Sachsen Tourismus profitiert von Ferien, aber Fachkräfte fehlen

Siebeneinhalb Monate stand in Sachsen die Tourismuswirtschaft weitgehend still. Seit dem Ende des Lockdowns im Juni geht es wieder aufwärts, die Nachfrage nach Übernachtungen steigt und ist vor allem in der Ferienzeit sehr gut. Doch die Auslastung in den Regionen ist unterschiedlich. Sorgen bereitet vor allem der Fachkräftemangel.

Eine Collage zum Thema Tourismus in Sachsen
Die Tourismusangebote in Sachsen sind vielfältig. Bildrechte: MDR/Rainer Weisflog/panthermedia/Imago/Westend61/Werner Otto/Hoch Zwei Stock/Angerer/Sylvio Dittrich

Viele Beherbergungsbetriebe in Sachsen melden zum Ferienbeginn eine überwiegend gute Auslastung, auch die Campingplätze haben wenig freie Plätze. Aktuelle Zahlen liegen zwar noch nicht vor, doch die Tendenz ist eindeutig, wie eine Umfrage von MDR SACHSEN bei Tourismusverbänden ergab. Dabei ist die Lage in den Regionen unterschiedlich - je nach Standort und Konzept. Vielerorts werde noch nicht das Niveau des Sommers 2020 erreicht, hat der Tourismusverband Elbland Dresden beobachtet. Was fehle, seien größere Reisegruppen, aber auch Radfahrer und Gäste aus dem Ausland. Die Saison sei allerdings durch den langen Lockdown erst im Juni gestartet.

Auslastung der Betriebe sehr unterschiedlich

Die Industrie- und Handelskammer Dresden meldet bei Hotels in Städten mit Ausrichtung auf Businesskunden bzw. Gruppenreisen eine eher geringe Auslastung. Diese rangiere derzeit häufig bei 40 bis 50 Prozent, was deutlich unter Vorkrisenniveau liege. Mittelgroße Häuser in den sächsischen Tourismusregionen, die eher auf Individualreisen aus seien, stünden dagegen mit 70 bis 80 Prozent Auslastung deutlich besser da.

In der Sächsischen Schweiz oder im Erzgebirge, wo vor allem Individualreisen, Natur- und Aktivurlaub angeboten werden, sind die Unterkünfte nach Angaben der Tourismusverbände nahezu ausgebucht. Besonders im Aktivbereich, also in den Bereichen Wandern und Radfahren, sei die Nachfrage sehr hoch, teilte der Tourismusverband Erzgebirge mit. Erst vor vier Wochen war dort mit der sogenannten Blockline eine 140 Kilometer lange Strecke für Mountainbiker eröffnet worden.

Erholen kann sich der Tourismus nach Einschätzung des Verbandes nur langfristig, die Verluste aus den letzten Monaten ließen sich nicht innerhalb kürzester Zeit wieder wettmachen. Wichtig sei aber, dass die Tourismuswirtschaft das langersehnte Ziel einer Öffnungsperspektive erreicht habe und nun nach vorn blicken könne, so die Touristiker im Erzgebirge.

Mit Impfen, Testen, digitaler Kontaktnachverfolgung und den Schutz- und Hygienekonzepten ist sicherer Tourismus möglich.

Tourismusverband Erzgebirge

Buchungen kurzfristig und flexibler

Auch wenn es ein großes Interesse an Urlaub in Sachsen gebe, die Tourismusverbände beobachten häufiger kurzfristige Buchungen als in den Vorjahren. Die Gäste wollen nach Einschätzung des Landestourismusverbandes flexibler bleiben, um auf die aktuelle Entwicklung in der Pandemie reagieren zu können. Auch zu Mehrfachbuchungen würden Gäste aus diesem Grund neigen. Dadurch fehle Betrieben die Planungssicherheit.

Außerdem werden flexible Stornierungsbedingungen immer wichtiger und sind stark nachgefragt, wie die Industrie- und Handelskammer Dresden mitteilte. "Am liebsten möchte man auch noch kurz vor dem Reisetermin ohne finanzielle Einbußen absagen können." Dadurch entstünden immer wieder kurzfristig freie Kapazitäten, die dann nur sehr schwer zu kompensieren seien. "Die Stimmung in der Branche ist entsprechend verhalten optimistisch", so die IHK Dresden.

In Hotels und Gaststätten fehlt Personal

Als großes Problem sehen die Touristiker den Fachkräftemangel in der Branche. Andreas Kraus vom Tourismusverband Vogtland sagte MDR SACHSEN, es gebe Betriebe, da seien noch alle Mitarbeiter an Bord. Bei anderen hätten sich Mitarbeiter durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit beruflich umentschieden. "Manche Gaststätten oder Beherbergungsbetriebe können nicht die ganze Kapazität fahren", so Kraus. Dann werden beispielsweise nur 20 von 30 Tischen bedient oder nicht alles vermietet.

Wir gehen jetzt von einem guten Sommer aus. Das Schlimmste wäre ein erneuter Lockdown.

Andreas Kraus Tourismusverband Vogtland

Auch bei Hotels und Gaststätten in Dresden wird der Fachkräftemangel als gravierendes Problem genannt. Laut einer aktuellen Umfrage des Tourismusverbands Dresden unter Hotels der Stadt gaben 82 Prozent an, dass sie Personalabgänge durch die Corona-Krise hätten. Folgen sind nach Angaben der IHK verkürzte Öffnungszeiten und ein eingeschränktes Leistungsangebot. Hotels und Gaststätten würden nun verstärkt versuchen, Ausbildungsplätze zu besetzen, um sich so perspektivisch eigenen Nachwuchs heranzuziehen.

Quelle: MDR/kb/ma

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 05. August 2021 | 08:00 Uhr

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