Gefahr für Jungtiere Naturschützer bitten um Rücksicht auf kleine Wildkatzen

Füttern und Mitnehmen - davon raten Natürschützer bei Wildtieren generell ab. Demnach kommt es gerade bei Wild- und Hauskatzen oftmals zu einer Verwechslung - mit teils verheerenden Folgen für die mitgenommenen Wildtiere.

Wildkatze im Wildkatzendorf Hütscheroda
Ist es eine Wild- oder doch eine Hauskatze. Gerade in der Nähe von Städten kann es hier zu einer Verwechslung kommen. Bildrechte: MDR/Steffi Peltzer-Büssow

Naturschützer haben mit Blick auf die kommenden Wochen um besondere Rücksicht auf den Nachwuchs von Wildtieren gebeten. "Viele Jungtiere - auch von gefährdeten Arten wie der Europäischen Wildkatze - sind bereits in den Wäldern unterwegs", teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Montag mit.

Besonders bei Wildkätzchen besteht eine große Gefahr, dass sie mit Hauskatzen verwechselt und mitgenommen werden.

Almut Gaisbauer Wildtierexpertin des BUND

Wildkatzen nicht mitnehmen

Wildkatze im Wildkatzendorf Hütscheroda
Wildkatzen sollten nicht mitgenommen werden, da so laut Naturschützern unnötiger Stress und große Risiken entstehen können. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Da Wildkatzen nicht nur in abgelegenen Wäldern vorkommen, sondern mancherorts auch recht nah an Städten zu sehen sind, werde dringend empfohlen, Katzenjunge in Wäldern nicht mitzunehmen. Das bedeute für die Tiere unnötigen Stress und große Risiken: "In Menschenhand drohen den jungen Wildkatzen gefährliche Hauskatzen-Krankheiten, die meist tödlich enden. Bestenfalls steht ihnen ein langer und mühevoller Weg der Wiederauswilderung bevor. Oft gelingt dieser leider nicht", warnt Gaisbauer. Als geschützte Wildtiere dürften sie nicht ohne Not aus dem Wald mitgenommen werden.

Nach Angaben der Naturschützer sollte auf jeden Fall Abstand zu Jungtieren gewahrt bleiben. In der Regel seien Muttertiere gerade auf der Jagd oder würden in der Nähe abwarten: "Wichtig ist außerdem, dass Hunde im Wald angeleint werden. Sie stellen für die Jungtiere eine echte Gefahr dar", betonte Gaisbauer.

2020: Wieder Wildkatzen im Werdauer Wald

Ende vergangenen Jahres sind im Werdauer Wald Wildkatzen anhand von Haarproben nachgewiesen worden. In der Region seien seit 170 Jahren keine Wildkatzen mehr gewesen, heißt es vom BUND. Bei der Untersuchung wurden Fotofallen im Wald aufgestellt und Haarproben gesammelt. "Bedauerlicherweise war das Genmaterial nicht ausreichend, um zu beurteilen, wie viele verschiedene Individuen vorliegen und ob es sich um Männchen oder Weibchen handelt. Das ist ein bisschen ärgerlich", sagt Gaisbauer.

Wildtiere auch immer öfter in der Stadt

Wildschwein schaut hinter einem Baum hervor.
Wildschweine bedienen sich gern an Mülltonnen oder in Gärten. (Archiv) Bildrechte: imago images / blickwinkel

Wildschweine, Füchse, Waschbären, Biber und sogar Wölfe: Viele Wildtiere sind inzwischen in kleinen und großen deutschen Städten heimisch. Die Tiere werden vom großen Futterangebot angelockt, stören sich nicht am Lärm und finden auf Brachflächen und in Gärten nahezu paradiesische Lebensräume. Für viele Wildtiere sind Städte ein regelrechter Supermarkt, in dem sie in Mülltonnen und Gärten nur noch zulangen müssen. 

Das große Nahrungsangebot ist aber nicht der einzige Grund, warum Feldhase, Wolf, Rotfuchs und Co. den Weg in die Städte finden. Der Fuchs beispielsweise ist ein regelrechter Nahrungsopportunist. Er fängt Kleintiere wie Mäuse, Tauben und Wildkaninchen und labt sich ebenso an Abfällen. Auch Wildschweine haben die Erfahrung gemacht, dass sich in Mülltonnen, Gärten und Komposthaufen Essbares finden lässt.

Wildtiere nicht füttern

Fuchs in einem Garten neben einem Liegestuhl an einer Hauswand
Wildtiere verschlägt es immer mal wieder in bewohnte Regionen. Es gilt aber: Man sollte sie nicht füttern. Bildrechte: IZW Berlin

Grundsätzlich gilt, dass Wildtiere nicht gefüttert werden sollten. Es empfiehlt sich, Mülltonnen zu verschließen und nach Möglichkeit in Garagen, Schuppen oder Kellerabteilen unterzustellen, um den Zugang für Wildtiere zu erschweren. Katzenklappen sollten nachts verschlossen werden, da auch sie ein Zutrittstor sein können. Seit ein paar Jahren boomt die Kleintierhaltung im urbanen Raum. Wer Hühner, Enten oder Kaninchen hegt und pflegt, sollte darauf achten, dass die Ställe ausreichend gesichert sind, damit Fuchs, Waschbär und Co. nicht eindringen können.

Anders verhält es sich bei Wildschweinen. Haben diese eine Mülltonne in ihre Mangel genommen, sollten Menschen das Schwarzwild in Ruhe lassen und sich bei der Umweltbehörde oder Polizei melden, damit diese den zuständigen Stadtjäger oder Förster informieren.

Quelle: MDR, pow, DPA

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