Urlaub zu Hause Tour de Triebischtal - mit Frankreich-Feeling

Wandern, radeln, campen, schwimmen, klettern - was Freizeitaktivitäten betrifft, da hat Sachsen einiges zu bieten. Deshalb wollen wir Ihnen während der Sommerferien ein paar Freizeit- und Ausflugstipps vorstellen - jeden Tag mit einer Reportage von einem anderen Ort. Urlaub zu Hause im Selbsttest.

Unter einer schönen, alten Steinbrücke fließt ein Bach. Das Ufer säumen grüne Wiesen. Es ist das Triebischtal im Dorf Miltitz bei Meißen.
Bildrechte: Kathrin König

Damit sich Ausflüge wie Aktivurlaub in Frankreich anfühlen, müssen sie für mich kleine Kriterien erfüllen wie: Radfahrt auf gottverlassener Landstraße vorbei an steilen Felsen, in der Nähe ein rauschender Fluss oder wenigstens ein plätschernder Bach. Gut wäre, wenn es unterwegs regionale Leckerbissen gäbe und eine Tasse Kaffee. Und Esel! Ohne Esel, kein richtiger Urlaubstag. All das findet sich aufs Herrlichste in stillen Tälern der Cevennen oder Pyrenäen. Und kurz hinter Meißen. Das glauben Sie nicht?

Flussaufwärts hinaus aus Meißen

Felsen in der Sonne stehen an einem Straßenrand, am Fuße der Wand wurden Metallzäune zur Sicherung angebracht, damit nicht Felsbrocken auf die Straße im Triebischtal bei Meißen stürzen.
Stahlnetze sichern die Straße vor herabfallenden Brocken der Felswände. Bildrechte: Kathrin König

Die Fahrradtour durchs Triebischtal beginnt an der S-Bahn-Endhaltestelle (aus Sicht der Triebischtal-Bahnnutzer am Startpunkt der S1 nach Schöna) der Bahnhof Triebischtal. Von der Bahn-Station kommend, muss man sich links halten Richtung Nossen/Semmelsberg raus aus Meißen. Es geht immer flussaufwärts an der Triebisch entlang. Wer vergessen hat, sich Picknick einzupacken, kann nach gut 700 Metern Strecke beim veganen Bäcker Ernst George (hat montags geschlossen) halten und entscheiden: lecker Törtchen oder lieber Kuchen?

Leider endet der Fahrradweg recht bald , so dass man noch in Meißen auf die Hauptstraße wechseln muss. Zum Glück hält sich bis zum Ende der Sommerferien der Autoverkehr in Grenzen, weil auf dem Dorf in Robschütz Abwasserleitungen gebaut werden. Doch keine Angst: Für Radfahrende und Fußgänger wurde ein Weg freigelassen. Man kann schon in Meißen wacker auf die Baustelle zu strampeln.

Ein Bach fließt rechts neben einer Landstraße entlang. Es ist die Hauptstraße, die durch das Triebischtal führt.
Die Triebisch immer an seiner Seite hat man auch auf dem Rückweg der Radltour. Bildrechte: Kathrin König

Bauerngärten und schöne Wiesen

Die Straße führt auch an einigen Ruinen und Industriebauten vorbei, die an bessere Zeiten erinnern. Dafür sieht man im Kontrast dazu schön sanierte Villen und Mühlen, die das Triebischtal jahrhundertelang prägten. Aus dem Augenwinkel sehe ich immer wieder Bauerngärtchen. Wie beneide ich die Besitzer um die Tomatenstöcke, die prallvoll in der Sonne stehen, um ihre Kürbisse auf Komposthaufen, aufrechten Sonnenblumen, Dahlien. An Obstbäumen leuchten schon Äpfel rot. Als mittelerfolgreiche Lavendel- und Katzenminze-Züchterin (was keine Kunst ist, nur sehr viel Sonne über meinem Garten bedeutet) lasse ich die Pracht hinter mir. Die Straße führt weiter an Auen und Wiesen vorbei nach Garsebach.

