Ukraine-Krieg Die Zahl der Geflüchteten sinkt langsam

Die Zahl der ankommenden Geflüchteten in Sachsen sinkt langsam. Die Lage bleibt jedoch dynamisch. Es gebe keine belastbaren Prognosen, erklären Städte und Landkreise auf Anfrage von MDR SACHSEN.

Frauen, Jugendliche und Kinder laufen mit Taschen und Koffern auf dem Hauptbahnhof Leipzig zur Registrierungsstelle. Es sind Flüchtlinge aus der Ukraine, die in Leipzig Schutz suchen und am 16.3. mir einem Sonderzug ab Görlitz ankamen.
Die Geflüchteten aus der Ukraine möchten oft lieber nach Leipzig und Dresden. Allein in diesen beiden Städten sind seit Beginn des Krieges etwa 10.000 Ukrainerinnen und Ukrainer gelandet. Aktuell hat sich der Ansturm jedoch etwas gelegt. Bildrechte: News5

Aktuell kommen weniger Flüchtlinge aus der Ukraine als im März. Dennoch bleibe die Lage dynamisch und nicht vorhersehbar. Das erklären Kommunen des Freistaats auf Anfrage von MDR SACHSEN. "Aktuell kommen weniger Schutzsuchende aus der Ukraine", hieß es von der Stadt Leipzig. Innerhalb weniger Wochen hätten sich in der Messestadt seit Beginn des Krieges etwa 5.200 Kriegsflüchtlinge registrieren lassen. "Es gibt keine belastbaren Prognosen, wie viele Menschen in den kommenden Wochen und Monaten nach Leipzig kommen.", erklärte die Stadt.

Etwa 4.800 Geflüchtete leben in Leipzig bei Privatpersonen

Die Hilfsbereitschaft bleibt weiter groß. Ein Großteil der ukrainischen Flüchtlinge - etwa 4.800 Menschen – sind in Leipzig in Privathaushalten aufgenommen worden. Den Angaben der Stadt zufolge leben die übrigen Ankommenden in Wohnungen und Gemeinschaftsunterkünften der Stadt. Doch nicht nur Geflüchtete aus der Ukraine bekommen in Leipzig Asyl und Schutz. Den Angaben zufolge sind neben 350 Ukrainerinnen und Ukrainern auch 320 Geflüchtete aus anderen Ländern vom Freistaat nach Leipzig verteilt worden.

Karte von Sachsen, daneben eine Tabelle
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Gibt es genug Wohnungen?

Doch gibt es überhaupt genug Wohnungen auf dem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt der Messestadt? "Schutzsuchende aus der Ukraine werden in Gemeinschaftsunterkünften und Gewährleistungswohnungen untergebracht. Darüber hinaus werden Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen für die Unterbringung von Schutzsuchenden genutzt", erklärte die Stadt Leipzig. Geflüchtete könnten zudem auch eigenständig eine Wohnung anmieten. Die Kosten dafür müssten nur angemessen sein, "wenn sie vom Sozialamt im Rahmen des Leistungsbezugs nach dem Asylbewerberleistungsgesetz übernommen werden sollen". Bei der Anmietung von Wohnungen unterstütze das Sozialamt und die Kontaktstelle Wohnen des Vereins "Zusammen e.V.". Eine Vermittlung in private Unterkünfte erfolge durch die Stadt Leipzig nicht.

Weniger Flüchtlinge auch im Landkreis Meißen

Weniger Flüchtlinge registriert auch der Landkreis Meißen. "Aktuell erreichen den Landkreis Meißen weniger Flüchtlinge aus der Ukraine als zu Beginn des Krieges", heißt es vom Landkreis auf Anfrage von MDR SACHSEN. "Die weitere Entwicklung der Flüchtlingszahlen ist abhängig von der politischen Lage und lässt sich nicht abschätzen. Gerade die dynamische Lage stellt dabei eine besondere Herausforderung dar."

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Knapp 1.800 Geflüchtete im Landkreis Meißen registriert

Den Angaben zufolge sind im Landkreis Meißen (Stand 11. April) 1.754 Flüchtlinge aus der Ukraine registriert. Deren Unterbringung erfolge in Wohnungen, Hotels und Pensionen. "Viele Geflüchtete wurden auch privat von Freunden, Bekannten und Verwandten aufgenommen", erklärte Anja Schmiedgen-Pietsch, Sprecherin des Landkreises. Etwa 700 Plätze für Geflüchtete in Wohnungen, Hotels und Pensionen seien aktuell in Vorbereitung. "Derzeit erfolgt vorrangig eine Ausstattung bereits angemieteter Wohnungen", sagte Schmiedgen-Pietsch.

