Fakt ist! Journalistin fordert unabhängige Beschwerdestelle im Leistungssport

Im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen die Chemnitzer Turntrainerin Gabriele Frehse hat die Sportjournalistin Andrea Schültke eine unabhängige Beschwerdestelle für Sportlerinnen und Sportler gefordert. In der MDR-Sendung "Fakt ist!" schloss sie sich der Forderung von Athleten Deutschland e.V. an, ein "unabhängiges Zentrum für Safe Sport" zu gründen. Der Verein lieferte im Februar mit einem Impulspapier die Grundlage für die Diskussion.

"Chemnitz war kein Einzelfall"

"Chemnitz war kein Einzelfall", betonte Schültke. Eine Studie des Forschungsprojekts "Safe Sport" habe gezeigt, dass 86 Prozent der Befragten Formen von psychischer Gewalt im Leistungssport erlebt hätten. 37 Prozent der 1.800 befragten Nachwuchssportlerinnen und -sportler gaben an, sexualisierte Gewalt erfahren zu haben.

Die Chancen auf Veränderungen seien gerade jetzt sehr groß, sagte Schültke. "Es hat lange gedauert, bis die Sportlerinnen und Sportler an die Öffentlichkeit gegangen sind. Jetzt habe ich den Eindruck, dass Bewegung in die Sache kommt." Ein Beispiel dafür sei die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung und der Athleten Deutschland e.V., so die Sportjournalistin.

Robert Harting: "Die Talfahrt geht weiter"

Auch in sportlicher Hinsicht brauche es im deutschen Leistungssport Reformen, ergänzte der ehemalige Diskuswerfer und Olympiasieger, Robert Harting. Die Halbierung der Medaillen-Anzahl von 1992 bis 2016 bei den Olympischen Sommerspielen sei ein klares Zeichen für den Leistungsabfall. Nach der Wiedervereinigung gab es Harting zufolge auf einmal zahlreiche Spitzensportlerinnen und -sportler. Darauf habe sich der Sport aber zu lange ausgeruht. Strukturen, die sicherstellten, dass Leistung nachwächst, fehlten heute. "Die Talfahrt geht weiter", prognostizierte Harting.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Fakt ist! | 29. März 2021 | 22:10 Uhr

Mehr aus Sachsen