Unternehmen Krieg, Inflation, Lieferausfälle - Sachsens Handwerker skeptisch gestimmt

Die Wirtschaftslage im sächsischen Handwerk ist besser als nach zwei Corona-Jahren befürchtet. Die Auftragsbücher sind voll. Dennoch drücken Sorgen die Stimmung: Preisanstiege und Lieferengpässe sind im Schlepptau des Ukrainekrieges Alltag geworden. Das zeigt eine nun vorgestellte Konjunkturumfrage der Handwerkskammern Chemnitz und Leipzig.

Handwerker auf einer Baustelle
Auf sächsischen Baustellen (Archivbild) trüben steigende Preise für Material und wackelige Lieferketten die Aussichten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Der Ukraine-Krieg und seine Folgen, steigende Preise sowie Lieferengpässe machen den Unternehmen zu schaffen", sagte der Präsident der Leipziger Handwerkskammer, Matthias Forßbohm am Donnerstag. Der Maurermeister stellte an diesem Tag eine neue Konjunkturumfrage vor.

Backwaren in einem Regal
Auch Bäckereien mit ihrem traditionellen Handwerk sind von Inflation und Lieferengpässen betroffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Handwerker im Raum Leipzig unzufriedener als vor Pandemie

Gute Auftragslage und trotzdem getrübte Aussichten? Zwischen diesen beiden "Stühlen" sitzen aktuell viele Handwerksbetriebe in Sachsen. Drei von fünf von ihnen im Handwerkskammer-Bezirk Leipzig beurteilten ihre Wirtschaftslage mit "gut". Das sind 60 Prozent und damit zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Trotzdem schauen viele Firmen besorgt in die Zukunft. Im Vor-Corona-Jahr 2019 gaben noch 70 Prozent der Leipziger Handwerksbetriebe eine gute Stimmungslage an.

Matthias Forßbohm. Präsident der Handwerkskammer Leipzig und Maurermeister.
Bildrechte: Matthias Forßbohm

Der Ukraine-Krieg und seine Folgen, steigende Preise sowie Lieferengpässe machen den Unternehmen zu schaffen.

Matthias Forßbohm Präsident Handwerkskammer Leipzig

Handwerker in Chemnitz minimal optimistisch

In der Handwerker-Branche im Chemnitzer Raum stieg im Vergleich zum Vorjahr die Zuversicht unter den Betrieben. Als Argument führte die Chemnitzer Handwerkskammer den im Jahresvergleich von 116,1 auf 120,6 Punkte gestiegenen "Geschäftsklimaindex" ins Feld. Dieser basiert auf einer Umfrage unter Betrieben zu ihrer wirtschaftlichen Lage und ihrem Ausblick in die Zukunft. Kammerpräsident Frank Wagner wertete dies am Donnerstag zwar als "gutes Zeichen". Gleichzeitig warnte er: Die Unsicherheiten aus der Corona-Pandemie blieben bestehen und ließen die Betriebe "zurückhaltend agieren".

In Dresden mehr als zwei Drittel der Handwerker unzufrieden

Pessimistischer bewertete die Dresdner Handwerkskammer ihre am 12. Mai vorgestellte Mai-Konjunkturumfrage. Mit 110 Punkten fiel das aktuelle Geschäftsklima schlechter aus als in den Vorjahren. Etwa jeder vierte Handwerksbetrieb im Dresdner Raum erwartetet bis Mitte 2022, dass sich seine Geschäftslage weiter verschlechtert. Nur knapp ein Drittel der Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern (29 Prozent) bewertete seine Geschäftslage mit "gut", die Mehrheit (71 Prozent) schätzte ihre Geschäftslage als "befriedigend bis schlecht" ein.

Menschen stehen mit Abstand Schlange vor einem Geschäft.
Die Mehrheit der Einzelhändler im Raum Dresden (Archivbild Elbepark) schätzen laut Konjunkturumfrage ihre Lage als schlecht ein. Bildrechte: MDR/Jürgen Stiehl

Dämpfer auch für Industrie im Kammerbezirk Dresden, Großhandel boomt

Von einer Erholung kann auch bei Industriebetrieben und Händlern im Kammerbezirk Dresden keine Rede sein. Laut einem Konjunkturbericht vom Mittwoch bewerten knapp die Hälfte (45 Prozent) der 543 Unternehmen im IHK-Bezirk ihre Geschäftslage mit "gut" und nur 16 Prozent mit "schlecht". Die Stimmung sei schlechter als im Coronajahr 2021, der Geschäftsklimaindex ist seit Herbst von 118 auf 99 Punkte gefallen, sagt der Bericht. Wie Handwerker sorgen sich Industrie und Handel über Preisanstiege bei Rohstoffen und Energie infolge des Ukraine-Krieges. Dabei gibt es Sieger und Verlierer. Der Großhandel profitierte von gekippten Corona-Regeln: Die Hälfte der Großhändler meldet steigende Umsätze. Bei Dienstleistern bewerten sogar 59 Prozent ihre Lage mit "gut", nur acht Prozent mit "schlecht". Dagegen rechnen 51 Prozent der Einzelhändler mit schlechteren Umsätzen in der Zukunft, nur drei Prozent glauben an einen Aufwind.

MDR (wm)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 19. Mai 2022 | 13:30 Uhr

1 Kommentar

Zeitgeist vor 6 Wochen

Mein Auftragsbuch ist leer. Nach 2 Jahren Corona mit fast Null Einnahmen
kann ich auch nicht in den Urlaub flüchten.

Mehr aus Sachsen