Humanitäre Hilfe Freiberger Arzt operiert zwölf Wochen im Jahr in Malawi

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert engagiert sich der Arzt Olaf Bach in dem kleinen süd-ostafrikanischen Land Malawi. Der gebürtige Freiberger behandelt mehrere Wochen im Jahr die Patienten in Afrika. MDR SACHSEN-Reporterin Dany Striese hat ihn dorthin begleitet und stand plötzlich auch im OP-Saal.

Zomba Hospital Project Malawi
Der Chirurg Olaf Bach steht in Malawi meist zehn Stunden oder mehr im Operationssaal. Bildrechte: MDR/Dany Striese

Zweimal im Jahr fliegt der Arzt Olaf Bach auf die andere Seite der Erdkugel, um dort Kranke zu behandeln. Gerade sitzt er wieder im Taxi - sein Ziel das Zomba Central Hospital im süd-ostafrikanischen Land Malawi.

Seine Liebe zu Afrika hat der 61 Jahre alte gebürtige Freiberger als Kind in der Kirchgemeinde entdeckt. "Da gab es einen 8 mm Film über ein Missionskrankenhaus in Tansania, das hat mein Interesse geweckt", erzählt der heutige Chirurg. Außerdem habe er als Schulkind zu Hause in Kleinolbersdorf Bücher über Afrika aus dem Bücherschrank der Eltern gelesen. "Es war immer Teil der Motivation für mein Medizinstudium, mal so etwas zu machen."

Operieren im Akkord

Verwirklichen konnte Bach seinen Wunsch erst nach dem Fall der Mauer 1989. Seit inzwischen fast 30 Jahren operiert er jedes Jahr insgesamt zwölf Wochen lang im Akkord komplizierte Verletzungen unter einfachen Bedingungen.

"Zuhause in Deutschland versorgen wir die Knochenbrüche frisch. Hier kommt das praktisch nie vor", erzählt Bach. "Die Brüche sind sechs Wochen, zwei Jahre alt und noch älter. Da gibt es Folgen von Verletzungen, die nicht richtig behandelt wurden und die wir in Deutschland nie sehen." Für solche Fälle gebe es auch keine Konzepte in den Lehrbüchern.

Zomba Hospital Project Malawi
Am Einlass des Zomba Central Hospital bilden sich oft lange Schlangen. Die Patienten haben zum Teil tagelange Anreisen hinter sich. Bildrechte: MDR/Dany Striese

Von der Reporterin zur medizinischen Assistentin

Zum zweiten Mal begleitet ihn MDR SACHSEN-Reporterin Dany Striese nach Malawi. "Ursprünglich wollte ich nur über das Projekt berichten und fotografieren", sagt sie. Aber in Zomba wurde sie gleich voll mit eingespannt. Plötzlich habe sie im Operationssaal gestanden und Beine hochgehalten oder das Licht ausgerichtet. Eine medizinische Ausbildung hat sie nicht. "Ich habe aber trotzdem vier Wochen rund um die Uhr im Krankenhaus mitgearbeitet", sagt Striese. Unter Anleitung und Aufsicht der Ärzte verabreicht sie Medikamente oder beruhigt die Patienten während der Operationen. Es habe immer genug zu organisieren und mit anzupacken gegeben, sagt sie.

Zomba Hospital Project Malawi
Reporterin Dany Striese (links) wird in Malawi für vier Wochen zur medizinischen Assistentin im OP. Bildrechte: MDR/Dany Striese

"Die Medizintechnik ist nicht wie bei uns. Ein Anästhesist sagte mir, dass die Ausrüstung hier wie vor 30 Jahren in Deutschland ist", erzählt sie. Verzögerungen gebe es oft. Monatelang sei der Sterilisator kaputt, es fehlen passende Implantate oder Personal wie zum Beispiel Anästhesisten. "Strom war zuletzt auch Luxus und als Folge gab es auch nirgendwo mehr Kerzen zu kaufen", erzählt Striese. Deswegen hätten sich die meisten Helfer mit Stirnlampen ausgestattet. "Doch bei uns gibt es die meistens nur noch zum Aufladen. Dafür braucht man ja auch wieder Strom", sagt sie.

Nicht allen kann geholfen werden

Der Chirurg Olaf Bach hat gelernt, viel zu improvisieren und hinzunehmen, dass er selbst als erfahrener Arzt und trotz Hilfe von Zuhause nicht allen in Malawi helfen kann. Er hat die Erfahrung gemacht, dass er trotzdem einen Unterschied machen und etwas bewirken kann. "Ich hatte immer Zweifel, ob man nachhaltig hilft, aber über die Jahre sind die kleiner geworden", sagt er. Hinzugekommen sei die Freude auf die afrikanischen Kolleginnen und Kollegen, mit dem er zusammen arbeite. "Sie sind nach einem Vierteljahrhundert längst Freunde geworden."

Zomba Hospital Project Malawi
Das Zomba Central Hospital ist eines von vier Distriktkrankenhäusern in Malawi und ist für die meisten Patienten kostenfrei. Bildrechte: MDR/Dany Striese

Finanziert wird die Hilfe aus Deutschland vor allem über freiwillige Helfer, Fördergelder und Spenden. Um das Zomba Central Hospital auch über die Operationen hinaus zu unterstützen, sammelt Bach gemeinsam mit seinem Verein Zomba Hospital Project auch ausgediente medizinische Geräte oder alte Krankenhausbetten in Deutschland und schickt sie per Schiff nach Malawi. Bald soll der nächste Container starten.

Wenn Bach nicht in Malawi operiert, arbeite er in Weimar. Dort ist er auch ärztlicher Klinik-Direktor. Sachse sei er aber immer geblieben. Er habe noch Freunde im Erzgebirge, liebe es, dort Ski zu fahren und ist langjähriges Mitglied im Skiclub Carlsfeld. Aber sein Herz schlägt weiter für Afrika - spätestens im Herbst will er wieder bei seinen Leuten in Malawi sein.

MDR (al/ds)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 04. Mai 2022 | 14:30 Uhr

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