Impfkommissionen Sachsen folgt eigener Empfehlung bei mRNA-Impfstoffen

Die Ständige Impfkommission des RKI empfiehlt mittlerweile einen sechswöchigen Abstand zur zweiten Impfung bei mRNA-Impfstoffen. In Sachsen wird trotzdem noch mit dreiwöchigem Abstand geimpft. Warum?

Eine ältere Frau bekommt in der Impfstation im städtischen Kulturhaus eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff verabreicht.
Die sächsische Impfkommission setzt darauf, schneller eine volle Immunisierung zu erreichen. Bildrechte: dpa

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (Stiko) empfiehlt die zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer oder Moderna) mittlerweile mit einem Abstand von sechs Wochen zur ersten Impfung. Im Epidemiologischen Bulletin begründet das Institut diese Empfehlung so: "Dadurch wird die beste Balance zwischen einem sehr guten Individualschutz und einem optimalen Bevölkerungsschutz erreicht und das Risiko für nicht-intendierte Effekte minimiert." Weil nicht so schnell eine zweite Dosis des Impfstoffs gebraucht wird, können schneller mehr Menschen eine erste Impfung erhalten, die auch bereits einen ersten Schutz bieten kann.

Sächsische Impfkommission veröffentlicht eigene Empfehlungen

In Sachsen wird diese Empfehlung hingegen nicht berücksichtigt. Die eigene sächsische Impfkommission setzt weiterhin auf den geringeren Abstand von drei bzw. vier Wochen (Biontech/Pfizer: 21 Tage, Moderna: 28 Tage), um eine schnellere volle Immunisierung gegen das Coronavirus zu erhalten. Dabei beruft sich die Kommission auf Daten aus Israel.

Diese würden zeigen, dass die wesentlichen Effekte der Verhinderung schwerer Erkrankungen und auch von Todesfällen bei den über 60-Jährigen erst etwa ein bis zwei Wochen nach der zweiten Impfung wirksam geworden seien. Der Effekt insbesondere für Risikopatienten seien durch eine schnelle komplette Immunisierung günstiger, teilte das sächsische Sozialministerium auf Anfrage von MDR AKTUELL mit.

Besonders in Pflegeheimen gab es zwischen erster und zweiter Impfung zu Beginn der Impfkampagne noch Corona-Ausbrüche – einige davon verliefen für die Bewohnerinnen und Bewohner tödlich.

Doch den meisten Pflegeeinrichtungen ist mittlerweile ein Impfangebot durch die mobilen Impfteams gemacht worden. Für die sächsische Impfkommission reicht das allerdings nicht aus, um die Empfehlung zu ändern. Sie weist auf die weiteren Risikogruppen hin, die in die Priorisierungsgruppe 2 fallen. "Wir bleiben dabei, um schnellstmöglich den bestmöglichen Schutz zu bieten."

Sachsen ist bei Erstimpfungen Schlusslicht

Sachsen steht im Impfmonitoring bei der Zahl der Zweitimpfungen gut da (397.440), bei den Erstimpfung hingegen hängt der Freistaat zurück (1.000.144, das sind 24,4 je 100 Einwohner) und liegt bundesweit prozentual sogar auf dem letzten Platz. (Quelle: RKI-Impfmonitoring, Freitag, 30.4.21, 15:30 Uhr) Die 7-Tage-Inzidenz liegt bundesweit mit 239 dort am höchsten. (Quelle: Risklayer, Freitag, 30.04.21)

Warum wird die Strategie also nicht an die Empfehlung des RKI angepasst, die es auf schnellere Erstimpfungen anlegt? "Weil sie durch keine Daten belegt ist. Inzidenzen sind auch in den Bundesländern hoch, die eine andere Impfstrategie verfolgen", antwortet das sächsische Sozialministerium knapp. Das RKI kommentiert die Empfehlung der sächsischen Impfkommission auf Anfrage nicht. Die beiden Kommissionen sprechen unabhängig voneinander Empfehlungen aus.

Empfehlungen für Astrazeneca bleiben gleich

Bei der Empfehlung zum Astrazeneca-Impfstoff sind sich beide Kommissionen einig. Hier wird nach zwölf Wochen die zweite Impfung verabreicht. "Dieser Abstand ist aus den Daten zu Vaxzevria erwachsen, die aus Großbritannien vorliegen, die klar zeigen, dass ein Intervall von zwölf Wochen bei diesem Impfstoff die beste Immunität hinterlässt," heißt es dazu aus dem sächsischen Sozialministerium.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. April 2021 | 06:00 Uhr

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