Wissenschaft Neue Forschungszentren: Bis zu 3.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen

Nach der Entscheidung zum Aufbau zweier Forschungszentren in Sachsen haben die Verantwortlichen am Freitag die weiteren Planungsschritte vorgestellt. Sachsens Wissenschaftsminister blickt zuversichtlich auf die kommenden Jahre und rechnet mit tausenden neuen Arbeitsplätzen für die Lausitz und die Delitzscher Region. Die Ansiedlung der Forschungseinrichtung in der Lausitz bedeutet auch das wahrscheinliche Aus für ein mögliches Atommüll-Endlager.

Im Labor werden Proben in Mikroreaktionsgefäßen für chemische Analysen vorbereitet.
In der Lausitz und in Delitzsch sollen zwei neue Forschungszentren entstehen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

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Nach der Entscheidung für zwei Großforschungszentren in Sachsen haben die Verantwortlichen am Freitag in Dresden ihre Pläne konkretisiert. Zunächst soll es eine dreijährige Projektphase geben, sagte Günther Hasinger, einer der Projektleiter bei einer Pressekonferenz am Freitag. Danach sollen die neuen Zentren vor Ort in der Lausitz und in Mitteldeutschland gegründet werden.

Zwei Forschungseinrichtungen in Delitzsch und der Lausitz

Hasinger soll das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA) leiten, dessen Campus in Görlitz auf dem sogenannten Kahlbaum-Areal entsteht. Das zugehörige seismische Untergrundlabor ist im Lausitzer Granit in der Nähe von Bautzen geplant. Hasinger ist derzeit Direktor der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Neben dem DZA in der Lausitz soll in Delitzsch bei Leipzig in der ehemaligen Zuckerfabrik ein Zentrum für Chemie-Transformation aufgebaut werden. Es soll von Peter H. Seeberger vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung geleitet werden. Bis 2038 sollen in die neuen Forschungszentren mehr als 2,2 Milliarden Euro investiert werden.

Bis zu 3.000 neue Arbeitsplätze in Aussicht

Nach der Gründung der beiden Zentren schließe sich eine mehrjährige Bauphase an, hieß es. Baubeginn könnte 2026 sein, so die beiden Gründungsdirektoren. Für die beiden Großforschungszentren sollten exzellente Wissenschaftler aus dem Ausland gewonnen werden und aus der Region. Beide Einrichtungen planen Aus- und Fortbildung und setzen auch auf die "Kohlekumpel" von heute. Mit den neuen Instituten und der damit verbundenen Ansiedlung weiterer Unternehmen rechnet Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow mit bis zu 3.000 neuen Arbeitsplätzen. Wichtig sei die Anbindung an den Fernverkehr mit der ICE-Strecke Berlin-Görlitz, so Gemkow. Es seien "die größten Investitionen in Forschung, die der Freistaat je hatte."

Forschungszentren sprechen gegen Atommüll-Endlager

Laut Wissenschaftsminister Gemkow sind damit Pläne für ein mögliches Atommüll-Endlager in der Lausitz hinfällig. Mit dem geplanten Bau des Untergrundlabores sei kein Platz mehr für weitere Bauprojekte, sagte Gemkow MDR SACHSEN. Die Labore müssten in absoluter Ruhe liegen. Die Bundesregierung will bis 2031 eine Entscheidung für ein Atommüll-Endlager in Deutschland treffen.

Aus insgesamt sechs Bewerbungen hatten Expertenkommissionen die beiden Projekte ausgewählt und am Donnerstag in Berlin ihre Entscheidung bekannt gegeben. Die Entscheidung stieß in Sachsen und den betroffenen Regionen auf Zustimmung, aber auch Kritik.

MDR (ben)/epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 30. September 2022 | 13:00 Uhr

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