Entlastungspaket ÖPNV-Ticket für neun Euro - viele Fragen bei Verkehrsverbünden in Sachsen noch offen

Die Bundesregierung hat ein ÖPNV-Ticket für neun Euro im Monat beschlossen - für 90 Tage. Autofahrer sollen so angesichts der hohen Spritpreise zum Umsteigen auf Bus und Bahn motiviert werden. Doch die Umsetzung ist unklar. Die Verkehrsverbünde in Sachsen wurden ebenso überrascht wie die Kunden. Die Verkehrsminister der Länder plädierten auf einer Sonderkonferenz für ein Ticket zum Nulltarif.

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Das Ticket im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für neun Euro im Monat soll es drei Monate lang geben. Bildrechte: MDR/Panthermedia

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig findet es gut - das Entlastungspaket der Bundesregierung. Es vereine "Wumms und Weitblick", erklärte der SPD-Politiker kurz nach der Bekanntgabe des Pakets. Die temporäre Preisvergünstigung für den Nahverkehr biete die Chance, noch mehr Menschen von Bus und Bahn zu überzeugen. Das Ticket für 9 Euro pro Monat für den ÖPNV soll für 90 Tage gelten. Es wird deshalb von der Regierung unter dem Slogan "9 für 90" verkauft.

Verkehrsverbünde: Umsetzung des 9-Euro-Tickets unklar

Doch die konkrete Umsetzung des ÖPNV-Tickets ist auch in Sachsen noch völlig offen. Der Sprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), Christian Schlemper, sagte MDR SACHSEN, man sei von der Ankündigung der Bundesregierung ebenso überrascht worden wie die Fahrgäste.

Es ist noch völlig unklar, ab wann dieses Projekt umgesetzt wird und wo dieses Ticket gilt.

Christian Schlemper Sprecher des VVO

Schlemper rechnet in den nächsten Tagen mit Informationen der Bundesregierung. "Dann werden wir die Fahrgäste informieren, wie das in Zukunft erfolgt, ob es das Ticket am Automaten gibt oder an Servicestellen." Im Grundsatz begrüße der VVO die Entscheidung, weil der ÖPNV gestärkt werde. Die konkrete Umsetzung werde nun mit allen Beteiligten abgestimmt. "Der Verkehrsverbund Oberelbe und die zwölf Verkehrsunternehmen im Verbund werden sich mit dem Freistaat Sachsen verständigen, um die Rahmenbedingungen zur Umsetzung zu erörtern."

LVB: Was bedeutet das ÖPNV-Ticket für Stammkunden?

Auch die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) bewerten die vergünstigte Fahrkarte prinzipiell positiv. "Wir unterstützen jede politische Idee, wenn sie den öffentlichen Personennahverkehr nachhaltig stärkt", sagte Sprecher Marc Backhaus. Man gehe davon aus, dass die Ideen durchkalkuliert und für die Verkehrsunternehmen wirtschaftlich tragbar seien.

Doch die Fragen, die uns beschäftigen und natürlich viele Kunden: Was heißt es für unsere Stammkunden, die sich langfristig vertraglich gebunden haben? Können sie auch dieses Ticket nutzen?

Marc Backhaus Sprecher der Leipziger Verkehsrbetriebe (LVB)

Die Frage, ob das günstige Ticket auch für Menschen mit Monats- oder Jahresabo gilt, beschäftigt auch viele Nutzerinnen und Nutzer in den Sozialen Netzwerken. Grünen-Chefin Ricarda Lang versuchte, auf Twitter die Gemüter zu beruhigen:

Der VVO geht ebenfalls davon aus, dass seine Stamm-Kunden von dem Angebot profitieren. Der Verbund bat deshalb seine Fahrgäste, ihre Abonnements nicht zu kündigen.

Pro Bahn: "9 für 90" ist populistischer Schnellschuss

Der Fahrgastverband Pro Bahn lässt dagegen an dem geplanten 9-Euro-Ticket im ÖPNV kein gutes Haar. "'9 für 90' ist aus unserer Sicht ein populistischer Schnellschuss ohne nachhaltige Wirkung", sagte der Sprecher von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Aus Sicht von Pro Bahn sei es sinnvoller, die Mittel in den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs zu stecken. Der Fahrgastverband monierte auch, dass zu viele Fragen zur praktischen Umsetzung offen seien.

Verkehrsminister der Länder wollen Nulltarif statt Neun-Euro-Ticket

Auch die Verkehrsminister der Bundesländer sehen beim Neun-Euro-Nahverkehrsticket noch erhebliche Umsetzungsprobleme. Die Bremer Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne), sagte nach einer Videokonferenz der Verkehrsminister, man wolle das Ticket gern schnell einführen, am liebsten zum 1. Mai. Die Verkehrsministerkonferenz empfehle aber mehrheitlich, statt eines Neun-Euro-Tickets ein Ticket für drei Monate zum Nulltarif anzubieten, um den Verwaltungsaufwand zu verringern. Schaefer sagte, die Länder wollten ein bundeseinheitliches Angebot machen. Details würden nun in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe beraten.

Der Bund will für das "9 für 90"-Ticket die Regionalisierungsmittel an die Länder erhöhen. Mit diesen unterstützt Berlin die Länder beim ÖPNV-Angebot, etwa bei Regional- und S-Bahnen. Die Länder verlangen seit langem eine Erhöhung dieser Gelder.

MDR (kb)/dpa/epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 25. März 2022 | 19:00 Uhr

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