Impfdebatte Kinderärzte in Sachsen uneins über Corona-Impfung bei Minderjährigen

Wie sinnvoll ist es, Kinder und Jugendliche gegen das Coronavirus zu impfen? Angesichts der Tatsache, dass es bei ihnen selten schwere Krankheitsverläufe gibt, sind sich hier Kinder- und Jugendärzte uneins.

Jugendlicher 14 Jahre alt vor Impfung
Bisher wird in Deutschland eine Corona-Schutzimpfung nur bei Kindern mit Vorerkrankungen empfohlen. Bildrechte: imago images/Sven Simon

Die Kinder- und Jugendärzte in Sachsen sind sich bei Corona-Schutzimpfungen für Zwölf- bis 15-Jährige uneins. Landesverbandschef Stefan Mertens sagte MDR SACHSEN am Dienstag, eine Gruppe der Ärzte wartete darauf, dass die Impfung als Standard für alle empfohlen werde. Die andere hielte sich dagegen sehr zurück. Mertens wies darauf hin, dass die Pandemie auch für Mediziner etwas vollkommen Neues sei und ebenso auch die Impfstoffe, die entwickelt wurden.

Nutzen und Risiko einer Impfung abwägen

Wie viele Kinder- und Jugendärzte in Sachsen keine Corona-Schutzimpfungen vornehmen würden, konnte der Verbandschef nicht sagen. Mertens betonte, wichtig sei jetzt, alle weltweit vorhandenen Daten zusammenzutragen, um Nutzen und Risiko von Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen abzuwägen.

Es ist richtig, dass erst einmal nur die chronisch Kranken und die Kinder mit definierten Risikofaktoren geimpft werden sollen, aber nicht alle gesunden Kinder.

Stefan Mertens Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

Selten schwere Krankheitsverläufe

Ein ausschlaggebender Punkt bei der Zurückhaltung, Minderjährige gegen das Coronavirus zu impfen, sei der leichte Krankheitsverlauf bei ihnen, erklärt der Dresdner Kinderarzt Robert Döllmann. "Ich hatte viele Kinder zwischen 12 und 14 Jahren, die positiv auf Sars-Cov2 getestet wurden. Wenige von ihnen sind leicht an Covid-19 erkrankt, fast keines schwer." Jedoch könnten bei Impfungen in dieser Altersklasse schwerwiegende Nebenwirkungen, wie Entzündungen am Herzen, auftreten und schienen häufiger vorzukommen, als bei älteren Patienten, so Döllmann. Der Kinderarzt betont, dass die Corona-Impfung generell einen hervorragenden Schutz biete und für ältere Menschen eine sinnvolle Impfung sei. Bei Kindern sei hingegen im Einzelfall zu entscheiden.

Elternwünsche und Stiko-Empfehlung

Landesverbandschef Mertens sagt, dass er bei seinen jungen Patienten besonders ausführlich über das Risikopotenzial und die Nebenwirkungen einer Corona-Impfung aufkläre. Er akzeptiere sowohl, wenn die Eltern eine Impfung ihrer Kinder ablehnten, als auch das Bestehen auf einer Impfung. Deutschlands Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Corona-Schutzimpfung bei Kindern nur, wenn eine Vorerkrankung vorliegt.

Broschüre für die Impfkampagne 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 06.07.2021 19:00Uhr 01:45 min

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Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 27. Juli 2021 | 11:35 Uhr

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