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Mit Kerzen erinnern Menschen in Sachsen am Donnerstag an die ermordeten und getöteten Opfer der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

HolocaustgedenkenSachsen hält Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wach

von MDR SACHSEN

Stand: 27. Januar 2022, 20:35 Uhr

In vielen Städten und Dörfern Sachsens ist am Donnerstag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden. Der Tag verweist auf den 27. Januar 1945, an dem das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde. Als Ausdruck der Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten werden jedes Jahr Blumen und Kränze niedergelegt sowie Lichter angezündet.

Zum Gedenken an die ermordeten Menschen mit Behinderungen und Krankheiten durch das Lebensvernichtungsprogramm der Nationalsozialisten ist in Meerane eine Gedenktafel enthüllt worden. Die Zeremonie fand am Donnerstagvormittag auf dem Friedhof statt. Die Tafel erinnert an Schicksale von 32 ermordeten Meeranerinnen und Meeranern der sogenannten "Aktion T 4". Vor allem in den Jahren 1940 und 1941 wurden in Deutschland Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen sowie psychischen Krankheiten systematisch ermordet.

Kretschmer: "Es gibt Dinge, die sind unverhandelbar"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat am Gedenktag für die Opfer des Holocaust gemahnt, die Erinnerung an die deutsche Geschichte wachzuhalten. Sie dürfe sich nicht wiederholen, sagte der CDU-Politiker bei einer Kranzniederlegung in Großschweidnitz bei Görlitz. Dort starben nach Angaben der sächsischen Gedenkstättenstiftung zwischen 1939 und 1945 mehr als 5.500 Kinder und Erwachsene durch systematische Unterernährung, pflegerische Vernachlässigung und überdosierte Beruhigungsmittel.

Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) haben am Donnerstags an der Gedenkstätte Großschweidnitz einen Kranz niedergelegt. Bildrechte: Thomas Schneider

Wollte man nur eine einzige Gedenkminute für jedes Opfer des Holocaust einlegen, müsste man elf Jahre schweigen, sagte Kretschmer. "Diese Zahl zeigt diese unfassbare Gräueltat, den Zivilisationsbruch." Jene Zeit der Entgrenzung, in der Werte und Moral ins Rutschen gekommen seien, sollte nach Kretschmers Worten "auch in der heutigen Zeit, in der manches droht zu entgrenzen", immer wieder daran erinnern:

Es gibt Dinge, die sind unverhandelbar. Menschenwürde ist unverhandelbar, Respekt, Achtung der Institutionen unseres Rechtsstaates, unserer Demokratie. Wenn wir anfangen, damit Kompromisse zu machen, dann wird das in einer Katastrophe enden.

Michael Kretschmer | sächsischer Ministerpräsident (CDU)

Erinnerung an Deportationen, Tötungen, Zwangsarbeit

In Chemnitz hat Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) am Mahnmal im Park der Opfer des Faschismus im Namen des Stadtrates und der Stadt einen Kranz niedergelegt. Die nationalsozialistische Schreckensherrschaft und die damit verbundene Politik mörderischen Rassenwahns dürfe nicht in Vergessenheit geraten, betonte Schulze.

In Zwickau wird am Abend mit Videoinstallationen an der Stadtbibliothek und am Schloss Osterstein an Schicksale von KZ-Insassen und Zwangsarbeitern erinnert.

Im Namen des Stadtrates und der Stadt ließ Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD, Bildmitte) einen Kranz am Mahnmal im Park der Opfer des Faschismus in Chemnitz ablegen. Bildrechte: Harry Härtel

In Dresden haben unter anderem Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Mitglieder des Sächsischen Landtags Blumen im ehemaligen Richthof der Gedenkstätte Münchner Platz niedergelegt.

Es ist unsere Aufgabe und die der nachfolgenden Generationen, immer wieder an die nationalsozialistischen Verbrechen zu erinnern und der Opfer zu gedenken.

Dirk Hilbert | Oberbürgermeister von Dresden (FDP)

Gedenken in Nordsachsen und Leipziger Region

Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) nahm in Torgau am stillen Gedenken im Wehrmachtsgefängnis Fort Zinna teil. Tausende Häftlinge der Wehrmacht waren während des Zweiten Weltkriegs dort inhaftiert, hunderte von ihnen erschossen worden.

Wir gedenken der Millionen Opfer, die durch das nationalsozialistische Regime entrechtet, verfolgt, gequält oder ermordet wurden. Wir dürfen nicht nachlassen, die Zivilcourage der Menschen zu stärken gegen jede Form von Diskriminierung, Ausgrenzung, Antisemitismus und Hass.

Barbara Klepsch | sächsische Kulturministerin (CDU)

Auf dem Hauptbahnhof Leipzig gab es eine Gedenkveranstaltung an einem Mahnmal, das die zügeweise Deportationen von Kindern, Frauen und Männern in Konzentrationslager der Nazis nicht vergessen lassen soll.

In Taucha wurde am Mahnmal des Kleinen Schöppenteichs eine Rede gehalten, die an das Leiden und Sterben vieler Zwangsarbeiter während des NS-Regimes erinnerte.

In Markranstädt wurde ebenfalls der Opfer und Verfolgten am Ehrendenkmal auf dem Markranstädter Friedhof gedacht. Am Ehrenhain in der Lobstädter Straße fanden sich Lokalpolitiker und Menschen aus Borna zusammen.

Stolpersteine und mahnende Blumen

Wegen der anhaltenden Corona-Lage war in diesem Jahr das Gedenken am Vormittag in Bautzen nur in einer kleinen Runde am Gedenkstein für die Opfer des Außenlagers des KZ Groß-Rosen an der Neuschen Promenade möglich, informierte die Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) und Stadträtin Andrea Kubank (Linke) legten Blumen nieder. Beide betonten, wie wichtig es sei, die Erinnerung wach zu halten und Lehren aus der Geschichte zu ziehen.

Der 27. Januar lässt uns in das dunkle Nichts blicken, zu dem Menschen im Abgrund ihres Herzens fähig sind. Er ist zugleich ein immerwährender Auftrag, den Opfern des Nationalsozialismus Ehre zu erweisen, ihnen ihre Würde zurückzugeben und ihr Andenken zu bewahren.

Matthias Rößler | Landtagspräsident (CDU) bei einer Gedenkstunde in Großschweidnitz/Ostsachsen

In Zittau hat Oberbürgermeister Thomas Zenker die Patenschaft für den Stolperstein des Zittauer Gelehrten Leo Elend übernommen. Der jüdische Prediger und Religionslehrer aus Zittau wurde ins Vernichtungslager Buchenwald verschleppt und nahm sich später das Leben.

Auch in Weißwasser wird den Opfern gedacht. Dort findet am Abend eine Gedenkfeier an der Sandsteinplastik in der Muskauer Straße statt.

Bevölkerungsgruppen methodisch vernichtet

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Millionen von Menschen verfolgt, ausgebeutet und methodisch getötet. Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen sollten aus der Bevölkerung ausradiert werden. Seit 1996 gilt in Deutschland der 27. Januar als Holocaustgedenktag, der an die Naziverbrechen erinnert. Das Datum verweist auf den 27. Januar 1945, an dem die Gefangenen im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit wurden.

Quellen: MDR (ma,kk)/epd/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Nachrichten | 27. Januar 2022 | 09:00 Uhr