Verzögerung bei Registrierungen

"Es ist eine sehr dynamische Lage und nicht absehbar, wie viele Geflüchtete aus der Ukraine bei uns ankommen werden", erklärte auch Peggy Hähnel, Sprecherin des Landkreises Mittelsachsen. Bislang seien etwa 1.600 Ukraine-Flüchtlinge privat untergekommen. Der Landkreis habe 92 Wohnungen mit 241 Plätzen zur Verfügung gestellt. In den nächsten Wochen würden je nach Bedarf weitere Kapazitäten geschaffen. "Aufgrund der Vielzahl der Fälle kommt es bei der Registrierung zu Verzögerungen", sagte Hähnel.

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Schnelle Unterbringung, Sprachkurse, Schulen und Kitas wichtig

"Die Anreise von Geflüchteten nimmt eher ab", schätzt Sarah Günther, Sprecherin im Landkreis Bautzen. Etwa 1.100 Ukrainerinnen und Ukrainer seien bislang in Wohnungen untergebracht worden, mittelfristig würden Wohnungen für etwa 5.000 Menschen vorbereitet. "Es ist wichtig, eine schnelle Unterbringung und schnelle Bearbeitung der Leistungsanträge zu gewährleisten", erklärte Sprecherin Günther. "Wichtig sind auch Sprachkurse sowie die Betreuung in Kitas und die Aufnahme der Kinder in Schulen, damit die Eltern auch eine Arbeit aufnehmen können." Insgesamt sind den Angaben zufolge 600 Geflüchtete aus der Ukraine im Landkreis Bautzen registriert worden. Insgesamt wird die Zahl der Geflüchteten jedoch auf 2.600 geschätzt.

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Etwa 1.700 registrierte Flüchtlinge im Erzgebirgskreis

"Gegenwärtig befinden sich etwa 1.700 Geflüchtete im Erzgebirgskreis, die sich in der Landkreisverwaltung angemeldet haben und erfasst wurden", erklärte Stefan Pechfelder, Sprecher im Erzgebirgskreis. Der überwiegende Teil sei von privaten Haushalten aufgenommen worden. "Gegenwärtig stehen im Landkreis zur Unterbringung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine ausreichend Plätze in Wohnungen zur Verfügung." Der Ausbau der Kapazitäten werde in Abhängigkeit weiterer Zuweisungen durch den Freistaat erfolgen.

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Vogtlandkreis prüft 500 Wohnungen

"Der Vogtlandkreis setzt auch im Bereich der aktuellen Fluchtbewegung auf das bewährte dezentrale Unterbringungsmodell", erklärt Uwe Heinl, Sprecher des Landkreises. Dies können entweder durch die Flüchtlinge selbst angemietete Wohnungen, Wohnungen bei Freunden, Bekannten und Ehrenamtlichen sowie durch den Landkreis angemietete Wohnungen sein. "Aktuell wurden bereits zusätzlich zum vorhandenen Wohnungsbestand nochmals etwa 100 Wohnungen angemietet. Weitere rund 500 Unterkünfte befinden sich im Prüfverfahren." Insgesamt sind den Angaben zufolge im gesamten Vogtlandkreis derzeit (Stand 11.04.) 1.707 Personen untergebracht, die im Zuge des Ukrainekonfliktes geflohen sind.

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Genug Wohnungen im Landkreis Leipzig

Im Landkreis Leipzig wurden zahlreiche freie Wohnungen gemeldet. "Vorerst besteht kein weiterer Bedarf", hieß es in einer Mitteilung. "Mithilfe zahlreicher Angebote aus dem gesamten Landkreis konnten die Unterbringungskapazitäten in Wohnungen stark ausgeweitet werden." Der Landkreis bedankte sich bei Wohnungsunternehmen, Kommunen und Vermieter. "Die Lage kann sich natürlich jederzeit ändern", hieß es weiter. Deshalb könnten freie Wohnungen gerne weiterhin im Ausländeramt gemeldet werden, es müsse nur damit gerechnet werden, dass diese später in Anspruch genommen würden.

Über 6.000 Geflüchtete aus der Ukraine in Dresden

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In Dresden sind nach Angaben der Stadt über 6.300 Geflüchtete untergebracht. Davon seien knapp 4.600 von Privathaushalten aufgenommen worden, knapp 1.700 lebten in kommunalen Unterkünften wie Hotels, Wohnheime, Wohnungen, Gemeinschaftsunterkünfte und in der Messe Dresden.

Viele Flüchtlinge wollen in die Stadt

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Die Mehrheit der Geflüchteten aus der Ukraine wollen in die die großen Städte und Ballungszentren. Weil Leipzig und Dresden nicht genug Platz haben, verteilt der Freistaat Sachsen Flüchtlinge auch auf die Landkreise. Niemand ist jedoch gezwungen auf das Land zu gehen. Die Ukraine-Geflüchteten können ihren Wohnort frei wählen.

Die genannten Zahlen stellen nur eine Momentaufnahme dar. Ein Teil der Geflüchteten ist zwar schon in einer Unterkunft, allerdings noch nicht amtlich registriert. Daher können Landkreise z.T. nur Schätzungen abgeben.

MDR (kt)/kt

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