Fakt ist! Können explodierende Spritpreise die E-Mobilität voranbringen?

Auch in Mitteldeutschland stöhnen derzeit viele Menschen über die hohen Benzinpreise. Obwohl die Bundesregierung mit einem Entlastungspaket gegensteuern will, hilft das nur kurzfristig. Langfristig sind Alternativen gefragt. Elektroautos könnten eine sein. Doch werden die überhaupt von der Mehrheit der Bevölkerung in Erwägung gezogen? MDR SACHSEN hat darüber mit der Fraunhofer-Forscherin Uta Burghard gesprochen. Die Elektromobilität ist auch Thema bei "Fakt ist!" im MDR FERNSEHEN.

Eine junge Frau mit dunklen Haaren schaut lächelnd in die Kamera.
Uta Burghard ist Psychologin und Soziologin. Sie forscht am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe zur Akzeptanz der E-Mobilität. Bildrechte: Tim Carmele / Fraunhofer ISI

Frau Dr. Burghard, Sie forschen zur Akzeptanz der Elektromobilität. In der aktuellen Diskussion um hohe Spritpreise spielt die aber als Ausweg kaum eine Rolle. Woran liegt das? Ist das eher ein Elitenthema, zum Beispiel für den wohlhabenden Steuerberater, aber eben nicht für die breite Bevölkerung?

Als Elitenthema würde ich es nicht bezeichnen. Die Zulassungszahlen sind ja in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland stetig gestiegen. Richtig ist aber auch, dass der Anschaffungspreis für ein Elektroauto noch recht hoch ist. Die staatliche Prämie von 9.000 Euro ist zwar ein Anreiz, deckt die Mehrkosten aber noch nicht immer ab. Erschwerend kommt hinzu, dass es noch keinen entwickelten Gebrauchtwagenmarkt gibt und auch größere Familienautos für die breite Masse bisher Mangelware sind.

Das Elektroauto Model 3 von Tesla steht in einem Ausstellungsraum.
Tesla - hier mit seinem Modell 3 - ist einer der bekanntesten Hersteller von Elektroautos. Aber auch deutsche Firmen wie Volkswagen und Audi investieren in die Umstellung ihrer Flotte auf Elektroantriebe. Bildrechte: dpa

Wie glaubwürdig ist die Erzählung vom Elektroauto überhaupt, wenn ich zwar vermeintlich sauber und ohne Abgase durch Leipzig oder Berlin fahren kann, aber mich beim aktuellen Strommix die Sorge umtreibt, dass mein Auspuff womöglich in der Lausitz steht?

Das kommt natürlich darauf an, wo der Strom herkommt. Aber wir haben ja schon einen hohen Anteil an Ökostrom am Energiemix. Je mehr man mit dem E-Auto fährt, desto besser wird die Klimabilanz, weil E-Autos durch ihre höhere Effizienz im Betrieb weniger Emissionen verursachen als Verbrenner. Ideal ist es natürlich, wenn man eine Solaranlage auf seinem Hausdach hat und damit das Auto lädt - dann sind es 100 Prozent Ökostrom.

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Jagdschloss Augustusburg
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Was ist derzeit das größte Hindernis für eine Akzeptanz der Elektromobilität in der Bevölkerung?

Meiner Meinung nach gibt es nicht das eine große Hindernis. Vielmehr ist es eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. Der bereits erwähnte Anschaffungspreis spielt eine Rolle, aber auch die fehlende Verfügbarkeit einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Schwierig ist es vor allem für die sogenannten "Laternenparker" in der Großstadt. Besser ist es oft in ländlichen Regionen, wo Besitzer von E-Autos häufig schon eine Wallbox in ihrer Garage haben. Das Laden wird ja in Zukunft ohnehin vor allem zu Hause oder am Arbeitsplatz stattfinden.

Blick in den Audi Charging Hub 6 min
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6 min

Umschau Di 01.02.2022 20:15Uhr 05:55 min

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Wie groß ist der Einfluss von Gewohnheiten auf unser Mobilitätsverhalten?

Das Mobilitätsverhalten ist sehr stark von Gewohnheiten geprägt. Viele merken erst jetzt durch den Krieg in der Ukraine und die hohen Benzinpreise, wie abhängig wir von fossiler Energie sind. Das könnte schon ein Umdenken bewirken. Auch ein Tempolimit oder autofreie Sonntage hätten diesen Prozess verstärken können.

