Hilfe für Ukraine Wie Seenotretter Flüchtlingen aus der Ukraine helfen

Bereits kurz nach Beginn des Angriffes von Russland auf die Ukraine, haben Freiwillige der Hilfsorganisation "Mission Lifeline" einen Konvoi an die Grenze der Slowakei zur Ukraine gestartet. Die Dresdner helfen vor Ort und bringen Geflüchtete in Sicherheit.

Nach 850 Kilometern hat ein Hilfskonvoi aus Dresden die Grenze der Slowakei zur Ukraine erreicht. Freiwillige von "Mission Lifeline" sind bereits einen Tag nach der Invasion durch Russland losgefahren. Sonst retten sie Geflüchtete auf dem Mittelmeer, jetzt wollen sie Menschen helfen, die vor dem Krieg fliehen – zu Tausenden kommen diese an der Grenze zur Slowakei an und müssen teils stundenlang in der Kälte ausharren.

Es sind fast ausschließlich Frauen und Kinder die in der Slowakei ankommen. Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren – also im wehrfähigen Altern – lässt die Ukraine nicht mehr aus dem Land. An den Grenzübergängen sind Hilfsorganisationen, Priester und Behörden rund um die Uhr im Einsatz. Dort werden Lebensmittel über die slowakische Grenze gereicht, damit die Flüchtlinge in der Schlange wenigstens etwas zu essen haben.

Viele Menschen wollen den Ukraine-Flüchtlingen helfen

Hermine Poschmann koordiniert den Konvoi von "Mission Lifeline". Ihr Familienbus – ein weißer Camper – ist nun ein rollendes Büro. Schon während der zehnstündigen Fahrt telefoniert sie immer wieder: "Es gibt jetzt tatsächlich konkrete Unterkünfte für maximal 30 Personen. Dafür haben wir jetzt eine Telefonnummer." Menschen aus dem Landkreis Görlitz können Geflüchtete bei sich aufnehmen. Es ist ein Beispiel von vielen: Seit die Dresdner online den Konvoi angekündigt haben, erhalten sie eine Flut von Hilfsangeboten.

Schließlich erreicht der kleine Konvoi den Grenzübergang Vyšné Nemecké. Dieser liegt nahe der ukrainischen Stadt Uzghorod. Es ist nicht der einzige Ort, an dem Menschen versuchen die Grenze zu überqueren. Laut den Vereinten Nationen (UN) sind bereits 67.000 Menschen in der Slowakei angekommen.

Frauen und Kinder vermissen ihre Männer und Väter

Natalia ist mit ihrem Sohn und Tochter aus der Ukraine geflohen.
Natalia und ihr siebenjähriger Sohn sind aus Kiew geflohen. Bildrechte: MDR exakt

In einem großen und beheizten Zelt können sich Frauen und Kinder aufwärmen, die es über die Grenze geschafft haben. Auch Natalia ist an diesem Tag Ende Februar gerade erst mit ihren beiden Kindern angekommen. Ihr Mann ist in der Armee. Sie hat große Angst um ihn: Bislang gehe es ihm gut. "Aber ich weiß nicht, wie es in Zukunft sein wird", sagt sie mit erstickter Stimme.

Bei Kriegsausbruch ist Natalia mit ihrem Sohn und ihrer Tochter aus Kiew geflohen. "Wir sind am Donnerstag von Bomben geweckt worden. Es war furchtbar", sagt die junge Mutter. Sie sei 22 Stunden und ohne Pause mit dem Auto bis zur Grenze gefahren. Freunde aus Polen haben ihr Unterstützung angeboten. Nun warten die drei darauf von ihnen abgeholt zu werden. "Ich möchte zurück nach Hause", sagt der siebenjährige Sohn. Natalia hofft, dass ihre Kinder auf andere Gedanken kommen, wenn sie in Sicherheit sind.

Studentinnen aus Nigeria in der Slowakei gestrandet?

Angela aus Nigeria hat in der Ukraine Medizin studiert.
Angela aus Nigeria hat Medizin in Uzghorod studiert. Bildrechte: MDR exakt

An der Grenze kommen nicht nur Ukrainer an. Die Helfer aus Dresden treffen dort auch auf eine Gruppe ausländischer Studierender. Rund 80.000 gibt es in der in der Ukraine. Angela aus Nigeria studiert Medizin in Uzghorod und berichtet auf Englisch: "Alle hatten Panik. Die Lebensmittelgeschäfte waren leer gekauft. Später haben wir uns nicht mehr sicher gefühlt und beschlossen, in die Slowakei zu kommen."

Die Freiwilligen von "Mission Lifeline" haben sie anschließend mit einigen anderen Studierenden in ein Hotel gefahren. Am folgenden Morgen versuchen sie zu klären, wie es für die gestrandeten Studierenden weitergehen kann. Ihre Aufenthaltsgenehmigungen für die Ukraine gelten in der EU nicht. "Nach meinen aktuellen Informationen ist der erste Schritt, den ihr unternehmen müsst: Ihr müsst zu einer Botschaft gehen", sagt Koordinatorin Hermine Poschmann.

Es gibt viel zu organisieren. Später zerstreut sich der Konvoi in verschiedene Richtungen - Angela wird von den Helfern nach Wien gebracht. Von dort will sie nach Nigeria zurückfliegen. Für andere führt die Reise nach Bratislava, wo sie erst einmal bleiben wollen.

Menschen sortieren Spenden. 11 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jugendlicher will aus Bratislava in den Cyberkrieg ziehen

Im Hotel in der slowakischen Hauptstadt trifft MDR exakt – das den Konvoi begleitet hat – auch auf Andrej und seine Familie. Der 17-Jährige hat bis zum Ausbruch des Krieges ein Gymnasium in Kiew besucht. Jetzt will er sich am Cyberkrieg gegen Russland beteiligen, erzählt er. Sein Informatiklehrer habe allen 30 Schülern der Klasse eine Hausaufgabe mitgegeben. "Wir dürfen ein Programm einladen und auch die russischen Ressourcen, Banken attackieren." Wenn er eine stabile Internetverbindung habe, werde er das auch machen.

Andrej will eigentlich in Deutschland studieren. Aber jetzt muss er sich erstmal um seinen Bruder und seine Cousins kümmern, denn ihre Väter sind in der Ukraine geblieben. "Natürlich ist es schwer, aber ich habe keine Angst", sagt er. Wenn er ein Jahr älter wäre, würde er die Ukraine anderes unterstützen. Doch mache er "auch einen anderen Typ des Kriegs, um der Ukraine irgendwie zu helfen".

Ex-Bürgermeister nimmt Familie bei sich auf

Währenddessen sind auch bereits Autos der Helfer von "Mission Lifeline" auf dem Weg nach Deutschland. Einer der Fahrer ist Markus Nierth. Im PKW des ehemaligen Bürgermeisters von Tröglitz in Sachsen-Anhalt sitzt eine ukrainische Familie. Per Videoschalte berichtet er, dass es die Familie mit einem vier Monate alten Baby und einer Oma aus Kiev geschafft habe – teilweise auch zu Fuß. "Also es ist schon wirklich sehr tragisch." Sie hätten noch keine Perspektive und wüssten noch nicht genau wo hin. "Deswegen werden wir sie wahrscheinlich erstmal aufnehmen."

Die Flucht aus der Ukraine hält an. Bisher ist völlig unklar, wie viele Menschen das Land noch verlassen müssen. Über eine Million Menschen sind bereits aus der Ukraine in Nachbarländer geflohen.

Quelle: MDR exakt/ mpö

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 02. März 2022 | 20:15 Uhr

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