Lehrergewerkschaft GEW: Sachsen nicht gut genug für neues Schuljahr gerüstet

Die Sommerferien in Sachsen gehen zu Ende. Kommenden Montag geht es für die knapp 500.000 Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule - in der derzeitigen Situation im Präsenzunterricht. Die Lehrergewerkschaft GEW hat sich deshalb am Mittwoch zu Infektionszahlen und dem Stand der Vorbereitungen in den Bildungseinrichtungen geäußert.

Auf der Tür eines Klassenzimmers stehen die Worte "Wir starten in das neue Schuljahr".
Am Montag beginnt das neue Schuljahr in Sachsen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Sachsen ist nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW besser als im vergangenen Jahr für den Schulstart gerüstet - aber nicht gut genug. Anders als 2020 gebe es umfangreiche Testmöglichkeiten, Impfungen und einheitliche Regeln zur Maskenpflicht, sagte Sachsens GEW-Vorsitzende Uschi Kruse am Mittwoch. Kritikpunkte bleiben aus Gewerkschaftssicht dennoch.

Wir beginnen ein Corona-Schuljahr.

Uschi Kruse Vorsitzende GEW Sachsen

Unter anderem gebe die schlechte Impfquote in Sachsen Anlass zur Sorge. Kruse verlangte einen besseren Schutz für Kinder- und Jugendliche an den Schulen und verwies auf andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, wo die Infektionszahlen nach Beginn des Unterrichts deutlich gestiegen seien. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat bei 19,5, zu Beginn des vergangenen Schuljahres habe der Wert unter zwei gelegen, verglich Kruse. Sie sprach sich dafür aus, bereits in der sogenannten Vorwarnstufe bei der Bettenauslastung für den Unterricht genau hinzuschauen. Bisher ist Wechselunterricht erst dann vorgesehen, wenn die Überlastungsstufe - die Bettenauslastung in Krankenhäusern - erreicht ist.

Lehrermangel und kaum Luftfilter

Sachsen hat zudem nach Einschätzung der Gewerkschaft nach wie vor mit einem Lehrermangel zu kämpfen. Dieser mache sich in der Pandemie besonders bemerkbar. Die Neueinstellungen könnten nur die Lehrer ersetzen, die in Rente gegangen sind, nicht aber die steigende Anzahl der Schüler oder den Bedarf an individuelle Förderangeboten abdecken.

Die GEW bemängelte zudem die unzureichende Ausstattung der Schulen mit Luftfilteranlagen. Eine Befragung unter rund 1.000 Mitgliedern habe gezeigt, dass Lüften in den Klassenräumen vielerorts nicht umsetzbar sei - weil sich die Fenster nicht öffnen lassen oder Verkehrslärm draußen zu laut sei. Das Kultusministerium will den Einsatz prüfen, hält die Luftfilter aber nicht unbedingt für nötig. Minister Christian Piwarz (CDU) hatte in der Vergangenheit vor Millionen-Investitionen gewarnt, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnten.

Landeselternrat verlangt bessere Informationspolitik

Der Sprecher des Landeselternrats, Oliver Jankowsky sprach sich mit Blick auf die Impfquote gegen Impfungen an Schulen aus. "Impfen gehört in den Bereich des Gesundheitswesens", so Jankowsky bei MDR SACHSEN. Vor allem wünschen sich die Elternvertreterinnen und -Vertreter, im kommenden Schuljahr besser über die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung informiert zu werden. Man wolle besser verstehen, was an den Schulen anstehe und nicht wie bisher kopierte Corona-Verordnungen erhalten, die nur wenige Eltern verstehen, so der Elternratssprecher.

Schulstart mit verschärften Regeln

Am 6. September beginnt für rund 494.500 Mädchen und Jungen in Sachsen das neue Schuljahr. Um den Start nach den Sommerferien abzusichern, gilt in den ersten zwei Wochen eine verschärfte Masken- und Testpflicht an den Schulen.

Quelle: MDR/bj/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 01. September 2021 | 15:00 Uhr

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