Entsorgung Illegaler Müll kommt sächsische Kommunen teuer zu stehen

Die Beseitigung von illegal entsorgten Matratzen, Monitoren oder weggeworfenem Verpackungsmüll belastet zunehmend die Stadtkassen: Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa in den großen Städten in Sachsen hat ergeben, dass die Ausgaben dafür im vergangenen Jahr teilweise deutlich gestiegen sind.

Illegal entsorgter Müll, darunter Autoreifen, Planen und Plastikfässer, liegen 2015 in einem Gebüsch
Die Entsorgung von illegalem Müll wird für die sächsischen Kommunen immer teurer. Bildrechte: dpa

Leipzig will mit Umweltdetektiven nach Müllsündern suchen

Nach Angaben der Leipziger Stadtverwaltung ist die Menge des illegal entsorgten Mülls von 2017 bis 2020 von 1.585 Tonnen auf 2.630 Tonnen gestiegen. Die Entsorgungskosten haben sich mit 407.000 Euro im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Im Jahr 2020 seien 182 Anzeigen eingegangen, in diesem Jahr bisher 40, hieß es. Der illegale Müll sammle sich vor allem an versteckt liegenden Ecken, wo sich die Betreffenden anonym fühlten. Die gestiegene Abfallmenge sei aber auch das Ergebnis von Reinigungsaktionen wie dem Projekt "Stadtsauberkeit". Dabei waren Bewohner, Vereine und Institutionen eines Stadtteils zu gemeinschaftlichen Aufräumaktionen aufgerufen werden. Um den illegalen Abfällen Herr zu werden, will die Stadt ab 2023 "Umweltdetektive" einsetzen, die Jagd auf die Verursacher machen sollen.

Zwickau: In einem Jahr 20 Prozent mehr Müll

In Zwickau ist die Menge illegaler Ablagerungen von 2019 bis 2020 von etwa 37 Kubikmeter auf rund 45 Kubikmeter gestiegen. Nach Angaben der Stadt besteht in dem erhöhten Müllaufkommen ein Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Denn die Menge der illegal entsorgten Einwegverpackungen etwa für Speisen hätten stark zugenommen, sagte eine Stadtsprecherin.

Dresden: Etwas weniger illegaler Müll, aber höhere Kosten

In Dresden sind im vergangenen Jahr 602 Tonnen illegal entsorgter Restabfall, Sperrmüll und Grünabfall von öffentlichen Flächen entfernt worden. Damit ist die Menge im Vergleich zu 2010 etwas zurückgegangen. Damals kamen 640 Tonnen illegaler Müll zusammen. Kostete die Stadt nach eigenen Angaben vor elf Jahren die Entsorgung 112.600 Euro, so verdoppelten sich die Kosten im vergangenen Jahr auf 255.000 Euro. Das läge vor allem an der veränderten Zusammensetzung der illegalen Abfälle, Kostensteigerungen bei der Entsorgung und logistischen Veränderungen, sagte eine Dresdner Stadtsprecherin. Soweit möglich, würden die Verursacher ermittelt und angezeigt, hieß es.

Illegaler Müll in Dresden In der Landeshauptstadt wurden im vergangenem Jahr unter anderem 239 Kühlschränke und -truhen, 390 Fernseher und Monitore, 2.587 Elektro-Kleingeräte und 1.516 Fahrzeugreifen illegal entsorg und von städtischen Entsorgungsbetrieben geborgen.

Ein Haufen mit Einkaufstaschen, in denen sich Bauschutt befindet
Illegele Müllentsorgung wird mit einem Bußgeld, in besonders schweren Fällen sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet. Bildrechte: Bereitschaftspolizei

Chemnitz sucht mit zwei Beamten nach Müll-Sündern

Die Menge des wilden Abfalls ist nach Angaben der Stadt Chemnitz 2020 auf vergleichsweise hohem Niveau geblieben. Die jährlichen Kosten gibt die Stadt mit etwa 25.000 Euro für die Entsorgung und 20.000 Euro für das dafür benötigte Personal an. Vor allem in abgelegenen Randgebieten, aber auch in Parkanlagen, Wäldern oder sonstigen Grünflächen werde immer wieder Müll abgelagert, hieß es. Auch an Standplätzen der Müllcontainer würden zunehmend Sperrholz und Verpackungen zurückgelassen. Mit zwei Vollzeitbeschäftigten fahndet die Untere Abfallbehörde des Chemnitzer Umweltamtes nach Umweltsündern. Die Aufklärungsquote liegt nach Angaben der Stadt bei 30 bis 40 Prozent. Wichtig seien dabei Hinweise von Zeugen. 

Müll im Wald kann teuer werden

Auch der Staatsbetrieb Sachsenforst berichtet von zunehmender Müllentsorgung im Wald. Oft seien Stellen in der Nähe schwer einsehbarer Parkplätze an viel befahrenen Straßen betroffen. Dort werde nicht nur Sperrmüll entsorgt, sondern immer wieder auch Gartenabfälle. Sachsenforst-Sprecher Renke Coordes sagte, dass dieser Abfall mitunter Pflanzen, Früchte und Samen enthalte, die im Wald nicht heimisch seien. Zudem würden die Gartenabfälle den Boden mit Stickstoff anreichern, was zum Absterben von Mikroorganismen im Boden führe. Eine zentrale Statistik zum Müll im Wald gibt es nicht.

Wer bei der illegalen Entsorgung von Müll im Wald ertappt wird, muss mit einer Geldbuße von bis zu 2.500 Euro rechnen. In besonders schweren Fällen kann die Strafe bis zu 10.000 Euro betragen.

Illegaler Müll
Illegal entsorgter Müll im Wald schädigt nicht nur die Umwelt, er kann auch sehr teuer für die Verursacher werden. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/tfr/dpa

3 Kommentare

Kurzkommentator vor 5 Wochen

Und das Problem wird eher noch zunehmen. Ab 2022 werden z.B. die Bio-Tonnen im LK Meißen nicht mehr kostenlos abgeholt; stolze 5,98€ pro Leerung (für die 240L-Tonne) werden dann fällig. Man muss kein Hellseher sein um zu ahnen, wo dann ein Großteil der Gartenabfälle (wieder) landen wird ...

heinz1954 vor 5 Wochen

Leute, schaut Euch mal die Strafen an, die "Müllsündern" drohen, ist doch lächerlich. Hängt an alle Strafen ein oder zwei Nullen dran und dann auch Vollstreckung. Oft wird gar nicht nach den Verursachern gesucht, da ja zu aufwendig. Also nur keine Aufregung.

lk2001 vor 5 Wochen

Keine Frage, die illegale Müllentsorgung ist eine riesige Sauerei. Leider ist diese Entwicklung aber wenig verwunderlich bei den Schwierigkeiten und Kosten die legale Entsorgung bedeutet. Es gibt weder genug Möglichkeiten noch sind die Preise motivierend. Allein was man mittlerweile in Leipzig für ein paar Laubblätter verlangt ist schlicht eine Unverschämtheit.

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