Konzept für Nationalpark Landesregierung will in Sächsischer Schweiz Tourismus mit Naturschutz in Einklang bringen

Die Sächsische Schweiz wird in den Sommermonaten von Touristen teilweise überrannt. Der Region macht aber auch der Klimawandel zu schaffen. Weil darunter auch geschützte Tier-und Pflanzenarten leiden, hat das Umweltministerium ein Konzept erstellt, das Naturschutz und Tourismus in Einklang bringen soll. Die Landesregierung hat sich bei einem Treffen auf der Bastei mit dem Thema befasst.

Michael Kretschmer (CDU, r.), Ministerpräsident von Sachsen, Wolfram Günther (Bündnis90/Die Grünen, l.), Umweltminister von Sachsen, und Ulf Zimmermann, Chef des Nationalparks Sächsische Schweiz, stehen vor Beginn der auswärtigen Kabinettssitzung auf der Bastei.
Umweltminister Wolfram Günther (li.) auf der Bastei im Gespräch mit dem Leiter des Nationalparks, Ulf Zimmermann, und Regierungschef Michael Kretschmer. Bildrechte: dpa

Sachsen will den Tourismus im Elbsandsteingebirge noch mehr im Einklang mit dem Naturschutz entwickeln. Das kündigte Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) nach einer Kabinettssitzung auf der Bastei in Rathen an. Das 400 Kilometer lange Wegenetz der Sächsischen Schweiz soll demnach erhalten bleiben. Man wollen unter anderem auch erreichen, dass der Weg zum Großen Zschand wieder geöffnet werden kann.

Wegen des starken Borkenkäferbefalls mussten Wanderwege seit 2019 immer wieder gesperrt werden. Laut Umweltministerium waren Ende April 2022 noch rund 25 Kilometer Wanderwege im Nationalpark infolge umgestürzter Bäume unpassierbar oder gesperrt, also ein Anteil von knapp 6,5 Prozent. Dieser Anteil nehme aktuell weiter ab, hieß es.

Der Nationalpark Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge. 6 min
Der Nationalpark Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR um 4 Mi 06.10.2021 16:00Uhr 06:10 min

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Der Nationalpark Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge. 6 min
Der Nationalpark Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Bei der letzten Besucherzählung im Jahr 2008 wurden 3,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer erfasst. Ulf Zimmermann, Chef der Nationalparkverwaltung, geht davon aus, dass es inzwischen viel mehr Besucher sind. Zudem habe sich ihr Verhalten geändert. Manche Gäste würden schon vor Sonnenaufgang anreisen und auch viel länger in der Natur bleiben. Das alles stelle die Parkverwaltung vor große Herausforderungen. Laut Zimmermann sind mehr Park-Ranger erforderlich, um den Ansturm zu bewältigen. Vielbegangene Wege - wie der von Rathen zum Basteifelsen - würden im Monat von etwa 35.000 Menschen genutzt.

Besucher sollen mit smarter Technik gelenkt werden

Mit einer effektiven Verkehrslenkung sollen die Besucherströme besser verteilt werden. Dabei will der Freistaat auch auf moderne Technik setzen, etwa Sensoren, die die Belegung von Parkplätzen anzeigen und Alternativen aufzeigen. Umweltminister Günther erklärte, es gehe um einen Nationalpark, in dem Natur und Tiere geschützt werden sollen. Man müsse aber feststellen, dass Felsenbrüter wie Wanderfalke und Schwarzstorch sich ausgerechnet in der Schutzregion nicht positiv entwickelten. Das habe etwas mit dem hohen Besucheraufkommen zu tun. Deshalb gelte es, bestimmte Dinge strategisch neu auszurichten.

Hier müssen wir eine neue Balance zwischen Naturschutz und Tourismus finden.

Wolfram Günther (Grüne) Umweltminister in Sachsen

Die marode Baude auf dem Großen Winterberg und das Alte Zeughaus will der Freistaat als neuer Eigentümer sanieren und dann Betreiber für eine Nutzung suchen. Beim Großen Winterberg stehe man bereits wieder im Grundbuch, beim Zeughaus sei man auf einem guten Weg, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er gehe davon aus, dass dort später keine 5-Sterne-Luxushotels entstehen. Es gehe zunächst darum, den Bestand zu sichern, die Gebäude zu sanieren und dann einen Betreiber für eine wirtschaftliche Nutzung zu finden.

Wanderung zur Bastei im Regen

Sachsens Regierung hatte am Morgen die Wanderstiefel geschnürt und zur wöchentlichen Sitzung erst einmal Höhenmeter zurückgelegt. Dabei präsentierte sich das Kabinett ganz in Grün - eine Folge der Witterung. Denn als die Wandergruppe am Morgen rund um Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) in Rathen im Elbsandsteingebirge aufbrach, regnete es in Strömen. Deshalb hüllten sich der Ministerpräsident und seine Minister in grüne Regenjacken mit der Aufschrift "So geht sächsisch" - dem Slogan der Werbekampagne des Freistaates.

Michael Kretschmer (CDU, 2.v.l.), Ministerpräsident von Sachsen steht mit Ulf Zimmermann (l-r), Chef des Nationalparks Sächsische Schweiz, Wolfram Günther (Bündnis90/Die Grünen), Umweltminister von Sachsen, Armin Schuster (CDU), Innenminister in Sachsen, Thomas Popp, Amtschef der Sächsischen Staatskanzlei, Barbara Klepsch (CDU), Ministerin für Kultur und Tourismus in Sachsen, Sebastian Gemkow (CDU), Wissenschaftsminister von Sachsen, Thomas Kralinski, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Dagmar Neukirch, Staatssekretärin im Sozialministerium, stehen vor Beginn der auswärtigen Kabinettssitzung auf der Bastei im Nationalpark Sächsische Schweiz auf der Basteibrücke.
Mitglieder des sächsischen Kabinetts erklommen zum Auftakt des Treffens mit Nationalparkleiter Ulf Zimmermann (li.) die Bastei. Bildrechte: dpa

Ulf Zimmermann, Leiter der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz, diente als Wanderführer und lieferte Informationen zum Wald und zu Problemen wie dem Borkenkäfer. Geschlossen war das Kabinett allerdings nicht unterwegs, mehrere Minister fehlten. Die SPD war auf Ministerebene gar nicht vertreten, Sozialministerin Petra Köpping und Wirtschaftsminister Martin Dulig fehlten wegen Auslandsreisen.

Boofen in der Sächsischen Schweiz 5 min
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MDR AKTUELL Mi 11.05.2022 16:48Uhr 04:50 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 17. Mai 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

peter1 vor 5 Wochen

Ich wandre ja so gerne, mit Michi durch das Land..........!
Sagenhaft, wie viele Ministerinnen und Minister wir haben. Den Großteil haben wir noch garnicht gesehen!!!

Reuter4774 vor 5 Wochen

Dann wäre es ja mal Zeit sich zu bilden? Ist immerhin auch ihre ( gewählte) Landesregierung.

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