Forstwirtschaft Viel Schadholz und geringere Ernte in Sachsens Wäldern

Ein Harvester, der so groß ist wie ein Traktor hebt mit einer langen Kranvorrichtung einen auf ca. zwei Meter Länge vorgesägten Baumstamm aus dem Unterholz.
Ein sogenannter Harvester hebt einen Baumstamm aus dem Unterholz. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Die Holzernte in Sachsens Wäldern hat unter der Trockenheit und dem Befall von Borkenkäfern in diesem Jahr erheblich gelitten. Wie Renke Coordes vom Sachsenforst mitteilte, beläuft sich die Erntemenge im Staatsforst auf rund 1,3 Millionen Kubikmeter. Das sei rund ein Drittel weniger als in den Jahren 2018 und 2019, in denen je rund 1,9 Millionen Kubikmeter Holz geerntet wurden.

Viel Schadholz wegen Borkenkäferbefall

85 Prozent der Erntemenge besteht zudem aus minderwertigem Schadholz. Ein Grund sind laut Coordes Schäden durch Borkenkäfer und andere Schadinsekten. Der Befall habe sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt.

Auch die anhaltende Trockenheit habe den Bäumen zugesetzt. Betroffen sind in der Regel Nadelbaumarten wie Kiefer, Lärche und Fichte. "Die ausgeprägte Dürre setzt aber auch zunehmend Laubbaumarten zu", erläuterte Coordes.

9.000 Hektar Wald sind kahl

Vor kurzem hatte das Landwirtschaftsministerium mitgeteilt, dass rund ein Drittel der Bäume im Freistaat deutlich geschädigt seien. Das sei der höchste Anteil seit Beginn der Erhebung vor 30 Jahren. Allein beim Sachsenforst, dessen Anteil an der gesamten sächsischen Waldfläche etwa 39% beträgt, sind rund 56.000 Hektar betroffen. Eine Fläche von über 9.000 Hektar davon ist komplett kahl. Nur bei einem Fünftel der Bäume seien keine Schäden erkennbar.

Ein Wald mit vielen toten Bäumen, von oben fotografiert.
Trockene und tote Bäume zu sehen, gehört mittlerweile zum Waldspaziergang dazu. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Schwerpunkte der Schäden im sächsischen Forst liegen im mittelsächsischen Lösshügelland und im Erzgebirgsvorland, im Osterzgebirge im Übergang zur Sächsischen Schweiz und in der Dübener Heide in Nordwestsachsen.

Aufarbeitung von Schadholz nicht kostendeckend

Die Erlöse der Waldbesitzer aus dem Holzverkauf sind aufgrund des im mitteldeutschen Raum hohen Schadholzaufkommens weiter gefallen. Insbesondere die Aufarbeitung von Holz minderer Qualität für Holzwerkstoff- und Zellstoffindustrie sei für Waldbesitzer derzeit nicht mehr kostendeckend.

Der sächsische Wald Der Staatsforst hat einen Anteil an der Gesamtwaldfläche in Sachsen von rund 39 Prozent. 45 Prozent sind in Privat- oder Treuhandbesitz. Knapp fünf Prozent gehören dem Bund und zwei Prozent der Kirche.

Insgesamt ist etwa 30 Prozent der Gesamtfläche Sachsens von Wald bedeckt. Das sind 520.917 Hektar oder zweimal die Fläche des Saarlandes.

Quelle: MDR/sm/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.12.2020 | 15:30 Uhr in den Nachrichten

3 Kommentare

Eulenspiegel vor 19 Wochen

„85 Prozent der Erntemenge besteht zudem aus minderwertigem Schadholz.“
Ich denke das ist die eindeutige Folge von zu viel Hitze und Trockenheit. Die Bäume können den Borkenkäfer nichts mehr entgegensetzen. Und der Klimawandel ist noch lange nicht gestoppt.

W.Merseburger vor 19 Wochen

Obiger Artikel beschreibt im üblicher Negativbetrachtung den Zustand von Sachsens Wäldern. Positiv sind die zusammengestellten Zahlen, die man so einfach nicht abgreifen kann. Allerdings liegt auch hierin die Schwäche des Artikels. Wenn Sachsen rund 521 000 Hektar Waldfläche hat, dann sind 9000 Hektar gerade einmal 1,7% der gesamten Waldfläche, was sich mit den bisherigen Aussagen der Forstwissenschaftler aus Tharandt deckt. Nun wird berichtet, dass rund ein Drittel des Waldes deutlich geschädigt ist und es wird eine Zahl von 56 000 Hektar angegeben. Allerdings sind 56 000 Hektar rund 10,7% der Waldfläche und eben nicht ein Drittel. Hier wäre Aufklärung angebracht. Was weiterhin fehlt, ist eine positive
Berichterstattung. Z.B. wie viel des Totholzes ist weggebracht worden? Wie groß sind die Flächen der Aufforstung ? Ich habe mir sagen lassen, dass besonders die jungen Bäume, auch Fichten, "lernfähig" sind und mit der zeitweiligen großen Trockenheit schon gut auskommen.

MDR-Team vor 19 Wochen

Danke für den Hinweis. Wir haben korrigiert und den Satz über den Anteil der Waldfläche des Sachsenforstes deutlicher formuliert.

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