Immobilienmarkt Hammer-Angebote? Die Trends bei Zwangsversteigerungen in Sachsen

Wer Immobilien aus Zwangsversteigerungen sucht, wird bei den üblichen Onlineportalen für Sachsen schnell fündig. Dort tauchen nach zwei, drei Klicks mehr als 300 verschiedene Angebote auf. Doch sind in Zeiten überhitzter Immobilienmärkte bei Zwangsversteigerungen überhaupt noch echte Schnäppchen zu finden?

Ein Holzhammer schlägt auf eine Holzplatte, auf der auch ein kleines Haus steht. Hinter dem Auktionshammer schreibt ein Mensch mit Kuli auf ein Stück Papier. Es soll Richter darstellen, der gerade bei einer Zwangsversteigerung ein Gebot in einen Zuschlag niederschreibt.
In Sachsen werden von Jahr zu Jahr weniger Immobilien und Grundstücke vor Amtsgerichten zur Zwangsversteigerung gebracht. Die Gründe sind vielfältig. Bildrechte: PantherMedia/dpa

In Sachsen gehen immer weniger Immobilien und Grundstücke für Zwangsversteigerungen bei den zuständigen Amtsgerichten ein. 2021 wurden nach Angaben des Landesamtes für Statistik 1.196 sogenannte unbewegliche Gegenstände neu angemeldet. Im Jahr davor waren es noch 1.452. Vor zehn Jahren gab es im Freistaat mehr als doppelt so viele Objekte und Flächen, die für Zwangsversteigerungen den Gerichten gemeldet wurden: 4.873 Objekte waren es im Jahr 2010.

Bei den Gerichten werden nicht alle neu hinzugekommenen Objekte pro Jahr auch zwangsversteigert, so dass die Verfahren nicht immer abgeschlossen werden. Am Ende des vergangenen Jahres waren noch 2.324 Verfahren anhängig, obwohl laut Statistischem Landesamt nur 1.196 Eingänge in dem Jahr gezählt wurden.

So haben sich die Verfahren für Zwangsversteigerungen in Sachsen entwickelt:

  • 2021: 1.196 Objekte eingegangen, 2.324 anhängige oder laufende Verfahren
  • 2020: 1.452 Objekte eingegangen, 2.723 Verfahren anhängig
  • 2015: 2.950 Objekte eingegangen, 5.577 laufende Verfahren
  • 2010: 4.873 Objekte eingegangen, 10.710 anhängige Verfahren

Umkämpfter Immobilienmarkt

Der Interessenverband der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer "Haus und Grund" erklärt die zurückgehenden Zahlen damit, dass Menschen, die in den Vorjahren 2019/2020 Zahlungsprobleme hatten, ihre Immobilie schon vorher auf dem freien Markt verkaufen konnten. Banken mussten also keine Zwangsversteigerungsanträge stellen, so Haus und Grund. Denn trotz oder wegen Corona sei die Nachfrage nach Immobilien bundesweit ungebrochen hoch.

Der Vorstandsvorsitzende des Immobilienverbandes Mitte-Ost (IVD), Robert Vesely, nennt im Gespräch mit MDR SACHSEN noch einen weiteren Grund: 2016 sind die Kreditrichtlinien verschärft worden. "Das hat dazu geführt, dass viel kritischer geschaut wird, wer sich einen Kredit leisten kann", sagt Vesely. Als Folge habe es weniger Kreditausfälle bei Immobilien gegeben.

Höhere Preise, kaum Schnäppchen

Wenn ein Objekt als Zwangsversteigerung vor Gericht geht, bedeutet das nicht, dass es auch gleich unter den Hammer kommt, so Vesely. "Oft werden die Objekte auch wieder zurückgezogen, weil Gläubiger doch ihre Schulden zurückzahlen oder sich ein Käufer findet." Andererseits würden viele Verfahren auch monate- oder jahrelang dauern, weil Gläubiger erst angehört werden müssten. Zudem seien die Preise in dem Segment in den vergangenen Jahren gestiegen - bestätigt auch der Immobilien-Verbandsvertreter Vesely den vom Verband Haus und Grund schon beschriebenen Trend.

In den begehrten Lagen und Metropolregionen gibt es keine Schnäppchen mehr. Eine rentable Immobilie über eine Zwangsversteigerung zu finden, ist wie Gold schürfen.

Robert Vesely Vorstandsvorsitzende des Immobilienverbandes Mitte-Ost (IVD)

Ein gute Immobilie zu "angemessenen Preisen" bei Auktionen zu finden, ist laut Vesely "die absolute Ausnahme". Interessierte müssten sich intensiv mit dem Angebot beschäftigen, Informationen sammeln, sich von Gutachtern beraten lassen und genau überlegen, welches Risiko sie mit einer Immobilie aus der Zwangsversteigerung eingehen wollten. "Für Privatleute ist das wie ein Ritt auf der Rasierklinge. Es kann klappen. Man kann aber auch ein ruinöses Objekt ersteigern und ist als Eigentümer dann zuständig", warnt Robert Vesely.

Gründe für Zwangsversteigerungen

Die Gründe, weshalb Eigentumswohnungen oder Grundstücke zwangsversteigert werden, kennt der Geschäftsführer der Notarkammer Sachsen, Tim Hofmann. Die könnten durchaus vielschichtig sein. Typischerweise nutzten Gläubiger das Verfahren, weil Schuldner ihre Schulden nicht zurückgezahlt haben, meistens Banken, so Hofmann. "Ein weiteres Feld bilden aber auch Gemeinschaften, bei denen eine einvernehmliche Auseinandersetzung nicht zeitnah möglich oder schon gescheitert ist. Zu nennen sind hier etwa zerstrittene Erbengemeinschaften oder Miteigentümergemeinschaften, bei denen die Miteigentümer in Trennung oder Scheidung leben“, erklärt Notarassessor Hofmann.

Paar zerreißt Foto
Wenn eine Ehe oder Partnerschaft endet, geht oft auch der Traum von den eigenen vier Wänden kaputt. Bildrechte: dpa

Wenn Trennungen hässlich werden

Wenn ein Paar zusammen einen Kredit abzahlt, bleibt nach der Trennung meist nur einer von beiden in der Wohnung oder im Haus, der andere zieht aus, weiß IVD-Experte Vesely. "Wenn sich die beiden streiten, wird es oft hässlich, weil der, der ausgezogen ist, nicht mehr für das gemeinsame Objekt zahlen will oder kann. Der andere kann es allein nicht stemmen und Kreditraten werden nicht zurückgezahlt. Dann reagieren die Banken", beschreibt Vesely eine typische Entwicklung vor einer Zwangsversteigerung.

Infos für Kaufinteressenten

  • Grundsätzliche Informationen zu Zwangsversteigerungen in Deutschland gemäß EU-Recht finden Sie hier.
  • Verbrauchertipps zu Chancen, Risiken und Abläufen bei dieser Art des Hauskaufs haben die TV-Kollegen des Magazins WISO hier zusammengefasst.

Wo finden Zwangsversteigerungen in Sachsen statt? - In Sachsen werden Versteigerungen von den Amtsgerichten an den Landgerichtsstandorten durchgeführt. Das sind die Amtsgerichte Bautzen, Chemnitz, Dresden, Görlitz, Leipzig, Zwickau.
- Welches Gericht zuständig ist, richtet sich nach Lage des Grundstücks/Objekts.
- Bevor sich Kaufinteressenten in eine Auktion setzen, raten Verbraucherschützer und Experten, sich umfassend vorab zu informieren.

Quelle: sächsisches Justizministerium

Quelle: MDR (kk)

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