35-Stunden-Woche Metall-Tarifeinigung in Sachsen vorerst ohne West-Angleichung

Den Kampf um die 35-Stunde-Woche auch im Osten führt die IG Metall seit Jahren vergeblich. Auch in dieser Tarifrunde war vorerst nicht viel zu holen. Aber es gibt vielleicht einen Teilerfolg.

Ein Streikender hält während eines Warnstreiks eine Fahne der IG-Metall Schweinfurt.
Ostdeutsche Metaller arbeiten für den gleichen Lohn länger als ihre Kollegen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie im Osten müssen vorerst weiterhin drei Wochenstunden länger für ihr Geld arbeiten als die Kollegen im Westen. Auch für Sachsen wird nun der Pilotabschluss aus Nordrhein-Westfalen übernommen. Eine Angleichung der Arbeitsbedingungen an das West-Niveau gelang in den Verhandlungen der IG Metall mit dem Arbeitgeberverband Sachsenmetall aber nicht.

Jedoch vereinbarten beide Seiten am Dienstagabend in Chemnitz, in den nächsten Monaten einen tariflichen Rahmen für betriebliche Lösungen zur Angleichung Ost zu schaffen. "Damit ist der jahrzehntelange Widerstand der Arbeitgeber gebrochen, zu verbindlichen Stufenplänen der Angleichung zu kommen", betonte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann am Mittwoch.

Angleichung bislang erfolglos

Das Prozedere für die kommenden Gespräche über die Angleichung Ost auf betrieblicher Ebene ist noch unklar. Während die IG Metall am Mittwoch davon sprach, bis Ende Juni Lösungen erzielen zu wollen, formulierte Sachsenmetall, dass im Juni Verhandlungen aufgenommen werden sollen.

Ziel ist demnach eine Tarifregelung, die freiwillige Betriebsvereinbarungen zur Angleichung ermöglicht und dazu Kompensationsleistungen regelt. 2018 waren schon einmal Gespräche zur Angleichung vereinbart worden. Die Unterschiede blieben.

35-Stunden-Woche in Westdeutschland lange etabliert

Ihr Verhandlungsziel im Bezirk Berlin, Brandenburg, Sachsen hat die Gewerkschaft damit trotz zahlreicher Warnstreiks auch dieses mal verfehlt. Schon während der Tarifverhandlungen war die IG Metall deshalb auf einzelne Arbeitgeber zugegangen, um Lösungen vor Ort zu finden. Seit mehr als zwei Jahrzehnten kämpft die IG Metall für die 35-Stunden-Woche im Osten, denn so lange schon gibt es sie in den westdeutschen Bundesländern.

Sonderzahlungen für sächsische Beschäftigte

Nach der Einigung vom Dienstagabend erhalten die Beschäftigten in Sachsen dem Pilotabschluss entsprechend eine Corona-Prämie von 500 Euro in diesem Jahr sowie dauerhafte Sonderzahlungen vom kommenden Jahr an. Die neue Sonderzahlung wird erstmals im Februar 2022 in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts fällig. Zum Februar 2023 steigt diese Sonderzahlung auf 27,6 Prozent des Monatsentgelts und wird dann jährlich gezahlt.

"Mit diesem Ergebnis zeigen die Tarifparteien die Fähigkeit, eine sehr komplizierte Situation im Rahmen des Flächentarifvertrages zu lösen", betonte Sachsenmetall. In der Tarifrunde steht damit nur noch eine Einigung der Gewerkschaft mit dem Arbeitgeberverband Berlin-Brandenburg aus. In Sachsen beschäftigt die Branche mehr als 180.000 Menschen. Dem tarifschließenden Arbeitgeberverband gehören nach dessen Angaben aber nur Unternehmen mit insgesamt 25.000 Beschäftigten an.

Ost-Werke von VW bald Teil der Volkswagen AG

Weit gediehen sind dabei die Gespräche für die ostdeutschen Werke des VW-Konzerns. Volkswagen kündigte am Mittwoch an, seine drei sächsischen Standorte Zwickau, Chemnitz und Dresden in den kommenden Jahren unter das Dach der VW AG zu holen. Die rund 10.000 Beschäftigten profitieren damit künftig auch von einem Wechsel aus dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektrobranche in den VW-Haustarifvertrag.

Quelle: MDR SACHSEN/ls, dpa

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen