Kriminalstatistik In Sachsen ist jedes vierte Gewaltopfer eine Frau

Gestelltes Bild zum Thema häusliche Gewalt - Die Arme eines Mannes (r) halten am 07.06.2016 in Berlin mit Gewalt die Arme einer Frau fest.
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Die Polizei hat in Sachsen 2019 insgesamt 7.649 Gewaltstraftaten erfasst. Das waren 124 Fälle weniger als 2018. Die überwiegende Zahl der Opfer waren Männer (73,4 Prozent). 26,6 Prozent der Opfer waren Frauen. Dieser Opferanteil ist in den vergangenen Jahren realtiv gleich geblieben und pendelt seit einem Jahrzehnt zwischen 24,6 und 27,7 Prozent, teilte das Landeskriminalamt auf Anfrage von MDR SACHSEN mit.

"Tendenzen einer zunehmenden Gewalt gegen Frauen und Mädchen sind anhand des Hellfeldes langfristig kaum erkennbar", sagte Kathleen Zink vom LKA Sachsen. Mit Blick auf die Bundesebene war die sächsische Bevölkerung insgesamt durch Gewaltdelikte weniger belastet als der Bundesdurchschnitt.

Was heißt für die Polizei eigentlich Gewaltstraftat? Seit 2018 werden diese Bereiche unter Gewaltkriminalität zusammengefasst:
- Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen
- Vergewaltigung
- sexuelle Nötigung/sexuelle Übergriff im besonders schweren Fall einschließlich Todesfolge
- Raub, räuberische Erpressung und räuberischer Angriff auf Kraftfahrer
- Körperverletzung mit Todesfolge
- gefährliche und schwere Körperverletzung
- Verstümmelung weiblicher Genitalien
- erpresserischer Menschenraub
- Geiselnahme
- Angriffe auf den Luft- und Seeverkehr

Körperverletzungen und Raub am häufigsten

Am häufigsten ermittelten die Beamten 2019 wegen gefährlicher und schwerer Körperverletzungen (74,4 Prozent aller registrierten Gewaltdelikte) und zu Raubstraftaten (21,8 Prozent). Die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen sank 2019 um 124 Fälle (minus 2,1 Prozent). Die Raubstraftaten nahmen um vier Fälle ab (minus 0,2 Prozent)

Die Gefährdung der Männer war 2019 etwa dreimal so hoch wie die der Mädchen und Frauen. Eine besondere Gefährdung des weiblichen Geschlechts oder älterer Bürger kann nur deliktbezogen festgestellt werden u. a. bei Vergewaltigung und Handtaschenraub.

Einschätzung des LKA Sachsen

Gewalt gegen Frauen

Die LKA-Auswertung zeigt: Gewaltkriminalität ging zu 86,4 Prozent von Männern aus. "Ein vollständiges Bild der Gewalt gegen Frauen lässt sich mit Mitteln der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht ohne Einschränkung zeichnen, weil viele Delikte - vor allem im Bereich der häuslichen Gewalt - nicht zur Anzeige kommen", sagte LKA-Sprecherin Kathleen Zink.

Einsatzwagen der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht, unterwegs.
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Opfer-Tatverdächtigen-Beziehungen

Bei 7.589 Opfern konnten die Ermittler 2019 die Opfer-Tatverdächtigen-Beziehung klären:

  • Mehr als die Hälfte dieser Opfer, nämlich 4.261 Menschen (56,1 Prozent) hatten vor der Gewaltsraftat keinerlei Vorbeziehungen zum Tatverdächtigen.
  • Bei 1.045 Opfern (13,8 Prozent) gehörten die Tatverdächtigen zur Familie.
  • Eine Freundschaft/Bekanntschaft wurde bei 1.853 (24,4 Prozent) Opfern registriert.
  • Formelle soziale Beziehungen in Institutionen, Organisationen oder Gruppen bestanden bei 430 Opfern (5,7 Prozent).

Gewaltdelikte gegen Menschen mit LGBT-Hintergrund

Die Zahl der Gewaltdelikte gegen Menschen mit lesbisch, schwulem, bisexuellem oder trangeschlechtlichem Hintergrund ist in Sachsen gestiegen. 2016 ermittelte die Polizei in 3.612 Fällen. Drei Jahre später waren es 4.350 Fälle.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.03.2021 | 19:00 Uhr

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