Ukraine Krieg Wie der BND Putin in Dresden ausspioniert hat

Die Aufgabe von Wladimir Putin in seiner Zeit in Dresden war: Spionage in Richtung Bundesrepublik Deutschland. Doch auch der damalige KGB-Offizier ist ausspioniert worden – und die Quelle des BND hat auch Sachen herausgefunden, die hinter Putins Wohnungstür stattgefunden haben.

Wladimir Putin bei einem Besuch in Dresden im Jahr 2006.
Wladimir Putin bei einem Besuch in Dresden im Jahr 2006. In seiner Zeit als KGB-Offizier in den Achtziger Jahren ist der spätere russische Präsident in den Fokus des BND geraten. Bildrechte: dpa

Es war Mitte der Achtziger Jahre als Wladimir Putin nach Dresden versetzt worden ist. Seine Aufgabe in der dortigen Residentur des KGB: Spionage in Richtung Westdeutschland. In Dresden sei es etwa ein Ziel gewesen, Studenten der TU zu finden, die "dann ins Ausland oder in die Bundesrepublik gegangen sind und diese für einen geheimen Einsatz zu rekrutieren", erklärt die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Doktor Nancy Aris.

Putin hatte sich dafür damals auch hervorragende Kenntnisse der deutschen Sprache angeeignet. Der DSF-Bezirkssekretär Kurt Kranke hatte Putin die Ehrennadel der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft verliehen und sich damals mit ihm über Immanuel Kant unterhalten. Der KGB-Offizier hatte die Schrift des Philosophen "Zum ewigen Frieden" im deutschen Original gelesen, berichtet Kranke am Telefon.

Putin hat Kant auf Deutsch gelesen

"Er sprach ein einwandfreies Deutsch, fast akzentfrei und war auch bemüht, immer seine Deutschkenntnisse zu erweitern", sagt Horst Jehmlich heute. Zu DDR-Zeiten war er Oberst und als Offizier für Sonderaufgaben sozusagen die rechte Hand des Leiters der Bezirksverwaltung. Die Agenten des KGB und der Staatssicherheit arbeiteten eng zusammen. Jehmlich berichtet, dass Putin vor allem an Redewendungen und Witzen in Deutsch interessiert gewesen sei. "Also wir haben wirklich einen guten Draht zueinander gehabt."

Jehmlich hatte damals dafür zu sorgen, dass die Staatssicherheit dem KGB nicht in die Quere kommt, wenn der russische Geheimdienst Agenten werben wollte. Doch die Agenten des MfS und KGB verbrachten auch Freizeit zusammen – streng abgeschirmt vom Rest der Bevölkerung.

Beim Fußball soll Putin ähnlich ehrgeizig gewesen sein, wie bei der Sprache. "Ja, im Freizeitbereich bin ich Wladimir Putin begegnet im Zusammenhang mit unserem Dienstsport", sagt Jehmlich. Dieser habe jeden Samstag von sieben bis neun Uhr stattgefunden und die Sowjets hätten dort mitgemacht. "Meistens haben wir Fußball gespielt und Wladimir war ein sehr ehrgeiziger Spieler und wollte unbedingt immer seine Tore schießen. Das hat er meistens geschafft."

Dolmetscherin in KGB-Residentur als BND-Quelle

Was weder Horst Jehmlich noch Wladimir Putin damals ahnten, ist, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) über vieles, was hinter den Mauern der KGB-Residentur in Dresden besprochen wurde, genau Bescheid wusste. Herausgefunden hat das Erich Schmidt-Eenboom, Deutschlands bester Geheimdienstkenner außerhalb des Geheimdienstes. Schmidt-Eenboom hat dafür drei hochrangige Quellen beim BND: "Dem Bundesnachrichtendienst ist es Anfang der Achtziger Jahre gelungen, die Dolmetscherin in der KGB-Residentur in Dresden als Quelle zu gewinnen."

Es geht um Lenchen S.. Ihr "Deckname war auch Balkon, wegen ihrer großen Oberweite. Und die hat dann bis zum Ende der Achtziger Jahre für den Bundesnachrichtendienst nachrichtendienstlich spioniert", sagt Schmidt-Eenboom, vom Institut für Friedensforschung Weilheim. Am Ende hatte Oberst Lasar Matwejew, der Chef der Residentur, eine Affäre mit der BND-Agentin "Lenchen" und sie soll sozusagen im Dienst schwanger geworden sein.

"Also Lenchen hat dann eine komplizierte Schwangerschaft vorgetäuscht, durfte in West-Berlin untersucht werden", berichtet Friedensforscher Schmidt-Eenboom. Dort habe sie den BND-Verbindungsführern gesagt, dass sie eine Weiterarbeit nervlich nicht verkraften könne. "Dann bekam sie eine Spätabtreibung vom BND finanziert und wurde in Süddeutschland als Pensionswirtin zur Ruhe gesetzt."

Putins lockeres Leben in Dresden

Putin bewohnte in seiner Zeit in Dresden mit seiner Frau und Tochter eine kleine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung im Plattenbau in der Radeberger Straße 101. Im Block wohnten nur Familien, deren Eltern ganz oder teilweise bei der Staatssicherheit oder beim KGB arbeiteten. So sollte die Konspiration gewahrt bleiben. Doch der BND erfuhr dennoch, was hinter Putins Wohnungstür stattfand, denn Agentin "Lenchen" war eine sehr gute Freundin von Putins damaliger Ehefrau.

"Also aus dem Privatleben Putins konnte Lenchen als Kummerkasten der Putina berichten", sagt Schmidt-Eenboom: "Dass Putin ein Schürzenjäger war, viele außerordentliche außereheliche Verhältnisse hatte und auch seine Frau geschlagen hat." Auch andere BND-Quellen berichten über Putins lockeres Leben in Sachsen.

Also die Tatsache, dass Wladimir Putin in Dresden ein uneheliches Kind gezeugt hat, ist mir von einem hochrangigen BND-Informanten so bestätigt worden.

Erich Schmidt-Eenboom Institut für Friedensforschung Weilheim

Vier gescheiterte Anschläge auf den Präsidenten von Russland

Schmidt-Eenboom weiß aufgrund seiner guten Kontakte zu Geheimdiensten noch mehr über Putin, was der Öffentlichkeit bislang verborgen geblieben ist: "Es gab nach der Annexion der Krim ein Psychogramm des Bundesnachrichtendienstes über Putin, in dem schon gewarnt wurde, vor seinem Expansionsdrang, vor dem Anspruch, die Einflusszonen der ehemaligen Sowjetunion wiederherzustellen."

Besonders markant an diesem Bericht sei gewesen, dass darin auch über vier Mordanschläge auf Putin berichtet wurde: "In Baku, in Sankt Petersburg, und einmal sogar auf dem britischen Flughafen Heathrow", so Schmidt-Eenboom. "Sowas prägt einen Menschen, wenn man viermal Attentate überlebt hat, und es macht es ihm auch offensichtlich sehr viel leichter, seinerseits Tötungsbefehle auszusprechen."

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Quelle: MDR exakt/ mpö

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 25. Mai 2022 | 20:15 Uhr

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