sonnenblumen stehen neben Maispflanzen ineinem bauerngarten.
Sonnenblumen grüßen aus Gärten am Wegesrand im Meißner Stadtteil Triebischtal. Bildrechte: Kathrin König

Mühlenläden am Wegesrand

In einer Käsetheke liegen verschiedene Käsesorten in der Auslage.
Verschiedene Käsesorten aus Sachsen gibt es auch im Mühlenladen der Fichtenmühle. Bildrechte: Kathrin König

Da zeigt ein Schild nach links unterhalb der Straße auf den Hofladen der Fichtenmühle. Die ist bereits seit dem Jahr 1210 unter diesem Namen bekannt. Von weitem sieht der Hofladen geschlossen aus, aber die Tür ist offen. Drinnen gibt es regionale Mehlsorten, Gebäck, Eierlikör, aber auch Käse aus Sachsen und Bauernhofeis zu kaufen. Ich frage nach einem Kaffee. "Aber klar, wenn Sie einen wollen, brühe ich den frisch auf", sagt Viola Winkler, die mit ihrer Tochter die Mühle betreibt. Den Kaffee hebe ich mir für den Rückweg auf.

Ich schlängle mich auf dem staubigen Fußweg an Bauarbeitern in Robschütz vorbei, die dort Rohre verlegen und fahre unter kühlem Baumschatten immer parallel zur Triebisch. Zwar geht es durchs Triebischtal, aber es gibt immer wieder Steigungen und Anhöhen zu überwinden, für die ich ohne E-Bike kräftig in die Pedalen treten muss. Da kommt mir zum Verschnaufen ein Stopp an der Mühle Miltitz gerade recht.

Ein graues Maskottchen

Am Gartenzaun vor der Mühle halte ich Ausschau nach Emil. Er ist nicht zu sehen. Oh nein, kein Esel, kein richtiger Urlaubstag! Da entdecke ich ihn im Schatten seines Stallgebäudes. Das schlaue Tier, kühlt sich bei der Hitze! Sechs Jahre alt und total liebenswürdig ist er, sagt Müllermeister Andreas Bartsch. Streicheln oder füttern sind verboten. Der Wallach soll in Ruhe die gute Seele der 400 Jahre alten Mühle bleiben. Esel gucken reicht mir schon. Im Mühlenladen kaufe ich noch Dinkeloblaten. Wie Emil sehne auch ich eine Abkühlung herbei - im Jahnbad Miltitz.

Ein Esel steht an einer Stallwand im Schatten und nutzt die Kühle für sich.
Der Mühlen-Geselle Emil hat sich ein schattiges Plätzchen an seinem Stall gesucht. Bildrechte: Kathrin König

Gleich hinter der Mühle links biege ich ab, rolle an Fachwerkhäusern über einen gepflasterten Hof hinüber zur Brücke über die Triebisch. Die letzten beiden Kilometer bis zum Freibad in Miltitz sind die schönsten der Tour: Es geht auf einem Rad- und Wanderweg abseits der Straße entlang. Buchen säumen linker Hand einen Hang, in den vor Jahrhunderten Bergmänner Stollen gegraben haben. Heute bauen sich Kinder eine Waldbude aus Stöcken und Ästen. Kindergartenkind müsste sein!

Bad mit Wasser aus dem Bergwerk

Wie früher als Kind freue ich mich aufs Schwimmbecken. Seit 90 Jahren erfrischen sich die Menschen im immer kühlen Jahnbad-Wasser. Es kommt aus dem alten Kalkbergwerk in Miltitz und wird heutzutage mit Solarstrom beheizt. Die Infotafel am Eingang zeigt glasklare 22 Grad Celsius an. (Bad-Eintritt: Erwachsene: 3,50 Euro, Kinder: 1,70 Euro).

