Arbeitskampf Kitastreiks in Sachsen sorgen für Einschränkungen

Oma, Tante, Babysitter? Eltern in Dresden, Leipzig, Freital und Chemnitz mussten sich kurz vor Ostern nach einer alternativen Kinderbetreuung umsehen. Am Gründonnerstag sind die Erzieherinnen und Erzieher der städtischen Kitas in den Streik getreten.

Zwei kleine Kinder stehen an der Tür eines wegen Streik geschlossenen Kindergartens
Am Gründonnerstag wird in den städtischen Kitas in Dresden, Freital und Chemnitz gestreikt. Bildrechte: dpa

In mehreren sächsischen Städten haben am Donnerstag Beschäftigte der städtischen Kitas gestreikt. Zu dem ganztägigen Warnstreik in Chemnitz, Dresden, Leipzig und Freital hatten die Gewerkschaft Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aufgerufen. Sie verlangen für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst verbesserte Arbeitsbedingungen, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und mehr Gehalt.

Die Arbeitsverdichtung sei enorm, sagte Verdi-Bezirksgeschäftsführer Daniel Herold. "Wenn Vorbereitungszeit pädagogischer Arbeit als Freizeitaktivität abgetan wird, ist das eine Provokation, auf die wir antworten müssen", so Herold.

Keine Notbetreuung in Dresden möglich

In Dresden konnten sich Eltern anhand einer Übersicht im Internet darüber informieren, welche Betreuungseinrichtungen betroffen sind. Zusätzlich war seit 6 Uhr eine Telefonhotline (0351/4885111) geschaltet.

Wegen der momentanen Infektionslage könne keine Notbetreuung angeboten werden, teilte die Verwaltung schon vorher mit. Stattdessen sollten Kitas öffnen, sobald pädagogische Fachkräfte, die nicht dem Streikaufruf folgen wollten, für die Betreuung der Kinder zur Verfügung stehen. Für die ausgefallene Betreuung werde automatisch ein Teil des Elternbeitrages zurückerstattet.

Alle Einrichtungen in Leipzig ohne Notbetreuung

Auch in Leipzig gab es am Donnerstag keine Notbetreuung während des Warnstreiks. Welche Kitas und Horte vom Streik betroffen sind, werde auf einer Übersicht im Internet veröffentlicht, teilte die Stadt auf Anfrage mit.

Keine Schließungen in Chemnitz

Die Stadtverwaltung Chemnitz hatte am Montagnachmittag mitgeteilt, dass es wegen der Streiks keine Schließungen geben werde. "Die kommunalen Kindertageseinrichtungen bleiben trotz des angekündigten Warnstreiks geöffnet", hieß es. "Sollten Beschäftigte aus kommunalen Kindertageseinrichtungen an dem Warnstreik teilnehmen und dies zu Einschränkungen in der Betreuung der Kinder führen, werden die Eltern durch die jeweilige Einrichtung informiert."

Gezerre um neuen Tarifabschluss

Kinder basteln in einer Kita
Erzieherinnen sind mehr als "Basteltanten", betont die GEW. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Seit Ende Februar handeln die Gewerkschaften mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) einen neuen Tarifvertrag im Sozial- und Erziehungsdienst aus. Laut Uschi Kruse, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, ist in der zweiten Verhandlungsrunde im März von Arbeitgeberseite kein Angebot unterbreitet worden. Mit Warnstreiks wolle man daher den eigenen Forderungen Nachdruck verleihen.

Erzieherinnen und Erzieher sind keine Basteltanten, sondern leisten wertvolle pädagogische Arbeit, die entsprechend anerkannt werden muss.

Uschi Kruse Landesvorsitzende GEW

Für Kruse ist ein guter Tarifabschluss sehr wichtig: Erzieherinnen und Erzieher seien keine Basteltanten, sondern leisteten wertvolle pädagogische Arbeit, erläuterte die Landesvorsitzende.

Arbeitgeber wollen Einigung am Verhandlungstisch

Die Arbeitgeberseite reagierte mit Unverständnis auf die Streikankündigung. In den ersten beiden Verhandlungsrunden habe man sich darauf geeinigt, konkrete Vorschläge zu erarbeiten, um sie in der dritten Runde Mitte Mai zu besprechen, teilte eine Sprecherin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände auf Anfrage von MDR SACHSEN mit.

Eine Einigung lasse sich nicht mit heißer Nadel stricken. "Für uns ist es jedoch nicht nachvollziehbar, dass die Gewerkschaften bereits nach nur einer Verhandlungsrunde am 8. März zu einem Warnstreik aufgerufen haben und jetzt erneut", so die Sprecherin. Die Gewerkschaften müssten sich fragen, ob der Streik angemessen sei, auch angesichts der Belastungen für die Eltern. Die VKA forderte die Gewerkschaften auf, auf die Streiks zu verzichten.

Wir sehen eine Lösung am Verhandlungstisch. Daher fordern wir die Gewerkschaften auf, den Arbeitskampf zu unterlassen und ihre Kraft besser in die Verhandlungen zu setzen statt in Mobilisierungs- und Akquisemaßnahmen zur Gewinnung weiterer Mitglieder.

Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA)

VKA Vorsitzender: "Streiks sind unsozial"

Die Kritik der VKA hat der Bautzener Landrat Michael Harig am Donnerstag erneuert. Die Warnstreiks seien unangebracht, sagte der VKA-Vorsitzende. Die Kommunen hätten gerade genug mit Corona und ukrainischen Flüchtlingen zu tun. Insofern sei der Streik unsozial.

Harig betonte, gerade im Osten könne sich der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst außerordentlich gut sehen lassen. Die Beschäftigten würden im Vergleich zur freien Wirtschaft angemessen und gut bezahlt. Harig verwies zudem darauf, dass einige der Gewerkschafts-Forderungen nicht Bestandteil von Tarifverträgen seien. Als Beispiele nannte er den Personalschlüssel und die Gruppengröße in den Kitas. Hier sei der Gesetzgeber gefragt und nicht die Tarifparteien.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 14. April 2022 | 05:30 Uhr

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