Automobilindustrie Volkswagen-Standorte in Sachsen auf dem Weg zur 35-Stunden-Woche

Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung erhalten die VW-Beschäftigten in Sachsen eine Perspektive für gleiche Arbeitsbedingungen wie im Westen. Die VW Sachsen GmbH wird bis 2027 in die VW AG überführt. Das bedeutet unter anderem eine schrittweise Absenkung der Wochenarbeitsstunden von 38 Stunden auf 35 Stunden.

Blick auf das Werk von Volkswagen Sachsen in Zwickau.
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Volkswagen holt seine drei sächsischen Standorte Zwickau, Chemnitz und Dresden vollständig unter das Dach der VW AG. Die Eingliederung in den Mutterkonzern soll bis 2027 in drei Schritten erfolgen. Am Ende soll die VW Sachsen GmbH aufgelöst werden.

Schrittweise Angleichung bis 2027

Für die rund 10.000 Beschäftigten bedeutet das, dass für sie künftig der Haustarifvertrag des Autoherstellers gilt und damit unter anderem eine kürzere Wochenarbeitszeit. Aktuell ist die Arbeitszeit an den sächsischen Standorten höher als in westdeutschen Werken wie Wolfsburg, Hannover, Kassel, Braunschweig, Salzgitter oder Emden. Schrittweise soll die Arbeitszeit von 38 auf 35 Wochenarbeitsstunden sinken, erstmals 2022 auf 37 Stunden und dann alle zwei Jahre jeweils um eine weitere Stunde. VW-Personalvorstand Gunnar Kilian sprach von einem konsequenten Schritt.

Die Kolleginnen und Kollegen in Sachsen leisten einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Volkswagen-Konzerns - nicht zuletzt durch die erfolgreiche Transformation von Zwickau und unserem weltweiten Leitwerk für E-Mobilität. Das schrittweise Schließen der Tariflücke zwischen Ost und West [...] ist nur konsequent.

Gunnar Kilian VW-Personalvorstand

Auch bei weiteren Regelungen sollen die Beschäftigten an den sächsischen Standorten gleichgestellt werden, unter anderem bei der betrieblichen Altersversorgung sowie bei Urlaubs- und Jubiläumsregelungen. Das Monatsgrundentgelt verändert sich laut Volkswagen aber durch die Absenkung der tariflichen Wochenarbeitszeit nicht. Die Übernahme der wesentlichen Vereinbarungen des Tarifabschlusses 2021 der Volkswagen AG wurden auch für die Beschäftigten der heutigen Volkswagen Sachsen GmbH bestätigt. Damit steigen die Monatsentgelte zum 1. Januar 2022 auch an den sächsischen Standorten um 2,3 Prozent. Die örtliche IG Metall in Zwickau hätte eine Lösung über den Flächentarifvertrag der Metall- und Elektrobranche vorgezogen, erklärte sie Ende vorigen Jahres.

Produktivität soll um 30 Prozent gesteigert werden

Jens Rothe, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates und des Betriebsrates des Fahrzeugwerkes Zwickau, sieht die Eingliederung als großen Erfolg für die Belegschaft. Die Angleichung der Löhne sei für die Beschäftigten und die Gewerkschaft schon immer ein Thema gewesen. "Die Kolleginnen und Kollegen können sich über einen guten Tarifvertrag freuen", so Rothe.

Der Geschäftsführer Personal und Organisation der Volkswagen Sachsen GmbH, Dirk Coers, erklärte, die Arbeitszeitverkürzung solle durch "standortbezogene Kompensationsmaßnahmen" ausgeglichen werden. Coers sprach von einer Produktivitätssteigerung bis zu 30 Prozent. Das sei notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Und er versicherte, dass die Umstrukturierungen keine Auswirkungen auf die Gewerbesteuereinnahmen der Städte Zwickau, Dresden und Chemnitz haben werden.

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Quelle: MDR/al/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten | 12. Mai 2021 | 15:30 Uhr

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