Schließlich besagen Statistiken, dass 40 Prozent aller Fahrten weniger als fünf Kilometer weit sind. Diese kurzen Strecken ließen sich auch mit dem Fahrrad zurücklegen. In ländlichen oder bergigen Regionen wären E-Bikes denkbar. Aber es braucht halt einen Anstoß, damit die Menschen ihr Verhalten ändern. Von selbst passiert das in der Regel nicht. 

Sie vertreten die Auffassung, dass in Zukunft nicht mehr jeder ein eigenes Auto braucht. Verkennt das nicht die Bedeutung, die das Auto gerade in Deutschland hat? Bezeichnend war kürzlich eine angeregte Diskussion auf Twitter als eine Nutzerin meinte, dass sie gerade vier Mädchen fürs Abitur coache und keine von denen einen Mann mit Lastenrad nehmen würde. "Sie finden halt Autos schön und komfortabel", hieß es da.

Das wundert mich ein wenig angesichts der Fridays-for-Future-Bewegung, die sich vor allem aus dieser Altersgruppe rekrutiert. In den Städten ist zudem zu beobachten, dass junge Leute immer später ihren Führerschein machen, während das Auto auf dem Land nach wie vor eine große Bedeutung hat.

Dennoch lässt es sich nicht leugnen, dass das Auto in Deutschland stark mit dem Thema Status verknüpft ist. Warum sollte sonst jemand einen SUV fürs Gelände in der Großstadt fahren? Da geht es sicher auch um die Außenwirkung und um ein Sicherheitsbedürfnis. Gleichzeitig gibt es aber auch neue Statussymbole, wie zum Beispiel teure Fahrräder - vor allem unter Akademikern ist das verbreitet. Dabei spielt jeweils auch immer die Peer Group - also die Menschen, mit denen man sich umgibt - eine Rolle.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 28. März 2022 | 22:10 Uhr

13 Kommentare

Niemann vor 18 Wochen

Da habe ich noch eine viel bessere Idee. Jeder E-Autofahrer nimmt einen Beifahrer mit der im Auto eine Kurbel dreht um den nötigen Strom zu erzeugen. Diese Stromerzeugung ist grundlastfähig da sie auch bei Flaute und Finsternis funktioniert.

hinter-dem-Regenbogen vor 18 Wochen

Die Technik von morgen ist auf einen Lebensleistung von 4 bis zu 6 Jahren ausgerichtet. Das reicht gerade für ein Akkuleben.
Entscheident für die Beladung der Akkus wird sein:
- Wer hat - Wer kann - Wer darf -

Anders wie beim Handy, wird es für Autos keine Flatrate geben - aber die Tatsache, dass jedes elektrisch betriebene Auto permanent mit dem Internet verbunden ist, dass wird den "Rettern der Welt" von morgen, dann doch schon aufstoßen. Verkehrspolizei wird nicht mehr gebraucht. Parklplatzmanagement und Geschwindigkeitsregulierung werden dann über eine Zentralcloud, irgendwo vom Nordpol aus gesteuert werden. Und wer sein Dispokredit unerlaubt überzogen hat,der muß dann eben sein Auto zuhause lassen. Geht übrigens mit der KFZ Steuer genauso gut . . . Die Zahlungsfähigkeit und die Zahlungsmoral eines jeden Individiums entscheiden dann über die Nutzung (deines) Autos, falls es dann noch erlaubt ist, dass jeder ein Auto besitzen darf.

Die Rettung der Welt fordert ihren Tribut.

hinter-dem-Regenbogen vor 18 Wochen

@hansfriederleistner

Die Umstellung auf elektrische bedtriebene Autos, ist ein rein staatlich doktriniertes Projekt. Die GRÜNEN wollen ja lieber mit Lastenrädern die Welt erobern.

Am Ende werden doch wieder der Geldbeutel und die Wahlergebnisse entscheiden. Denn wer ein elektrisches Auto fahren soll, der muß auch über das notwendige Geld verfügen und nicht all sein mühevoll verdientes Geld für die Miete und für die Heizung aufbringen müssen.

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