Kirchenaustritte Kirchen in Sachsen verlieren weiter Mitglieder

In Frankfurt am Main beginnt an Himmelfahrt der 3. Ökumenische Kirchentag. Die meisten Veranstaltungen finden allerdings nicht vor Ort, sondern digital statt. Thema ist unter anderem der Mitgliederschwund der Kirchen. Wie sieht es in Sachsen aus?

Eine Wartenummer für den Antrag auf den Austritt aus der Kirche.
Die Kirchen in Sachsen verlieren seit Jahren Mitglieder durch Austritte. Bildrechte: dpa

Allein das Bistum Dresden-Meißen mit seinen gerade einmal gut 140.000 Mitgliedern zählte 2019 fast 2.200 Kirchenaustritte. Das sind prozentual gesehen sogar mehr als in großen Bistümern wie Köln oder Freiburg. Für das Jahr 2020 liegen zwar noch keine Zahlen vor. Aber der Trend setze sich fort, sagte der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, MDR SACHSEN. "Wir werden auch hier, da gibt es einige Anzeichen, höhere Austrittszahlen haben". Das sei sehr bedauerlich. Ein Grund sei auch der Skandal um den Kölner Kardinal Woelki, der ein Gutachten zu sexuellem Missbrauch in der Kirche zurückhielt.

Heinrich Timmerevers, 2016
Bildrechte: imago images / epd

Ich glaube, die Fragen, die heute virulent sind, das, was man uns auch gerade mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs also auch vorhalten kann, da müssen wir sehr konsequent dran arbeiten, Aufarbeitung, Aufklärung. Dass wir uns vor diesem Thema nicht wegducken.

Heinrich Timmerevers Bischof des Bistums Dresden-Meißen

Weniger Austritte 2020 in evangelischer Kirche - auch weniger Kirchensteuer

Auch die evangelisch-lutherische Landeskirche in Sachsen verliert jedes Jahr rund 7.000 Mitglieder durch Austritte. Dazu kommen um die 13.000 Verstorbenen, bei immer weniger Taufen und Konfirmationen. Im Corona-Jahr 2020 sind in ganz Deutschland immerhin deutlich weniger Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten als im Jahr zuvor. Nach vorläufigen Zahlen hätten zehn bis 20 Prozent weniger Mitglieder der Kirche den Rücken gekehrt, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm.

"Vielleicht ist es tatsächlich so, dass viele Menschen so ein Gefühl hatten: In dieser Pandemie ist es doch ein Glück, dass wir die Kirche mit allen ihren Einrichtungen haben, so fehlbar sie auch sein mag." Die Kirchensteuereinnahmen seien aufgrund der niedrigeren Einkommen in der Corona-Krise allerdings deutlich geringer ausgefallen. Ob der bundesweite Trend auch für Sachsen gilt, ist noch unklar. Im Juni sollen die Zahlen zu den Kirchenaustritten für 2020 veröffentlicht werden.

Quelle: MDR/kb/wn/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 13. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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