E-Autos Wie weit ist Sachsen in der Elektromobilität?

Verkehr und Logistik sind Grundlage unseres Wohlstands und für Deutschland als Export- und Transitland von enormer Bedeutung. Welche Rolle soll und kann Elektromobilität hier spielen? Experten aus aller Welt sprechen ab Mittwoch zum Weltverkehrsforum über die Verkehrsthemen der Zukunft. Auch in Sachsen ist Elektromobilität in aller Munde. Doch sind E-Autos wirklich so zukunftsträchtig oder mehr Wunschdenken als Realität? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Ein Elektroauto von Mercedes wird mit einem gelben Stromkabel an einer Ladesäule geladen.
Bildrechte: dpa

Wie viele E-Autos sind in Sachsen zugelassen?

Zum Jahreswechsel waren in Sachsen laut Statistischem Landesamt Sachsen insgesamt 7.978 E-Autos angemeldet. Gemessen am Anteil aller Fahrzeuge (knapp 2,2 Millionen) ist dies lediglich ein Anteil von 0,37 Prozent. Kurzum: In Sachsen liegt der Anteil der E-Autos auf einem verschwindend geringen Niveau von unter einem Prozent.

Im April 2021 sind laut Kraftfahrzeugbundesamt in Deutschland knapp 23.800 E-Autos zugelassen worden. Sachsen rangiert hier mit 653 E-Auto-Zulassungen mit weitem Abstand hinter Nordrhein-Westfalen (4.925), Bayern (4.664), Baden-Württemberg (4.340), Niedersachsen (2.631), Hessen (1.916) sowie Rheinland-Pfalz (1.161) - aber vor Sachsen-Anhalt (306) und Thüringen (337).

Wie weit ist Sachsen in der Elektromobilität?

"Wir sind noch nicht so weit, wie wir gern wären", erklärt Nyascha Thomas Wittemann, Verkehrswissenschaftler der TU Dresden auf Anfrage von MDR SACHSEN. Der Anteil der E-Autos an der Gesamtzahl aller Fahrzeuge sei noch viel zu gering. Zudem bedürfe die Ladeinfrastruktur eines weiteren Ausbaus, bislang kämen zehn Autos auf eine Station. Es gebe viel zu wenige Schnellladestationen.

"Die Ladeinfrastruktur hinkt weit hinterher", erklärt Wittemann. Auf einer Skala von eins bis zehn befinde sich Sachsen bei den E-Autos noch ganz am Anfang "zwischen zwei und drei". Bei der Elektromobilität auf der Schiene sehe es schon besser aus. Hier vergibt Wittemann neun von zehn Punkten für Sachsen.

Nyascha Thomas Wittemann, Verkehrswissenschaftler TU Dresden
Nyascha Thomas Wittemann, Verkehrswissenschaftler TU Dresden Bildrechte: Nyascha Thomas Wittemann

Welche Rolle spielt die Wirtschaft?

"Wenn es um die Wirtschaft geht, ist Sachsen ein wichtiges Land in der Elektromobilitätsoffensive", erklärt Heiko Weckbrodt, Wirtschaftsjournalist des Technologie- und Forschungsblogs "Oiger.de" auf Anfrage von MDR SACHSEN. Eine große Rolle spiele der VW in Zwickau. "Im globalen Maßstab ist VW der größte Automobilhersteller, das wird oft verkannt, wenn alle über Tesla reden", erklärte Weckbrodt. VW versuche rasant aufzuholen und habe sich an die Spitze einer internationalen Entwicklung gestellt.

"Rein von der Quantität ist es immens, was hier in Sachsen passiert", sagte Weckbrodt. Es sei ein großes Wagnis gewesen, das Werk in Zwickau komplett auf die Produktion von E-Autos umzustellen. Allein deswegen habe Sachsen schon eine Sonderstellung.

Wie weit ist Sachsens Forschung in der E-Mobilität?