Leider hat der Imbiss coronabedingt zu, so dass ich auf die leckeren Plinsen, für alle Nichtsachsen: Eierkuchen, verzichten muss. Mit viel Phantasie hatte ich mir die immer als Crepes auf dem Papptellerchen zurecht gelegt. Aber ich habe ja meine Oblaten. Und nun, allez, allez ins Wasser, bevor es zehn Kilometer zurück zum S-Bahn-Halt nach Meißen geht.

Blick auf ein Freibad, in dem Wasser herrlich blau leuchtet. Es ist das Jahnbad in Miltitz.
Was für ein verheißungsvoller Anblick nach zehn Kilometern Radltour durch die Mittagssonne: Das Jahnbad in Miltitz lockt mit klarem Wasser. Bildrechte: Kathrin König

Fazit

Die Radtour ist für Familien mit größeren Kindern geeignet, die sich trauen auf öffentlichen Straßen zu fahren. Die Tour ist knapp 20 Kilometer lang. Eine Pause auf halber Strecke im Jahn-Bad sollte man in den Sommerferien unbedingt einplanen. Ins Bad dürfen coronabedingt 433 Gäste. Wer sich wochentags oder sonnabends am Vormittag aufmacht, hat gute Chancen auf Ruhe auf den Straßen und Platz im Bad. Sonntags sind viele Radrennfahrer im Triebischtal unterwegs und die Hofläden geschlossen.

Sachsen

Durchs Triebischtal Landluft und Erfrischungen unterwegs

Wer mal andere Ansichten und Wege abseits von Elbradweg und Parkwegen der Stadt sucht, wird gleich hinter Meißen fündig. In einem der linkselbischen Täler entlang der Triebisch.

Vor einem Gebäude steht ein touristischer wegweiser und weist in zwei Richtungen. Nach links geht es für Fahrradfahrer nach Nossen, nach rechts nach Mei0en ins Zentrum.
Los geht's am S-Bahn-Halt Triebischtal in Richtung Nossen. Bildrechte: Kathrin König
Vor einem Gebäude steht ein touristischer wegweiser und weist in zwei Richtungen. Nach links geht es für Fahrradfahrer nach Nossen, nach rechts nach Mei0en ins Zentrum.
Los geht's am S-Bahn-Halt Triebischtal in Richtung Nossen. Bildrechte: Kathrin König
Blick von einer Brücke auf einen fluss, der in einem steinerenen Flussbett fließt.
Wer am Startpunkt einmal nach rechts oder links blickt, sieht die Triebisch in Meißen, die die Radfahrer auf den kommenden Kilometern begleiten wird. Bildrechte: Kathrin König
Eine Eisenbahnbrücke führt über einen Bach.
147 Jahre lang konnten Passagiere von Meißen nach Nossen bzw. Richtung Döbeln und weiter nach Leipzig durchs Triebischtal fahren. Das ist seit Ende 2015 Geschichte. Es rollt nur noch Güterverkehr auf einem Teil der Schienen. Bildrechte: Kathrin König
ein mann in rotem T-shirt sitzt an einem Schreibtisch und lächelt in die Kamera. Es ist Müllermeister andreas Bartsch aus Miltitz bei Meißen.
Müllermeister Andreas Bartsch hat in seinem Kontor der Mühle Miltitz viel Arbeit auf dem Tisch. Er freut sich über Radtouristen. Mühlenführungen bietet er an: ab zehn Personen und nur nach Vorbestellung. Bildrechte: Kathrin König
Blumen und Gemüse stehen in einem Bauerngarten auf dem Dorf bei Meißen im Triebischtal.
Weit und breit keine Gärten des Grauens, sondern üppige Bauerngärten, denen man die Liebe ihrer Besitzer ansieht. Bildrechte: Kathrin König
Eine Brücke führt über einen Bach in einer Wiesenlandschaft im Triebischtal.
Hinter der Miltitz-Mühle geht es über die Triebisch hinweg auf einem schönen Waldweg Richtung Freibad. Bildrechte: Kathrin König
Zwei Füße planschen in blauem Wasser eines Freibades.
Zur Halbzeit der Radltour kann man seine Füße im Freibad Miltitz abkühlen. Bildrechte: Kathrin König
Blick auf ein Schwimmbecken in einem Freibad mit großer Metallrutsche. Es ist das Jahn-Bad in Miltitz.
Die große Rutsche im Nichtschwimmerbecken erfreut Kinder und Erwachsene im Jahnbad. Bildrechte: Kathrin König
Ein Esel mit hellem Fell steht am Zaun und schaut einen Besucher an.
Ohne Esel, kein richtiger Urlaubstag. Ist so. Bildrechte: Kathrin König
Alle (9) Bilder anzeigen

