Booster-Impfung Mobile Impfteams in Sachsen am Limit

Verwirrung herrscht zur Zeit bei den Corona-Booster-Impfungen. Die Ständige Impfkomission STIKO empfiehlt sie für über 70-Jährige. In Sachsen hat die Sächsische Impfkomission SIKO allen Menschen ab 18 Jahren eine dritte Impfung empfohlen. Die Impfteams können den Andrang kaum bewältigen, arbeiten über die Belastungsgrenze hinweg, Hausärzte stöhnen auch. Ein Stimmungsbild aus Südwestsachsen.

Vor einer Sporthalle stehen Menschen in einer langen Schlange an.
Vor dem improvisierten Impfzentrum in einer Sporthalle hat sich eine lange Warteschlange gebildet. Die Impfteams des DRK kennen solche Szenen in ganz Sachsen. Bildrechte: MDR

Nach Bekanntwerden der Einschränkungen für Nicht-Geimpfte durch die neue Sächsische Corona-Schutzverordnung haben sich in der vergangenen Woche offenbar viele Menschen dafür entschieden, sich gegen Corona impfen zu lassen. So sieht es der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes in Sachsen, Kai Kranich, der von einer dynamischen Lage seit Beginn der vergangenen Woche spricht. Viele Menschen seien durch die steigenden Inzidenzen im Land wachgerüttelt worden. "Die Gruppe dieser 'Erstimpfwilligen' ist leicht gestiegen. Das sind in Sachsen etwa 1.000 Personen am Tag."

Impfteams stocken Impfungen auf

Der Run auf die 30 mobilen Impfteams sei vorige Woche Dienstag richtig losgegangen. Dieser Trend habe sich in der gesamten Vorwoche fortgesetzt. Die Teams seien flächendeckend über ihre Kapazitätsgrenze hinaus im Einsatz. Man habe insgesamt 3.000 Impfungen pro Tag geplant, am vergangenen Sonnabend seien es 4.500 gewesen, sagt Kranich.

An machen Standorten waren wir so überlastet, dass wir Menschen wegschicken mussten.

Kai Kranich Sprecher des DRK Sachsen

Die meisten wollen dritte Impfung

"Aber die weitaus größere Gruppe, die auch für diese Dynamik gesorgt hat, sind Menschen, die sich eine Auffrischungsimpfung holen", sagt Kranich. "Das hat dazu geführt, wie jetzt am Wochenende geschehen, dass wir bis zu 4.500 Impfungen pro Tag mit den mobilen Teams durchführen."

Kai Kranich, der Pressesprecher des DRK, steht mit Maske vor einer Sporthalle.
Kai Kranich, der Pressesprecher des DRK: "Wir mussten Menschen wegschicken." Bildrechte: MDR

Warten im Nieselregen in Eppendorf

Drei Stunden lang wartete ein älterer Mann aus Augustusburg am Montagmorgen auf seine Boosterimpfung. Falsch gelieferte Kanülen veursachten erst Verzögerungen. Für den Impfwilligen hat sich das Warten trotzdem gelohnt, denn er war bereits in Chemnitz und Hartha von Impfteams weggeschickt worden, weil kein Impfstoff mehr übrig war, erzählt er MDR SACHSEN. "Wenn das die Impfaktivitäten für den Freistaat sind, dann sollte man sich das alles sparen, um die Leute zu einer Impfung zu bewegen," schimpft er.

Viele, vor allem ältere Leute, wollen eine Auffrischungsimpfung. Der überwiegende Teil der Impfungen sind Boosterimpfungen", bestätigt Mandy Seeger vom Impfteam, das gerade in Eppendorf arbeitet: "Der Ansturm ist sehr groß und kaum zu bewältigen. Es wäre besser gewesen, wenn die Impfzentren noch geöffnet hätten", findet sie.

Für den Termin in Eppendorf hat das Impf-Team 120 Biontech-Impfdosen zur Verfügung. Damit kommt der eine Impfarzt an seine Belastungsgrenze, denn mit dem Pieks allein ist es nicht getan. Hinzu kommen die Aufklärungsgespräche vorher und jede Menge Bürokratie.

Eine Menschenschlange vor einem Flachbau.
Warten im Nieselregen: Die mobilen Impfteams müssen mit großer Nachfrage umgehen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Augustusburg: Arztpraxen werden überrannt

Auch die Arztpraxen werden jetzt überlaufen, sagt die Augustusburger Allgemeinmedizinerin Susanne Steinert. "Es war mal eine Zeit, da haben sich nicht so viele impfen lassen. Wir haben zwar durchgängig geimpft, aber seit einer Woche gibt es wirklich eine hohe Nachfrage." Darunter seien Drittimpfungen, aber auch Erstimpfungen. "Terminvergabe ist erst wieder im Dezember möglich, weil wir so viele Anfragen haben."

Wartelisten im Vogtland

Auch der Allgemeinarzt Eckehardt Taubner aus dem vogtländischen Adorf steht vor diesem Problem. "Wir haben an manchen Tagen 40 bis 50 Anfragen. Wir impfen an drei Tagen in der Woche und schaffen 18 Impfungen am Tag." Daher gebe es Wartelisten. Die Impfwilligen würden angerufen, wenn ein Termin frei sei. "Es rennt uns aber niemand die Tür ein. Wenn die Leute eine Woche warten müssen, dann warten sie auch."

Impfteams nur unterstützend - Hausärzte am Zug

DRK-Sprecher Kai Kranich ist davon überzeugt, dass die Auffrischungsimpfungen der richtige Weg sind. "Trotzdem sind wir von dem enormen Andrang überrascht worden." Er sieht die tragende Rolle bei der Impfkamagne bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. "Das ist sowohl von den Vertretern der Ärzteschaft, als auch von der politischen Ebene so gewollt. Die 30 mobilen Teams können das nur unterstützen." Das DRK sei mit dem Freistaat im Gespräch, in wieweit es die Rolle noch übernehmen könne.

Noch im September hatten Hausärzteverbände in Mitteldeutschland zur Geduld bei Boosterimpfungen aufgerufen und das Vorpreschen der Politik bei diesem Thema scharf kritisiert.

In einer Gaststätte stehen Menschen mit Maske und warten.
Das DRK sieht die Arbeit der mobilen Impfteams nur als Unterstützung der aktuellen Impfkampagne. Mehrere Ärzteverbände drängten darauf, dass Hausärzte das Impfen übernehmen und Impfzentren geschlossen wurden. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Quelle: MDR/tfr/mw/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 08. November 2021 | 19:00 Uhr

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