Geoportal des Freistaates Sachsen öffnet seinen Datenschatz - auch aktuelle Corona-Informationen

Was stand auf meinem Grundstück vor zehn Jahren? Wo befinden sich Hohlräume im Erdreich? Antworten auf diese und andere Fragen gibt das Geoportal Sachsen. Seit 2019 können Bürger und Unternehmen kostenfrei auf eine Fülle an Informationen zugreifen. Selbst Google macht das. Allerdings wissen vor allem viele Bürger noch nicht, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Grund genug also, das Angebot einmal gründlich unter die Lupe zu nehmen.

Dresden Gegenwart und 1995
Mit dem Geoportal Sachsen kann man seit 1995 fortlaufend sehen, wie sich Sachsen verändert hat. Hier ein Blick auf Dresden Mitte der 1990er Jahre. Bildrechte: Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen

Sachsens Datenschatz lauert dort, wo man ihn gar nicht vermutet. Denn was viele nicht wissen: Auch Google nutzt sächsische Daten. "Ja, Google Maps nutzt Daten von uns, um seine Karten zu erstellen", sagt die Geschäftsführerin des Staatsbetriebes Geobasisinformation und Vermessung Sachsen, Annette Rothenberger-Temme. Allerdings verweist die Geschäftsführerin auf einen entscheidenden Unterschied: "Während es bei Google beispielsweise darum geht, wo das nächste Theater oder Kino ist, handelt es sich bei uns um amtliche Daten." So könne man über das Geoportal des Freistaates nicht nur die entsprechende Luftbildkarte ansehen, sondern über den Bodenrichtwert auch erfahren, welcher Wert für das Land angesetzt werde oder wo sich Hohlräume im Erdreich befänden, so Rothenberger-Temme. Erschöpft ist das Angebot des Geoportals damit nicht. Auch Hochwasser- oder Lärmkarten sowie Übersichten über denkmalgeschützte Häuser seien verfügbar. 

Was stand auf meinem Grundstück vor zehn Jahren?

Der Bürger kann all das kostenlos im Internet abrufen. Rund 5.000 Seitenaufrufe pro Tag sprechen für ein reges Interesse. Möglich wurde das durch die sogenannten Open-Data-Aktivitäten des Freistaates Sachsen. Dabei geht es darum, dass der Staat Daten der Verwaltung öffentlich zur Verfügung stellen will, um damit die Transparenz staatlichen Handelns zu erhöhen. Beim Geoportal fiel der Startschuss dafür am 1. September 2019. Seitdem haben Bürger und Unternehmen die Qual der Wahl und können aus über 70 Themen auswählen. Was stand auf meinem Grundstück vor zehn Jahren? Wie dicht besiedelt war meine Gegend Anfang des 19. Jahrhunderts? Jede dieser Fragen lässt sich exakt beantworten. Wer ein Luftbild oder eine Abbildung für eine Broschüre oder andere Zwecke braucht, kann das Material herunterladen und unter Nennung der Quelle kostenfrei nutzen.

Leipzig Gegenwart und Anfang 19. Jahrhundert
Auch Zeitreisen sind mit dem Geoportal möglich. Auf historischen Karten lässt sich beispielsweise ablesen, welche Bereiche von Leipzig Anfang des 19. Jahrhunderts schon besiedelt waren. Bildrechte: Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen

Ministerium gibt Karte mit Impfzentren in Auftrag

Der Staatsbetrieb sorgt dafür, dass die Daten stets aktuell sind. Seit 1995 lässt er regelmäßig Luftbildaufnahmen vom Freistaat erstellen. Aktuell gilt dafür ein Zweijahresrhythmus. Nacheinander werden Ost- und Westsachsen aufgenommen.

Neben diesen langfristig geplanten Aufgaben reagiert der Staatsbetrieb im Geoportal auch auf kurzfristige Ereignisse, zum Beispiel bei dem im Lockdown geltenden 15-Kilometer-Radius um den Wohnort oder den sächsischen Impfzentren. "Das sächsische Ministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt hat uns die Standorte und Öffnungszeiten der Impfzentren übermittelt. Innerhalb weniger Tage war die Karte online", verrät Abteilungsleiter Gunnar Katerbaum.

Impfzentren Sachsen
Ein ganz aktuelles Angebot ist eine Übersicht über die sächsischen Imfpzentren in der Corona-Pandemie. Das Sozialministerium hatte darum gebeten. Bildrechte: Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen

20 Mitarbeiter kümmern sich um Anfragen

In punkto Corona hat der Staatsbetrieb noch weitere Vorhaben in petto: "In Kürze wollen wir eine Karte veröffentlichen, auf der alle sächsischen Corona-Antigen-Teststationen verzeichnet sind", ergänzt Abteilungsleiterin Ria Liebscher. Die Initiative zu solchen Projekten geht häufig von Behörden oder Ämtern aus. Rund 20 Mitarbeiter setzen die Anfragen dann um. Als Geokompetenzzentrum ist der Staatsbetrieb Geobasisinformation der erste Ansprechpartner für alle Behörden in Sachsen, wenn es darum geht, amtliche Daten zu visualisieren. 

Persönliche Informationen sind tabu

Obwohl diese Daten grundsätzlich jedem zugänglich gemacht werden sollen, gibt es auch Grenzen: "Wir sagen zum Beispiel niemandem, wem ein Grundstück gehört. Das würde nur gehen, wenn ein Bürger glaubhaft ein berechtigtes Interesse erklärt, das über das Interesse eines anderen hinausgeht", erläutert Annette Rothenberger-Temme. Zusätzlich gibt es Datensätze, die ohnehin meist nur die Profis interessieren. Diese können im Portal "Offene Geodaten" direkt heruntergeladen werden. "Archäologen, Bauingenieure oder Architekten haben damit rund um die Uhr die Möglichkeit, Entwicklungen nachzuvollziehen." Oft würden die Experten die Datensätze dann mit eigener Software für ihre jeweiligen Aufgaben verwenden, erklärt Gunnar Katerbaum. 

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.02.2021 | 21:00 Uhr

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