Elberadweg umgeleitet Fahrradclub-Chef: Verkehrsplanung in Dresden ist "lebensfremd"

Dresden ist eine Fahrrad-Stadt: An jedem Werktag wird von Dresdner Radfahrern die Erde statistisch 20 Mal umrundet. Der Dresdner Fahrradclub ADFC, der in der Stadt 4.800 Mitglieder vertritt, übt vor Ostern jedoch scharfe Kritik an Zustand und Planung von Radwegen. Anlass ist eine baustellenbedingte Sperrung des Elberadweges in Höhe des Landtags ab Dienstag nach Ostern.

Elberadweg - Dresdner Altstadtsilhouette im sommerlichen Abebndlicht
Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Über Ostern sind wieder viele Radler entlang der Elbe unterwegs, um die Sächsische Schweiz oder in der anderen Richtung die Weinstadt Radebeul zu erkunden. Spätestens ab Dienstag nach Ostern läuft aber nicht mehr alles rund: In Höhe des Sächsischen Landtags wird, wie der Fahrradclub ADFC kritisiert, der Radweg acht Wochen lang gesperrt. Eine Stützmauer zwischen Basteischlösschen und Kongresszentrum muss neu verfugt werden.

Elbradweg auf vielbefahrene Hauptstraßen umgeleitet

Der Aufreger für den Fahrradclub: Die Stadt hat die Radumleitung werktags über das Straßennetz nebenan verlegt: über das Ostra-Ufer, die Devrientstraße und das Terrassenufer. Nur an Wochenenden können Radfahrer und Spaziergänger mit Einschränkungen den Elberadweg passieren.

Für den Geschäftsführer des ADFC Dresden, Edwin Seifert, ist "diese Umleitung wochentags wieder einmal absolut lebens- und realitätsfremd", kritisiert er in einer Pressemitteilung am Gründonnerstag. Denn: "Keine Dresdner Radfahrerin und kein Radfahrer wird diesen Weg nehmen, sondern stattdessen direkt entlang der Elbseite des Landtages auf der Neuen Terrasse und über den Bernhard-von-Lindenau-Platz fahren."

Gefahr für Ortsunkundige und Kinder

Seifert sieht dort werktags eine Gefahr wegen des vielen Verkehrs vor allem für ortsunkundige Radler und Familien mit Kindern. "Gerade in der Osterferienzeit werden das nicht wenige Radfahrer sein. Radfahrende Familien mit Kindern möchten wir uns aber auf dem Ostra-Ufer und der Devrientstraße nicht vorstellen müssen."

Bus auf Straße und Fahrrad auf Radwege, dazwischen viel Abstand 4 min
Bildrechte: Paula Schwarzer

Warum nicht die Promenade vor dem Landtag offiziell nutzen?

Der Sprecher des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), Alwin-Rainer Zipfl, sagte MDR SACHSEN MDR, dass die Stadt Dresden am Landtag die Bauarbeiten, Planungen und die Umleitung durchführe und dass "die Promenade vor dem Landtag keine straßenrechtlich gewidmete Fläche", sondern als "Fußgängerbereich ausgewiesen" sei. Die Stadt habe den Baubetrieb SIB nicht wegen einer vorübergehenden Nutzung angefragt.

Kein Geld für Flächennutzung?

Genau das hatte der ADFC ins Spiel gebracht und mutmaßt: "Für die Flächennutzung Miete zahlen möchte die Stadt nicht. Und so muss sie die offizielle Umleitung nun über die Straßen ausschildern."

An der Pulsnitzer Straße Ecke Louisenstraße konnten Radler in umgekehrte Richtung die Einbahnstraße befahren. Die Stadt entfernte dieses Schild trotz kritik des ADFC
Die Stadt entfernte das Schild "Fahrrad frei" in einer Einbahnstraße in der Neustadt Bildrechte: MDR/ADFC DRESDEN

ADFC hört Amtsschimmel an vielen Straßen wiehern

Für den ADFC "wiehert der Amtsschimmel" vor den Ostertagen nicht nur am Landtag. Er kritisiert mehrere "verhinderte oder unsichere Radverkehrsanlagen aufgrund Ämterpraxis." Als Beispiele nennt der Verein "viel zu schmale Radwege in Nord-Süd-Richtung" an den Kreuzungen Fetscherstraße/Blasewitzer Straße und Koreanischer Platz.

Auf der vielbefahrenen Bautzner Straße bemängelt der ADFC "keine Markierung von Radwegen wegen Priorität auf Verkehrsfluss" zwischen Martin-Luther-Straße und Prießnitzstraße.

Vorwurf: Stadt blockiert Radfahren

Auch ein Ärgernis für den ADFC: Im Vorjahr entfernte das Amt von Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn (Bündnis 90/Grüne) das Schild "Fahrrad frei" in einem Abschnitt der Pulsnitzer Straße. Dort durfte bis dahin zwischen Louisenstraße und Martin-Luther-Platz in umgekehrter Richtung geradelt werden.

Der ADFC wirft der Stadt eine "Blockade des Radverkehrs seit Jahren" vor und verlangt von Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Baubürgermeister Kühn, "Dresdens Verkehrsämter endlich auf Fahrradkurs zu bringen".

An der Pulsnitzer Straße Ecke Louisenstraße konnten Radler in umgekehrte Richtung die Einbahnstraße befahren. Die Stadt entfernte dieses Schild trotz kritik des ADFC
Die Stadt entfernte das Schild "Fahrrad frei" in einer Einbahnstraße in der Neustadt Bildrechte: MDR/ADFC DRESDEN

Dürre Antwort der Stadt auf Vorwürfe

Der Dresdner Baubürgermeister Stephan Kühn (B90/Die Grünen)
Der Dresdner Baubürgermeister Stephan Kühn (B90/Die Grünen) ist für die funktionsfähigkeit der Radverkehrsanlagen in Dresden zuständig und muss sich Kritik vom ADFC gefallen lassen. Bildrechte: Bündnis 90/Die Grünen, Landesverband Sachsen

Auf die Frage, warum es auf den vom ADFC genannten Radwegen nicht rund rollt, schickte eine Sprecherin von Baubürgermeister Kühn auf Anfrage von MDR SACHSEN eine dürre Antwort. Die vom ADFC benannten Mängel seien "dem Amt bekannt". Und: "In jedem Fall gibt es Gründe dafür, dass etwas noch nicht so weit ist, wie auch das Amt sich das wünschte."

Mehr zu diesem "großen Themenspektrum" könne das Straßen- und Tiefbauamt, das Anfang des Jahres in einer Präsentation neue Vorhaben zu Radwegen vorstellte, nicht sagen. Begründung: Etliche Mitarbeiter seien bereits im Osterurlaub. Das träfe auch für die Dresdner Radverkehrskoordinatorin Paula Scharfe zu, die der MDR um eine Stellungnahme gebeten hatte.

In jedem Fall gibt es Gründe dafür, dass etwas noch nicht so weit ist, wie auch das Amt sich das wünschte.

Sprecherin des Baubürgermeisters der Stadt Dresden

Rechtsaufsicht eingeschaltet

Zur Pulsnitzer Straße schickte der ADFC inzwischen einen Brief an die zuständige Rechtsaufsicht, das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV). Im Schreiben erläutert der Verein seine Sicht und warum die Freigabe in Gegenrichtung von den relevanten technischen Regelwerken gedeckt ist.

MDR (wm)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 14. April 2022 | 11:30 Uhr

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