Hotel- und Gastronomiebranche Gewerkschaft fordert 13 Euro Einstiegslohn

Am Mittwoch finden die Tarifverhandlungen für die sächsische Hotel- und Gastronomiebranche statt. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten fordert für Angestellte in der Branche einen Einstiegslohn von 13 Euro. In den unteren Lohngruppen würde bisher kaum mehr als der Mindestlohn von 9,82 Euro gezahlt und durch die Corona-Pandemie habe sich die Arbeitssituation deutlich verschlechtert. Sind 13 Euro Stundenlohn realistisch?

Stühle stehen gestapelt vor einem Restaurant.
Restaurants haben in Corona-Zeiten viele Schwierigkeiten und insgesamt deutlich weniger Gäste. Bildrechte: dpa

Kerstin aus Leipzig arbeitet seit fast vierzig Jahren in der Gastronomie. Sie hat Köchin gelernt, Pizzen gebacken und Grillstände betreut. Inzwischen ist sie zur Teamleiterin in einer Kette aufgestiegen. Der Lohn allerdings blieb unten. "Als Teamleiterin bin ich verantwortlich für das Erscheinungsbild meines Ladens, die Warenbestellungen, die Warenpflege, Hygiene und Arbeitssicherheit, die Dienstplanung und für die Absicherung der Schichtabläufe sowie natürlich die Arbeit direkt am Gast. Für diese ganzen Abläufe erhalte ich derzeit einen Lohn von 14 Euro die Stunde", erzählt Kerstin.

14 Euro – das ist für eine verantwortliche Position nicht sonderlich viel. In den unteren Lohngruppen sieht es in der Hotel- und Gastrobranche allerdings noch bescheidener aus. Selbst gelernte Kräfte bekommen oft kaum mehr als den aktuellen Mindestlohn von 9,82 Euro.

Eine Frau schaut in die Kamera. 1 min
Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler
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Wie lebt es sich mit dem Mindestlohn? Wir haben mit einer Hotelfachfrau aus Erfurt gesprochen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Sa 22.01.2022 16:00Uhr 00:41 min

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Weniger Gehalt durch Pandemie

Uwe Ledwig von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten fordert deshalb vor allem für diese Beschäftigten ein kräftiges Plus. Er verweist auf andere Bundesländer. Dort seien bis zu 27 Prozent ausgehandelt worden. Der Einstiegsstundenlohn in Sachsen müsse auf 13 Euro steigen – Pandemie hin oder her. "Die Beschäftigten sind noch schlimmer gebeutelt als die Wirte, denn sie arbeiten jetzt fast zwei Jahre im Kurzarbeitergeld mit 60, 67, maximal 87 Prozent ihrer schon sehr schmalen Bezüge. Trinkgelder sind in dieser Zeit natürlich auch nicht geflossen. Insofern sind die Zeichen für uns klar: Es muss einen attraktiven Tarifvertrag geben", sagt Ledwig.

Die Arbeitgeber haben noch kein Angebot vorgelegt. Bei der Forderung nach 13 Euro Einstiegslohn muss Sachsens Dehoga-Chef Axel Klein aber erst einmal schlucken: "Das ist sehr viel in so einem Pandemiejahr. Das heißt ja 13 Euro für einen Ungelernten – also für jeden, der kommt. Das heißt ja auch in der Folge für alle höheren Tarifgruppen entsprechende Steigerungen. Aber wir gehen offen in alle Gespräche rein."

Personalmangel in der Gastronomie

Hoteliers und Wirte sind einer schwierigen Lage. Zwei Jahre lang haben sie wenig Umsatz gemacht. Wenn es im Frühjahr wieder richtig losgehen soll, benötigen sie Personal. Das ist in der Pandemie aber zum Teil woandershin gewechselt.

Möglichen Rückkehrern muss man etwas bieten. Das weiß auch Florian Leisentritt, Direktor vom Gewandhaus Hotel Dresden: "Die Arbeit in der Hotellerie hat ihren Wert und der Lohn muss diesen Wert natürlich auch widerspiegeln. Aus diesem Grund sind wir auch für Lohnsteigerungen. Um die Mehrkosten allerdings nachhaltig zu regulieren, werden wir um Preiserhöhungen nicht herum kommen und hoffen da natürlich auf eine breite Zustimmung und Verständnis unserer Gäste."

Sachsens Dehoga-Chef Klein hat noch eine andere Hoffnung. In der Pandemie wurde die Mehrwertsteuer für Essen im Restaurant gesenkt – von 19 auf 7 Prozent. Das habe vielen Wirten geholfen. Klein hofft, dass diese Sonderregelung über das Jahresende hinaus bleibt. Dann sei es auch leichter, die Löhne zu erhöhen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Februar 2022 | 06:00 Uhr

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