Corona Dresden plant Kampagne um Impfquote bei Migranten zu erhöhen

MDR-Volontär 2019/2021 Robin Hartmann
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Für Menschen, die noch nicht lange in Deutschland leben und die Sprache erst lernen, ist es oft schwierig an Informationen zum Coronavirus zu kommen. Auch in Dresden ist es für Migrantinnen und Migranten nicht leicht, sich über Schutzmaßnahmen und die Impfungen zu informieren. Die Stadt will Menschen, die wenig Deutsch sprechen, jetzt besser informieren – auch um die Impfquote zu erhöhen, damit im Herbst möglichst viele Menschen vor dem Virus geschützt sind.

Zahlreiche Menschen stehen vor dem Impfzentrum Sachsen in der Messe Dresden
Migrantinnen und Migranten sollen in Dresden bald auch in ihrer Muttersprache Informationen zur Corona-Impfung erhalten. Bildrechte: dpa

Kristin Kaufmann nennt die beiden großen Delta-Ausbrüche in großen Wohnhochhäusern in Dresden Einzelfälle. Die Sozial- und Gesundheitsbürgermeisterin der Stadt Dresden sagte MDR AKTUELL, ihre Verwaltung lerne auch dazu und würde das Geschehen weiter genau beobachten. "Ich würde jetzt aber keinen Schluss ziehen wollen, dass in Wohnhochhäusern oder in Gebäuden des industriellen Wohnungsbaus Hotspots entstehen. Es sind zufällige Entwicklungen und wir behandeln jeden Fall unabhängig davon, ob er in einer Villengegend, im innerstädtischen Bereich oder in einer Zeilenbauweise auftritt, gleich", erklärt Kaufmann. Die Stadt stelle online mehrsprachiges Informationsmaterial zur Verfügung und arbeite auch mit Sozialarbeitern zusammen, daher glaubt Bürgermeisterin Kaufmann nicht, dass diese Ausbrüche mit der Herkunft der Bewohnerinnen und Bewohner in Zusammenhang stünden.

Wenige Corona-Informationen in anderen Sprachen

Monika Eule hat allerdings andere Erfahrungen gemacht. Die Deutsch-Sprachlehrerin unterrichtet aktuell 15 Schülerinnen und Schüler, die teilweise noch nie eine Schule besucht haben. Wirklich gut über Corona informiert fühlten sich ihre Schülerinnen und Schüler nicht: "Tatsächlich ist es so, dass diese Leute keinerlei Informationen weder vom Jobcenter noch von irgendwelchen Behörden bekommen haben, also so weit – haben sie mir heute gesagt – waren sie eigentlich uninformiert." Wichtige Informationen, wie beispielsweise die Maskenpflicht, hätten sie teilweise durch das Fahren mit der Straßenbahn mitbekommen.

Ihre Schülerinnen und Schüler stehen dabei aber nur für einen Bruchteil der knapp 50.000 Menschen ohne deutschen Pass in Dresden. Die meisten von ihnen verstehen Deutsch, haben ein Netzwerk oder wissen, wo sie Informationen herbekommen. Dennoch gibt es Menschen, die erst wenige Wochen im Land und überfordert mit Kultur und Sprache sind und keine Kontakte in Deutschland haben. Monika Eule erlebte in ihrem Kurs, dass auch die Neuankömmlinge ein großes Interesse an Informationen zu Corona haben: "Ich glaube, den Leuten ist das schon klar und sie haben aus ihrer Heimat natürlich auch viele schreckliche Informationen, wie krank die Leute sind, wie wenig Versorgung es dort für sie gibt. Solche Informationen kamen natürlich auch bei ihnen an. Insofern war ihnen die Brisanz dieser Krankheit sehr schnell sehr bewusst."

Informationskampagne für Migraten zu Corona-Schutz geplant

Doch Schulmaterial der Stadt zu Corona gibt es nicht. Daher stellt Eule selbst Material zusammen, berichtete ihrer Klasse über die Aufhebung der Priorisierung und erklärte wie sich die Schülerinnen und Schüler impfen lassen können. Alles vor allem mündlich, da die offiziellen Schreiben für manche Schülerinnen und Schüler noch zu komplex sind.

Bürgermeisterin Kaufmann setzt aber weiter auf schriftliche Informationen und will damit in Zukunft noch mehr in die Stadtteile gehen. In der nächsten Woche soll eine Kampagne beginnen: "Hier planen wir eine direkte Ansprache der Bewohnerinnen und Bewohner und Familien in ihrer Muttersprache über Postwurfsendungen, dass es Impfangebote gibt im Impfzentrum, aber dass wir eben auch dezentrale Angebote schaffen werden, wo man dann vorbeischauen kann und eine Impfung wahrnehmen kann."

Damit die Informationen zum Beispiel auch Analphabetinnen und Analphabeten erreichen, sehe sie aber auch migrantische Netzwerke in der Pflicht. Schließlich würden am Ende alle profitieren, wenn die Impfquote im Herbst hoch ist.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 13. Juli 2021 | 08:07 Uhr

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