Krieg in der Ukraine Knapp 2.700 geflüchtete Ukrainer in Sachsens Notunterkünften

Je länger der Krieg in der Ukraine wütet, desto mehr Menschen befinden sich auf der Flucht. Viele von ihnen treffen auch in Sachsen ein. Um sie optimal aufnehmen und versorgen zu können, setzen sowohl Leipzig als auch Dresden auf ein sogenanntes Ankunfts- oder Ankommenszentrum. Unterdessen werden in Sachsens Landespolitik Stimmen laut, die eine bessere Verteilung der Geflüchteten sowie Geld vom Bund fordern.

In einer großen Sporthalle stehen zahlreiche Liegen zur Übernachtung.
Auch die Turnhalle des Ehrenfried-Walther-von-Tschirnhaus-Gymnasiums in der Dresdner Südvorstadt wurde am Freitag vom Sozialamt als Notunterkunft für Geflüchtete hergerichtet. Bildrechte: Tino Plunert

In den sächsischen Notunterkünften treffen immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine ein. Wie die Landesdirektion mitteilte, sind bis Sonnabend knapp 2.700 Ukrainerinnen und Ukrainer angekommen. Mittlerweile stammt den Angaben zufolge die Hälfe der Menschen in Sachsens Aufnahmeeinrichtungen aus der Ukraine. Aus anderen Ländern leben derzeit 2.673 Menschen in den Unterkünften.

Leipzig öffnet Messehalle für Geflüchtete

Um die große Zahl an Geflüchteten aufnehmen zu können, wurde in Leipzig am Sonnabend eine Halle der Messe als weiteres Quartier in Betrieb genommen. Laut Landesdirektion stehen dort zunächst 500 Plätze zur Verfügung, die in den nächsten Tagen auf 1.700 aufgestockt werden sollen. Betreiber der Notunterkunft ist das Deutsche Rote Kreuz. Die Messe wurde 2015 schon einmal als Erstankunftsort genutzt - damals für Asylsuchende aus dem Syrienkrieg.

Blick über den Messesee mit Durchgang auf das Congress Center Leipzig und die Glashalle
Auf dem Leipziger Messegelände steht Messehalle 4 für die Geflüchteten zur Verfügung. Bildrechte: Leipziger Messe/Grubitzsch

Bereits am Mittwoch war im Leipziger im Rathaus ein sogenanntes Ankommenszentrum eröffnet worden. Dort können sich die Geflüchteten registrieren lassen - jedoch nur rund 200 Menschen täglich. Die Stadt versuche, das Personal in dem Zentrum aufzustocken, hieß es. Leipzig rechnet nach eigenen Angaben mit 10.000 bis 12.000 Menschen aus der Ukraine, die in den nächsten Wochen eintreffen werden.

Ankunftszentrum in Dresden ab Dienstag startklar

Ähnlich wie in Leipzig soll es ab Dienstag auch in Dresden einen festen Anlaufpunkt für die Geflüchteten geben. Nach Informationen der Stadt wird dann auf der Dresdner Messe ein Ankunftszentrum öffnen. Es soll an einem Ort verschiedene Ämter, Ansprechpartner und Hilfsangebote bündeln. Unter anderem können sich die Menschen registrieren lassen, einen Gesundheitscheck machen und voraussichtlich auch Sozialleistungen beantragen.

In Dresden haben am Donnerstag die ersten Notunterkünfte für Geflüchtete aus der Ukraine ihre Arbeit aufgenommen. In der Turnhalle des Gymnasiums Bürgerwiese wurden 60 Menschen untergebracht, die mit dem Zug ankamen. Weitere drei Turnhallen stehen laut Stadt zur Verfügung. Insgesamt gibt es in den Notunterkünften aktuell eine Kapazität von 500 Plätzen. Allerdings mangele es an Feldbetten, da diese derzeit in ganz Deutschland gefragt sind, teilte die Stadtverwaltung mit.

335 Hotelbetten in Landeshauptstadt reserviert

Am Freitag sollten 400 Geflüchtete aus der sächsischen Erstaufnahmerichtung in Leipzig eintreffen, tatsächlich kamen nach Angaben der Stadt 312 in Dresden an. Da diese angemeldet waren, konnten sie schon in Hotels und angemieteten Wohnungen untergebracht werden. 45 Geflüchtete befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits dort. Insgesamt hat Dresden 335 Hotelbetten reserviert.

Roland Wöller (CDU), sitzt während der Kabinettspressekonferenz auf dem Podium.
Bildrechte: dpa

Die Verteilung der Flüchtlinge auf Landkreise und Kommunen muss organisiert werden. Darüber hinaus kommt es darauf an, dass wir die Dinge so organisieren, dass auch die anderen Bundesländer Flüchtlinge erhalten und vor allem auch die anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Roland Wöller sächsischer Innenminister

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) sagte, dass es bei den Kapazitäten derzeit im Freistaat noch einen Puffer gebe. Allerdings liefe dieser auch voll. "Deshalb muss am Montag die Verteilung der Flüchtlinge auf Landkreise und Kommunen organisiert werden. Darüber hinaus kommt es darauf an, dass wir die Dinge so organisieren, dass auch die anderen Bundesländer Flüchtlinge erhalten und vor allem auch die anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union." Diese Aspekte habe man mit der Bundesregierung bereits besprochen, so Wöller.

Kretschmer fordert finanzielle Hilfe vom Bund

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wünscht sich in dieser Frage zeitnah konkrete Ergebnisse: "Der Bund muss mehr tun. Wir haben uns gegenüber den sächsischen Kommunen bereit erklärt, als Freistaat Sachsen die Finanzen zu klären. Jetzt ist der Bund gefordert." Man sehe der Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche entgegen und werde dort eine hoffentlich klare Antwort erhalten, wie der Bund sich in dieser Weise engagiert, sagte Kretschmer, der sich darüber freut, wie aktiv die Menschen in Sachsen den Geflüchteten aus der Ukraine helfen.

MDR(sth/kw)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 12. März 2022 | 19:00 Uhr

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