbgaustraße in Sörnewitz
  • mit Zug/S-Bahn bis Meißen oder Coswig und weiter mit Linienbus 401 bis Sörnewitz
  • mit S-Bahn bis Neusörnewitz, von dort 20 bis 30 Minuten Fußweg
  • mit dem Fahrrad auf dem Elberadweg bis Sörnewitz

Geeignet für

  • naturinteressierte Menschen mit Blick für die kleinen Schönheiten der Tier- und Pflanzenwelt
  • Kinder ab etwa dem Grundschulalter mit Interesse für Tiere und Pflanzen

Nicht geeignet für

  • Menschen mit eingeschränkter Mobilität
  • Kinderwagen/Buggys
  • mit Fahrrad eingeschränkt zu empfehlen

Daran sollte man denken

  • wetterfeste Kleidung
  • trittfestes Schuhwerk
  • je nach Witterung Sonnenschutz
  • im Wald kann Insektenschutz hilfreich sein
  • eine Flasche Trinkwasser o.ä. und je nach Lust und Laune Verpflegung

Tipp

Wenn man schon mal da ist

  • ... lohnt sich die Einkehr in einem der Restaurants in Sörnewitz.
  • ... kann lokaler Wein direkt beim Winzer oder in einer der Straußwirtschaften probiert werden.
  • ... ist die Kombination mit einem Stadtbummel durch Meißen problemlos möglich.
  • ... können die Weinberge bei geführten und vorgebuchten Touren mit dem Winzer erkundet werden.

Bloß nicht

  • ... mit dem Auto hoch ins Spaargebirge fahren, die Straßen und Wege sind eng, teilweise holperig und es gibt nur wenige Stellflächen.

Quelle: MDR/lam

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