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BrauwirtschaftMangelware Bier? Brauereien aus dem Erzgebirge stemmen sich gegen die Krise

von MDR SACHSEN

Stand: 19. September 2022, 16:17 Uhr

Die Brauereien in Sachsen stehen unter Druck: Unterbrochene Lieferketten, hohe Energiekosten und Rohstoffmangel machen kleinen und großen Betrieben Probleme. Gerade die kleineren Brauereien im Erzgebirge kämpfen ums Überleben. Eine Preiserhöhung beim Bier ist deshalb unvermeidlich. Doch ob alle Brauereien durch die Krise kommen, ist unklar.

Rohstoffengpässe und die Kostenexplosion haben die wirtschaftliche Lage der sächsischen Brauer verschärft. Wie der Geschäftsführer des Sächsischen Brauerbundes, Thomas Gläser, sagte, ist die Produktion bislang aber nicht zum Stillstand gekommen. Engpässe bei einigen Rohstoffen wie Kohlensäure, die hohen Energiepreise, unterbrochene Lieferketten, aber auch die Teuerung etwa bei Glasflaschen machten den Betrieben zu schaffen.

Brauereien im Erzgebirge kämpfen mit weiteren Problemen

Noch sei mangelnde Kohlensäure nicht das große Problem für die Brauerei Fiedler, sagt Braumeister Thomas Fiedler. "Wir erhalten zwar weniger pro Lieferung, bestellen dafür aber öfter." Daher gebe es in diesem Bereich noch keine Engpässe. Auch bei der Glück-Auf Brauerei in Gersdorf sei das kein Problem, denn die Gersdorfer würden ihre Kohlensäure aus einer Quelle aus Paderborn beziehen und seien nicht auf industriell hergestellte angewiesen, sagt Geschäftsführerin Astrik Peiker. Dafür müsste die Brauerei jedoch in anderen Bereichen mehr bezahlen. "Das betrifft die Etiketten und die Sechser-Träger, also die Pappenproduktion. Da sind die Preisaufschläge enorm." Gleichermaßen teurer seien auch die Kronkorken und die Reinigungsmittel geworden. "Auch die Malzpreise haben sich verdoppelt und der Hopfenpreis ist gestiegen. Wir sind in großer Bandbreite von Preiserhöhungen betroffen."

Flaschenbier bald ohne Flaschen?

Auch Glas sei ein großes Problem, sagt Thomas Fiedler. "Die Fiedler Brauerei hat ihre Flaschen bisher aus der Ukraine erhalten, jetzt müssen wir sie woanders beziehen." Glas an sich sei knapp geworden, da die Herstellung sehr energieintensiv sei, sagt Fiedler.   

Bierflaschen gehören zur Mangelware, nicht nur bei der Brauerei Fiedler. Bildrechte: IMAGO / Rupert Oberhäuser

Preiserhöhungen sind unvermeidlich

In Gersdorf sollen die Preise demnächst erhöht werden, sagt Peiker. Einen Betrag könne sie noch nicht nennen. "Wenn es zu teuer wird, kaufen die Menschen anderes Bier."  Sie könne sich jedoch vorstellen, aus finanziellen Gründen die Produktion einiger Nischenprodukte einzustellen. "Wir haben etwa 20 verschiedene Biersorten. Da müsste dann etwas wegfallen." Bei der Fiedler Brauerei in Scheibenberg denkt man noch nicht an so etwas. "Unsere Produktpalette dort zählt acht verschiedene Sorten und die sollen auch weiter hergestellt werden."
Der Verbandschef der sächsischen Brauer, Thomas Gläser, rechnet damit, dass sich die Preise auf dem vergleichsweise hohen Niveau einpendeln - und Preiserhöhungen unvermeidlich sind. "Egal ob Hopfen, Malz, Glas, Etiketten, Kronkorken, Paletten, Energie - die Preise liegen 70 Prozent über dem, was normal war." Das schmälere den Absatz. Einige Unternehmen stellten jetzt schon einzelne Produkte nicht mehr her.

Der Geschäftsführer des Sächsischen Brauerbundes geht davon aus, dass Bier in absehbarer Zeit teurer wird. Bildrechte: Unterwegs in Sachsen

Corona zwang einige Betriebe zur Aufgabe

Landesweit gibt es laut Gläser reichlich 80 Betriebe. Wegen der Corona-Pandemie seien einige bereits "von Bord gegangen". Die Situation jetzt könnte dazu führen, dass einige aufgäben, weil es sich nicht mehr lohne. Die Fußball-Weltmeisterschaft sei kein Lichtblick. Da in Deutschland dann Winter und damit kein Biergarten- und Grillwetter sei, gebe es keine großen Erwartungen an den Bierabsatz.

Die Brauereien im Freistaat haben in den vergangenen beiden Jahren wegen der Pandemie-Maßnahmen kräftige Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, weil die Gastronomie geschlossen gewesen sei und Großveranstaltungen gefehlt hätten, sagte Gläser. Dabei waren die Ausfälle bei Brauereien mit vergleichsweise hohem Fassbieranteil besonders hoch.

Im benachbarten Thüringen haben schon mehrere Brauereien die Produktion wegen CO²-Mangels gestoppt. In Apolda und Worbis laufen zurzeit keine Flaschen mehr vom Band. Auch in der Brauerei Gotha sollen am Jahresende die Lichter ausgehen. Dort allerdings gibt die Geschäftsleitung mangelnden Absatz als Grund für die Schließung an.

Gestiegene Strompreise bedrohen die Produktion

Nach einem guten Sommer sei unklar, wie es weitergehe. "Wir wissen nicht, wo der Strom herkommen soll ab Januar 2023", sagte Gläser. Da die Brauereiwirtschaft energieintensiv sei, bestehe die Gefahr von Produktionsstopps. "Noch hat keiner angerufen, dass es kein Bier mehr gibt", sagte Gläser. "Ich hoffe, dass das so bleibt."

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MDR (ms,tfr,mdc)/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 18. September 2022 | 10:00 Uhr

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