Erhebung Grundsteuerreform: Was bedeutet das für die Eigentümer?

Das Bundesverfassungsgericht hat die bisherige Grundsteuererhebung für verfassungswidrig erklärt, weil sie auf Werten aus dem Jahr 1935 basierte. Für die Grundsteuerreform müssen jetzt alle Häuser in Deutschland neu bewertet werden. In Sachsen laufen dafür die Vorbereitungen an: 2,5 Millionen Gebäude und Gründstücke werden jetzt neu bewertet. Viele Eigentümer fragen sich, was sie nun tun müssen.

Ein Abgabenbescheid für die Entrichtung der Grundsteuer liegt auf einem Schreibtisch.
Zwischen dem 1. Juli und 31. Oktober können alle Eigentümer die Steuererklärung für ihre Grundstücke abgeben. Bildrechte: dpa

Bei Regine Kuczera klingelt derzeit oft das Telefon. Die Mitarbeiterin des Dresdner Finanzamts berät zur Grundsteuerreform. Hunderttausende sächsische Eigenheim- oder Wohnungsbesitzer bekommen in diesen Tagen Post, denn sie müssen ab Juli Angaben zu ihrem Grundstück machen. Nun haben viele Fragen an die eigens eingerichtete Hotline: "Vielmals ältere Herrschaften, die anrufen und mit der Sache oftmals überfordert sind. Dann muss man einfach nett und höflich sein und versuchen, denen mal zu erklären, dass sie das Elster-Portal nehmen sollen", erzählt Kuczera.

Die Meldung der Grundstücksdaten soll grundsätzlich über das Elster-Internetportal der Finanzverwaltung erfolgen. Wer das gar nicht möglich machen kann, darf aber auch Papier abgeben. Der digitale Weg solle es den Ämtern leichter machen, sagt Sachsens Finanzminister Hartmut Vorjohann: "Wir haben die Neubewertung von 2,5 Millionen Grundstücken, Eigentumswohnungen und Agrarflächen vor uns. Das bedeutet Aufwand. Wir haben temporär etwa 180 Menschen zusätzlich eingestellt. Aus internen Ressourcen haben wir nochmal 200 dazu gepackt und die bereiten das jetzt vor und müssen das dann umsetzen."

Die Reform soll die Grundsteuer ins Heute holen. In Ostdeutschland, wo bislang noch Werte von 1935 zur Berechnung herangezogen werden, gelten dann die aktuellen Daten.

Kerstin Dörfel 1 min
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1 min

Eine Eigentümerin aus Sachsen-Anhalt erklärt, warum sie Angst vor Fehlern bei Erklärung zur Grundsteuer hat.

MDR SACHSEN-ANHALT Fr 04.03.2022 16:25Uhr 01:20 min

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Hobusch: Verfahren zu kompliziert

Trotzdem gibt es auch Kritik. René Hobusch vom sächsischen Eigentümerverband Haus und Grund findet das Verfahren zu kompliziert: "Wir wünschen uns, dass es an der einen oder anderen Stelle leichter wird und dass der Erhebungszeitraum erweitert wird – vielleicht nochmal um ein Viertel oder halbes Jahr in die erste Hälfte 2023 hinein."

Nach derzeitiger Rechtslage hätten Eigentümer nur vier Monate Zeit, alle Angaben zu ihrem Grundstück abzugeben, moniert Hobusch. Dabei werde einiges abgefragt: Lage, Fläche, Bodenrichtwert, Gebäudeart, Baujahr. Nicht jedem könne ein Steuerberater oder eine Steuerberaterin helfen: "Viele Steuerberater sind ohnehin gerade mit den Abrechnungen von Corona-Zuschüssen beschäftigt. Viele wollen auch diese Einzelerklärung außer für Steuerpflichtige, die eh schon bei ihnen Mandanten sind, gar nicht machen, weil sie den Aufwand scheuen und kein zusätzliches Mandat dauerhaft daraus entsteht."

Umlage der Grundsteuer auf die Nebenkosten

Erst, wenn alle Daten erhoben sind, wird die Grundsteuer neu berechnet. Den finalen Satz legt dann jede Kommune individuell fest. Unterm Strich soll das Steueraufkommen nicht steigen.

Trotzdem könne es für manche Eigentümer teurer und für andere günstiger werden, sagt Finanzminister Vorjohann: "Wenn ich in einem Ort lebe und ein Grundstück habe, das von der allgemeinen Grundstückswert-Entwicklung werthaltiger geworden ist, muss ich damit rechnen, dass ich mehr bezahlen muss. Wenn ich in einer Lage bin, wo der Wert jetzt sich nicht so phänomenal entwickelt hat, komme ich vermutlich besser weg."

Das betrifft nicht nur Eigentümer, sondern auch Mieterinnen und Mieter, denn die Grundsteuer kann auf die Nebenkosten umgelegt werden. Mieterverbände hatten gefordert, das zu ändern. Sie konnten sich aber nicht durchsetzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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