Technologieblogger Weckbrodt sieht in der sächsischen Forschung und den Zulieferbetrieben noch "Luft nach oben". "Hier ist Sachsen eher in der Anlaufkurve", erklärt er. Im Vergleich zur internationalen und nationalen Entwicklung weise Sachsen eher kleinere Projekte vor.

"Alles, was mit der Batterie zu tun hat, geschieht in Sachsen nur am Rand, doch die Batterie ist das Schlüsselmoment in der Elektromobilität", erklärt Weckbrodt. "Die Traditionen sind da. Die Musik wird aber oft doch woanders in Deutschland gespielt."

Was ist die Batterieoffensive?

Die Europäische Union möchte wichtige Schlüsseltechnologien (Mikroelektronik, Wasserstoff und Batterien für die E-Mobilität) vorantreiben, um weiter auf dem Weltmarkt vorn mitzuspielen. In IPCEI-Projekten (Important Project of Common European Interest) vergibt sie Geld mit Förderquoten von bis zu 30 Prozent. Im Bereich der Batterien fließt viel Geld in das neue Tesla-Werk in Grünheide in Brandenburg.

"Sachsen hat im Vergleich dazu gerade einmal zwei kleine Projekte mit 50 Millionen Euro abgefasst", erklärt Wirtschaftsjournalist Weckbrodt. Die Unternehmen Skeleton Technologies GmbH aus Großröhrsdorf und die Liofit GmbH in Kamenz erhielten hier die Zuschläge.

Warum wird Elektromobilität politisch forciert?

"Die öffentlichen Hauptgründe sind der Klimaschutz sowie die Schadstoffreduzierung", erklärt Verkehrswissenschaftler Wittemann. Die Verbrenner belasteten nicht nur das Klima, sondern wirkten sich mit den Abgasen auch auf die Gesundheit der Menschen aus. Wittemann sieht aber auch einen weniger offiziellen Grund für die E-Auto-Politik: "Wir sind ein Automobilland und möchten technologisch weiter vorn mitspielen, da können wir die E-Mobilität nicht einfach vernachlässigen.

Ein vierter Grund ist für den Verkehrswissenschaftler schlichtweg technisch: "Im Auto haben wir mit Batterien den höchsten Wirkungsgrad beim Energieumsatz", erklärt Wittemann. Den größten Wirkungsgrad gebe es mit Kabeln. Das komme für Autos aber logischerweise ja nicht in Frage. Doch auch im Vergleich zu Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen seien Batterien schlichtweg besser. "Energie ist ein knappes Gut, deswegen müssen wir es bestmöglich umsetzen", erklärt Wittemann.

Warum ist die Offensive für E-Mobilität umstritten?

Eine Ambivalenz der Offensive für Elektromobilität sieht Technologieblogger Weckbrodt. "Das Thema bleibt umstritten", erklärt er. Kernpunkt seien Klima- und Umweltschutz, doch im Hintergrund spielten viele weitere Faktoren eine Rolle. Durch die Verschärfung der Autoabgaswerte der EU hätte sich zwar die Mehrheit der Hersteller gegen Verbrenner entschieden. Diskutiert würde jedoch immer - "zu Recht" – über die Energiebilanz.

"Es ist umstritten, wie die Gesamtökobilanz beim E-Auto aussieht, nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Fertigung", erklärt Weckbrodt. "Die Produktion der Batterien ist sehr energieaufwendig", erklärt Weckbrodt. Zudem sei der größte Batteriehersteller China, wo mit Kohlestrom gearbeitet würde. Weiterer Streitpunkt sei das für die Batterien notwendige Metall Kobald, was oft unter unmenschlichen Bedingungen in Afrika gefördert würde.

Was muss bei der Ladeinfrastruktur passieren?

