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In der Generation 50 plus steigt laut einer AOK-Studie die Zahl an Menschen mit der Diagnose Depression. Es muss aber keine faktische Steigerung sein. Die Deutsche Depressionshilfe vermutet, dass heute Depressionen besser erkannt werden. Bildrechte: dpa

GesundheitKrankenkasse-Studie: Depressionen nehmen bei Generation 50 plus zu

von MDR SACHSEN

Stand: 29. November 2022, 19:10 Uhr

Der gesundheitliche Zustand von über 50-Jährigen in Sachsen und Thüringen hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt die Krankenkasse AOK Plus, nachdem sie einen Datensatz von Versicherten auswertete. Besonders psychische Erkrankungen sollen seit 2016 zugenommen haben. Fachexperten vermuten, dass die Krankheit heute ernster genommen wird und daher mehr Fälle registriert werden. Und: Auch die Techniker Krankenkasse widerspricht sogar den Zahlen der Konkurrenz.

Die Generation der Über-50-Jährigen in Sachsen und Thüringen hat mehr Krankheiten als früher, besonders psychische Beschwerden nahmen zu. So lautet eine Schlussfolgerung der AOK Plus, nachdem diese Gesundheitsdaten ihrer Versicherten in Sachsen und Thüringen analysierte. Die repräsentative Studie schaute sich die Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahren genauer an.

So habe sich jeder sechste Versicherte in der betreffenden Altersspanne im vergangenen Jahr aufgrund einer Depression in ärztlicher Behandlung befunden. Seit 2016 soll die Zahl laut AOK um 9,3 Prozent gestiegen sein. Auch Angstzustände, Schlafstörungen sowie Tabak- und Alkoholsucht seien besonders bei den Ü-60-Jährigen häufiger diagnostiziert worden.    

Mit über 960.000 versicherten Menschen zwischen 50 und 69 Jahren ist die AOK Plus die größte gesetzliche Krankenkasse in Sachsen und Thüringen. Für die Erhebung der Daten wertete die Krankenkasse rund 300.000 Gesundheitsdaten aus.    

Stiftung sieht keine Zunahme von Depressionsfällen

Die Deutsche Depressionshilfe erklärt auf Nachfrage von MDR SACHSEN, dass aus ihrer Sicht nicht die Zahl der depressiv Erkrankten steigen würde, sondern "eher die sehr wünschenswerte Entwicklung, dass sich mehr Erkrankte professionelle Hilfe holen und Ärzte Depressionen besser erkennen und behandeln."

So würden Depressionen heute leichter identifiziert werden und nicht mehr über "Ausweichdiagnosen wie chronische Rückenschmerzen, Tinnitus oder Kopfschmerzen" unsichtbar gemacht.  

Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge erkranken 8,1 Prozent aller Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Schaut man nur auf die ältere Generation über 50 Jahren, liege der Wert nur bei 6,1 Prozent. "Allerdings sind leichtere Depressionen und depressive Befindlichkeitsstörungen, die nicht als Erkrankung anzusehen sind, zwei bis drei Mal so häufig bei älteren Menschen zu finden", gibt die Stiftung zu Bedenken.

Volkskrankheiten stagnieren auf hohem Niveau

Neben psychischen Problemen untersuchte die AOK-Studie auch körperliche Beschwerden. Zu den häufigsten Erkrankungen bei der älteren Bevölkerungsschicht gehören unter anderem Bluthochdruck und Diabetes.

Jeder Sechste in Thüringen und Sachsen leidet demnach unter Diabetes vom Typ 2. Von Bluthochdruck sind in den beiden Bundesländern 54,4 Prozent der Älteren betroffen. Die Zahlen sind seit 2016 laut AOK-Statistik nur leicht gesunken.

Als eine bedeutende Ursache dafür sieht die Krankenkasse Übergewicht. "Die Generation 50 Plus ist in Sachsen zu dick", schreibt die AOK in einer Pressemitteilung. 2021 betraf es 16,5 Prozent der Frauen und 15,3 Prozent der Männer. In Thüringen liegen die Zahlen noch etwas höher. Hier betrifft es 20,5 Prozent der Frauen und 17,8 Prozent der Männer.

Techniker Krankenkasse widerspricht AOK-Zahlen

Alexander Krauß, Leiter der Landesvertretung Sachsen bei der Techniker Krankenkasse (TK), kann den alarmistischen Ton der AOK nicht bestätigen.

"Sicherlich gibt es einen Teil der Bevölkerung, bei der sich der Gesundheitszustand verschlechtert", sagt Krauß. "Es zeigt sich aber auch, dass sich ein Teil der Über-50-Jährigen stärker mit Sport und gesunder Ernährung beschäftigt, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war."

So sehe die TK bei der Generation 50 plus keinen merkbaren Anstieg von Erkrankungen im Vergleich zu den Vorjahren. Die Versicherten der TK seien gerade im höheren Alter laut Krauß "sehr gesundheitsbewusst".

Frauen gehen häufiger zur Vorsorge

Doch die AOK vermeldet auch Positives. Zwar seien Frauen im Schnitt etwas häufiger von Übergewicht betroffen, dafür wären sie verantwortungsbewusster, was die Vorsorge betrifft. So nutzten 2021 knapp jede zweite Sächsin die Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs. Bei den Männern lag die Quote bei der Prostata-Untersuchung bei nur etwa 20 Prozent.

Auch die Deutsche Depressionshilfe sieht bei den Geschlechtern Unterschiede. Zwar würde bei Frauen etwa doppelt so häufig die Diagnose Depression gestellt, die Gründe dafür könnten neben hormonellen Ursachen auch in der Sozialisation liegen, sagt die Stiftung. "Frauen sprechen eher über ihre Ängste und Stimmungsschwankungen."

Gerade ältere Senioren seien gefährdet, da Ärzte und Angehörige Symptome übersehen und als natürliche Folgen des Alterungsprozesses abtun. "Senioren und hier besonders alte Männer sind besonders suizidgefährdet. Bei Männern über 75 Jahre ist das Suizidrisiko fünfmal höher als im Durchschnitt der Bevölkerung."  

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MDR (mad)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Sachsenspiegel | 29. November 2022 | 19:00 Uhr