Anreise

  • mit der S1 bis Meißen-Triebischtal
  • mit dem Bus ab Meißen Nr. 413 Richtung Miltitz, Ausstieg: Miltitz, Bad oder Plusbus Nr. 418 Richtung Nossen/Rüsseina, Ausstieg Miltitz, Bad
  • mit dem Auto bis Miltitz, Parkplatz Triebischtalstraße/Ecke Am Dorfberg, 01665 Klipphausen, dann ist man ab Mühle Miltitz bis zum Freibad zu Fuß unterwegs

AUf einer Karte sieht man die Umrisse des Landes Sachsen und einen Pfeil in der Ortschaft Garsebach bei Meißen. Dort wird ein Geheimtipp beschrieben. Nämlich die Pechsteine, eine Gesteinsformation im Tal der Triebisch.
Bildrechte: MDR

Geeignet für

  • alle Fahrradfahrer, auch ohne E-Bike
  • Kinder, die sicher Radfahren können, denn es gibt keine durchgängigen Radwege
  • für Menschen, die nicht nur perfekt ausgestattete Touristenziele sehen wollen
  • für Leute, die morbiden Charme verlassener Industriebauten schätzen und Eisenbahn-Relikten etwas abgewinnen können
  • naturinteressierte Menschen mit Blick für die Schönheiten der linkselbischen Täler und/oder für Gesteinsarten
  • behindertengerechte Toiletten gibt es im Jahnbad

Daran sollte man denken

  • Fahrradhelm, Luftpumpe fürs Fahrrad
  • je nach Witterung Sonnenschutz, Badebekleidung
  • Picknickspeisen für unterwegs
  • Platz im Rucksack für regionale Leckereien aus den Mühlenläden

Tipp

  • Falls genug Zeit ist und Ihre Kinder Wasserspielplätze mögen, lohnt gleich zu Beginn der Radtour ein Abstecher auf den Abenteuerspielplatz Wald-Burg (200 Meter nach Bäcker George rechts die Straße namens An der hohen Eifer hoch, nach ca. 200 Metern sieht man einen burgartige Anlage mit Bachlauf daneben).

Wenn man schon mal da ist

  • ... sollte man immer mal wieder auf die Triebisch blicken, wo es renaturierte Stellen, feste Wehre und Fischaufstiegshilfen gibt
  • ... den ausgeschilderten Geopfad zwischen Miltitz und Munzig erkunden
  • ... lohnt sich am Ende des Tagesausflugs ein Gang durch die Altstadt Meißens.

Bloß nicht

  • ... sich sonntags darauf verlassen, schon irgendetwas zur Einkehr zu finden. Das werden Sie auf der beschriebenen Route nicht.
  • ...von den Umleitungsschildern ab Meißen beeindrucken lassen, der Weg ist für Radfahrer und Fußgänger frei.
  • ... Esel Emil über den Gartenzaun füttern. Er kriegt von mitgebrachten Speisen Koliken.

Eine Eisenbahnbrücke führt über einen Bach.
Bildrechte: Kathrin König

Mehr zum Thema Sommerurlaub

Mehr aus Meissen

Mehr aus Sachsen