"Wir brauchen eine flächendeckende Ladeinfrastruktur", erklärt Verkehrswissenschaftler Wittemann. "Davon sind wir derzeit noch ein großes Stück entfernt". Oftmals fehlten Eigenheimstrukturen und der Platz, dass sich besonders in der Stadt jeder Besitzer eine eigene Ladestation hinstellen könnte. Öffentliche Stationen müssten aufgestockt werden, heute stünden viele Fahrer oft vor besetzten Ladestationen.

Wittemann erklärte: "Nur mit genügend Möglichkeiten zum Laden setzt sich die E-Mobilität durch." Da es sich um ein klassisches Henne-Ei-Problem handele, hänge viel vom politischen Willen ab. Das Bundesprogramm zur Förderung der Ladeinfrastruktur sei deswegen sehr zu begrüßen.

Welche Rolle spielt Wasserstoff?

Sowohl Wittemann als auch Weckbrodt messen Wasserstoffantrieben bei E-Autos im Pkw-Bereich eine geringere Rolle zu. "Im Luft- und Schiffsverkehr sowie im Schwerlasttransport auf der Straße kann Wasserstoff aber sehr wichtig werden", erklärt Wittemann. Niemand könne so große Batterien bauen. Hier könnten die Brennstoffzelle und Wasserstoff als Energiespeicher punkten.

Müssen E-Autos endlich sexy werden?

"Das war das Konzept von Elon Musk: Wir machen das E-Auto sexy", erklärt Technologieblogger Weckbrodt. "Für viele ist ein Autokauf mit starken emotionalen Kategorien verbunden." Tesla habe in Folge für die Oberschicht ein richtig schickes Sportauto mit enormen Leistungsdaten gefertigt - mit Erfolg. In Deutschland hingegen seien E-Autos oft Vernunftautos gewesen. Das müsse jedoch nicht so bleiben.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR/kt

20 Kommentare

dimehl vor 20 Wochen

Mich würde zunächst interessieren, auf welche meiner Aussagen sich Ihr "Blödsinn" bezieht: Wenn der Strompreis immer weiter steigt, muss ein Teil der Bevölkerung seinen Stromverbrauch grundlegend reduzieren. Ein anderer Teil der Bevölkerung, der die hohen Strompreise bezahlen kann, muss dies eben nicht. "Blödsinn" ? Oder meinen Sie meine Aussage, daß mittels regenerativen Energiequellen zunächst auch die wegfallende Energiegewinnung aus Atom, später Kohle kompensiert werden muss? Das man die Wasserstoffnutzung als Zukunftstechnologie betrachtet, für die Wasserstofferzeugung aber sehr viel Strom benötigt wird ? Könnten Sie da etwas konkreter werden ?

Eulenspiegel vor 20 Wochen

Also ich habe lange Zeit das E Auto auch kritisch gesehen. Aber die neuen Kohlenstoffbatterien die es jetzt gibt haben mich weiter denken lassen. Kohlenstoff der Baustein des Lebens. Dieser Stoff hat in der Natur sehr viel mit Energienutzung, Energiespeicherung, Energiewandlung zu tun. Ohne Kohlenstoff läuft in der Natur gar nichts. Ich denk da wird es noch vieles zu erforschen geben.

Eulenspiegel vor 20 Wochen

Hallo dimehl
Ich weiß nicht woher sie diesen Blödsinn haben?
Was meinen sie eigentlich mit ihrer grundlegenden Reduzierung?
Hier geht es um die Umstellung unserer Energieerzeugung. Und damit geht es auch um die Umstellung der Antriebsaggregate unserer Autos.
Und die Möglichkeiten der regenerativen Energiegewinnung sind gerade mal angetastet. Man hätte mit diesen Dingen viel früher anfangen müssen. Darum benötigen wir noch ein bisschen Zeit.
Aber mich interessiert das wirklich. Wo haben sie diesen Blödsinn her? Können sie da irgendwelche Beweise vorlegen?

Mehr aus Sachsen