Landkreis Meißen Freistaat baut neue Straßenbrücke, wo Bahn einen Tunnel plant

Das Land Sachsen baut eine Straßenbrücke just zu der Zeit neu, zu der die Deutsche Bahn AG einen Tunnel öffentlich vorstellt, nach dessen Projektierung die Gleise unter der Brücke perspektivisch verschwinden sollen. Bei mehreren Bürgern hatte das für Kopfschütteln gesorgt. Sie witterten Geldverschwendung, weil Landesbehörde und die bundeseigene Eisenbahn sich womöglich nicht abstimmen. Das für den Brückenbau zuständige sächsische Landesamt für Straßenbau und Verkehr dementiert.

Blick auf eine Straßenbaustelle mit Ampelregelung
Die Bauarbeiten an Straßenbrücke der S177 in Gröbern über die Berliner Bahnstrecke sind im Gange. Bildrechte: MDR/L. Müller

Die alte Straßenbrücke über die Eisenbahnstrecke Dresden – Berlin bei Gröbern im Landkreis Meißen ist Geschichte. Autos, Motorräder und Lastwagen nutzen eine Ersatzbrücke. Eine Ampel regelt den Verkehr an der Engstelle. In einigen Jahren soll es dort aber gar keine Gleise mehr geben: Die sollen in einem Tunnel verschwinden, der in einiger Entfernung errichtet werden soll. Die alte Straßenbrücke habe "erhebliche, die Verkehrssicherheit einschränkende Mängel" aufgewiesen, teilte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) auf Anfrage von MDR SACHSEN mit.

Weiter heißt es von dort: "Aufgrund des schlechten Zustandes waren besonders engmaschige und aufwendige Bauwerksprüfungen durchzuführen." Es hätten in Kürze "verkehrseinschränkende Maßnahmen" gedroht". Eine "weitere Benutzung der Brücke in der aktuellen Verkehrsführung" wäre nicht mehr möglich gewesen.

Stark befahrene Straße zwischen Meißen und Radeburg

Konkret hätten wohl Lastenbeschränkungen und Einschränkungen in der Brückenbreite entlang der Radeburger Straße gedroht - schlecht für eine Verbindung, die zu einem Wertstoffhof mit Umladestation an einer geschlossenen Deponie führt, an der auch eine Entsorgungsfirma mit schweren Lastwagen ihren Sitz hat. Nicht zuletzt rollt über die Radeburger Straße auch regelmäßig weiträumiger Umleitungsverkehr, wenn die A4 oder die A13 bei Dresden wieder einmal stundenlang dicht sind.

Ein E-Lok zieht einen Güterzug unter einer Brücke hindurch
Die alte Straßenbrücke - hier fährt im Jahr 2014 ein Zug darunter durch - war laut Landesamt für Straßenbau marode und nicht dauerhaft zu erhalten. Bildrechte: MDR/L. Müller

Da es sich bei der S177 um eine wichtige Verbindung im Landkreis Meißen handelt, ist eine eingeschränkte wechselseitige Verkehrsführung, verbunden mit einem Ausschluss von Verkehrsarten, nicht mit der Verkehrssicherungspflicht des Baulastträgers vereinbar.

Landesamt für Straßenbau und Verkehr

Straßenbrücke soll etwa 3,6 Millionen Euro kosten

Deshalb werde über die Bahnstrecke Dresden – Berlin aus Mitteln des sogenannten "100-Bauwerke-Programms" eben jetzt bis Jahresende ein Ersatzneubau für die marode Brücke errichtet, hieß es. Ein Verschieben dieses Vorhabens sei keine Option gewesen und würde die veranschlagten 3,6 Millionen Euro Baukosten weiter in die Höhe treiben, so das Lasuv. Das Landesamt verweist darauf, dass aktuell nicht vorhersehbar sei, ob und wann die Bahn ihr Tunnelvorhaben umsetze. "Zum Zeitpunkt der Erstellung der Genehmigungsplanung für den Ersatzneubau der Brücke bis heute ist kein laufendes Genehmigungsverfahren der Deutschen Bahn dazu bekannt." Die Bahn befindet sich in der Vorplanung, die allerdings schon ziemlich konkret den Verlauf des Tunnels aufzeigt.

Bahn favorisiert Tunnel vor Streckensanierung

Die Deutsche Bahn räumt auf Nachfrage ein, dass auch noch eine Ausbauvariante der Bahnstrecke Dresden – Berlin ohne Tunnel entlang der jetzigen Trasse geprüft werde, so eine Unternehmenssprecherin. Davon wurde aber den Bürgern am 13. April mit der Begründung nichts gesagt, ein Ausbau der Bestandstrecke bringe kaum Veränderungen für sie, ein Tunnel und insbesondere seine Baustelle aber schon. Die Bahn – das räumen auch deren Planer ein – bevorzugt die teurere Tunnelvariante trotz eines Fahrgewinns von nur drei Minuten und Baukosten in Höhe eines dreistelligen, noch nicht näher bezifferbaren Millionenbetrags.

Streckenkarte der Eisenbahn mit einem geplanten Tunnel bei Niederau im Landkreis Meißen
Die Bahn will die Gleise der alten Berliner Strecke bei Gröbern in einen Tunnel verlegen. Bildrechte: Deutsche Bahn AG

Einen Tunnel zahlt der Bund, also der Steuerzahler. Die Straßenbrücke, die im Falle eines Tunnels nicht mehr gebraucht würde, wird mit öffentlichen Geldern des Freistaates errichtet und damit ist auch der Bürger im Boot.

Quelle: MDR/lam

2 Kommentare

Mueller_Lars vor 5 Wochen

@zenkimaus: Vielen Dank für Ihre Anmerkungen. An der Stelle verläuft die parallele Leipziger Strecke in einem Einschnitt (wo es früher einmal den Oberauer Tunnel gab, der 1933/34 geöffnet wurde). Heute erinnert dort ein Denkmal an den einstigen Tunnel. Diese Bahnstrecke bleibt unverändert bestehen. An der dortigen Straßenbrücke wird auch nicht gebaut. Die Berliner Strecke verläuft jedoch so nah unter dem Straßenniveau, dass im Falle eines Tunnelbaus mit Rückbau der alten Bahntrasse eine Brücke mutmaßlich nicht mehr nötig wäre bzw. durch eine Aufschüttung ein wartungsintensives Bauwerk vermeidbar wäre - falls jemals ein Tunnel gebaut wird. Die Fragen der Anwohner nach dem Sinn der Brückenerneuerung zum jetzigen Zeitpunkt erscheinen vor diesem Hintergrund berechtigt. (Autor des Texte, Online-Redaktion)

zenkimaus vor 5 Wochen

Man kann darüber streiten ob es einen Tunnel braucht oder nicht. Doch die Brücke wird gebraucht. Hat jemand sich das Gelände angeschaut. Die Brücke verläuft über einen Einschnitt im Gelände. Wenn die Brücke nicht saniert wird dann müssen die Autos weite Umwege fahren, egal ob dann eine Bahn drunter fährt oder nicht. Diese Bürger welche Steuerverschwendung bei der Brücke vermuten wohnen hoffentlich dort.

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