ADFC-Umfrage Schlechte Noten für Fahrradklima in Sachsen

Eine Fahrradfahrerin fährt 2017 auf einem Radweg, während Autos rechts abbiegen
Sachsens Radfahrer bemängeln vor allem die fehlende Sicherheit auf den Straßen. Bildrechte: dpa

Das Fahrradklima in Sachsen stagniert. Das ergab der sogenannte Fahrradklimatest 2020 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Demnach bewerten die Teilnehmer besonders das Sicherheitsgefühl auf den Straßen im Freistaat kritisch. 73 Prozent der Teilnehmer fühlen sich bei ihren Wegen mit dem Rad gefährdet, 65 Prozent wünschen sich mehr Engagement seitens der Kommunalpolitik und von Stadtplanungsämtern sowie größere Schritte beim Radwegebau. 60 Prozent der Befragten fühlen sich auf dem Rad nicht als gleichwertige Verkehrsteilnehmer akzeptiert.

Die durchschnittliche Gesamtbewertung im Freistaat sank von der Note 3,9 auf 4,0. Bewertet wurden insgesamt 50 Städte in Sachsen nach ihrer Einwohnerzahl. An der Umfrage beteiligten sich rund 11.000 Bürger. Sie wurden unter anderem danach gefragt, wie sich Radfahrer im Straßenverkehr fühlen und wie komfortabel das Radwegenetz ist.

Keine Bestnoten für Sachsen

Demnach schnitt die Stadt Markkleeberg sachsenweit am besten ab, gefolgt von Torgau und Grimma. Markkleeberg erhielt von den Teilnehmenden die Durchschnittsnote 3,48. Damit lag die Stadt knapp vor Torgau und Grimma mit der Note 3,5, war jedoch weit von einer Bestnote entfernt. Besonders in puncto Radwege gebe es Nachholebedarf in Sachsen, sagte Konrad Krause vom ADFC.

ADFC-Sprecher Konrad Krause auf dem Radweg am Zelleschen Weg.
ADFC-Sprecher Konrad Krause auf dem Radweg am Zelleschen Weg in Dresden Bildrechte: imago/Sven Ellger

Wir müssen unbedingt Tempo machen beim Radwegebau. Die Menschen warten zehn Jahre und mehr auf einen Radweg. Das ist doch kein Zustand. Wir brauchen lückenlose Radwege ohne Wechsel auf Fußwege. Hier müssen die Städte und auch Sachsen jetzt zulegen.

Konrad Krause ADFC

Radfahrpolitik in Dresden stagniert

Obwohl immer mehr Menschen in Dresden aufs Rad steigen, bleibt die Stadt im hinteren Mittelfeld und erreichte laut ADFC nur die Note 4,0. Insbesondere das Nein der Stadt zu Pop-Up-Radwegen komme bei den Radfahrerinnen und Radfahrern in Dresden nicht gut an und beeinflusse das Gesamturteil negativ. Ein weiterer Grund sei auch das langsame Tempo bei der Umsetzung des Radverkehrskonzepts.

Laut Edwin Seifert, Geschäftsführer des ADFC Dresden, bemängeln die Teilnehmer der Umfrage vor allem die fehlende Sicherheit auf den Straßen der Landeshauptstadt. Außerdem stehen laut Umfrage die radunfreundlichen Ampelschaltungen und die zu schmalen Radwege in der Kritik.

Dresden verharrt bei einer wenig schmeichelhaften Gesamtnote 4,0. Ein Wert der im Vergleich zu den Fahrradklima-Tests davor leider kontinuierlich schlechter wird. Dresden rutscht in den meisten Kategorien deutlich ab.

Edwin Seifert ADFC

Sachsenweit am schlechtesten schnitten Zwenkau (Note 4,7), Annaberg-Buchholz und Zwickau (Note 4,58) ab.

Bundesweiter Abwärtstrend

Bundesweit hat sich der Städtepegel in den vergangenen Jahren verschlechtert. Lag das bundesdeutsche Mittel 2014 noch bei 3,7, so ist es aktuell bei 3,9 angekommen. Grund seien vor allem die fehlende Kontrolle von Falschparkern und das mangelhafte Sicherheitsgefühl auf der Straße, so das Ergebnis. Leipzig hatte 2018 bundesweit noch Platz drei in der Kategorie Städte über 500.000 Einwohner belegt.

Fahrradklimatest Der Fahrradklimatest ist die größte Umfrage zum Fahrradklima weltweit. Er umfasst 32 Fragen und wird seit 2012 in jedem zweiten Jahr durchgeführt. In 1024 Städten und Gemeinden, darunter 50 in Sachsen, nahmen ausreichend Personen an der Umfrage teil, die Mindestteilnahmezahl lag zwischen 50 und 100 Befragten. Beim Fahrradklima-Test lag dieses Jahr ein besonderer Fokus auf dem Zusammenhang zwischen der Pandemie-Situation und dem Radverkehr. Demnach hat das Fahrrad mit der Corona-Pandemie als Verkehrsmittel an Bedeutung gewonnen.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.03.2021 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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