Krieg in der Ukraine DRK bietet Impfungen für ukrainische Flüchtlinge

Tausende Menschen flüchten wegen des Ukraine-Krieges - auch nach Sachsen. Das DRK organisiert jetzt für sie eine Möglichkeit, sich mit den hier zugelassenen Impfstoffen impfen zu lassen.

Mit Gepäck gehen zwei Frauen durch eine Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete aus der Ukraine in Leipzig.
Geflüchtete aus der Ukraine laufen mit Gepäck durch die Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig Mockau. Sie können dort auch eine Corona-Impfung bekommen. Bildrechte: dpa

Geflüchtete aus der Ukraine können sich wie alle anderen Sachsen auch in den jeweiligen Corona-Impfstationen gegen eine mögliche Infektion impfen lassen. Darüber informierte Kai Kranich, Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes in Sachsen. Die Geflüchteten benötigten dafür lediglich ihren Ausweis und falls vorhanden ihre Impfunterlagen. Zudem sei es dem Sprecher zufolge hilfreich, einen Sprachmittler aus der Familie, dem Bekanntenkreis oder ehrenamtlichen Strukturen mitzubringen, falls die Sprachkenntnisse nicht ausreichen. "Damit können die medizinischen Einschätzungen und auch die Bedeutung der Impfung besser erläutert werden", sagte Kranich. Als Nachweis gebe es eine Ersatzbescheinigung.

Viele Geflüchtete mit russischem und chinesischem Vakzin geimpft

Nach Einschätzung der für die Aufnahme der Geflüchteten zuständigen Landesdirektion Sachsen sind viele Vertriebene aus der Ukraine nicht mit den in Europa zugelassenen Impfstoffen geimpft. "Die meisten Geflüchteten sind mit dem russischen und dem chinesischen Impfstoff geimpft", erklärte Regina Kraushaar, Präsidentin der Landesdirektion. Das Deutsche Rote Kreuz unterbreite jetzt dankenswerter Weise ein Impfangebot. In den Impfstellen und der Erstaufnahmeeinrichtung würden Mediziner dann über die jeweilige Notwendigkeit entscheiden.

Kein Impfstatus mit nicht zugelassenen Impfstoffen

Da sowohl der russische als auch der chinesische Impfstoff in Europa und konkret in Deutschland nicht zugelassen sind, verfügen die mit diesen Vakzinen geimpften Geflüchteten rein formal über keinen Impfstatus. Damit bleiben ihnen Zugänge zu Institutionen und Angeboten, die eine 3G-Regel verlangen, verwehrt. Laut DRK-Sprecher Kranich ist direkt in der Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig-Mockau jetzt eine mobiles Impfteam mit ehrenamtlichen Helfern vor Ort. Dort eintreffende Geflüchtete könnten somit direkt versorgt werden.

Blick auf die Asylbewerber-Aufnahmeeinrichtung Mockau III.
In der Erstaufnahmeeinrichtung für ukrainische Geflüchtete in Leipzig Mockau gibt es ein mobiles Impfteam für Corona-Impfungen. Bildrechte: dpa

Impfstoff ist ausreichend vorhanden.

Kai Kranich Sprecher DRK Sachsen

Auch Tuberkulose-Impfungen

Landesdirektionspräsident Kraushaar zufolge steht allen Geflüchteten eine medizinische Versorgung sowie eine medizinische Erstuntersuchung nach der Ankunft zu. "Bei Bedarf können wir auch gegen Masern und Tuberkulose nachimpfen." In der Ukraine und auch anderen osteuropäischen Ländern seien in den vergangenen Jahren wieder vermehrt Tuberkulose-Fälle gemeldet worden. Medienberichten zufolge sind diese auch auf die Ausbreitung sogenannter multiresistenter Erreger zurückzuführen, gegen die Antibiotika nur noch schwer oder gar nicht mehr wirken. "Insofern sind die Tuberkulin-Tests ganz wichtig", sagte Kraushaar. Mit Tuberkulin-Tests können vorangegangene oder gegenwärtige Tuberkulose-Infektionen erkannt werden. Tuberkulose ist eine meldepflichtige, durch Bakterien ausgelöste Lungenkrankheit.

Bislang kaum Corona-Fälle unter Geflüchteten

Landesdirektionschefin Kraushaar zufolge ist die Erstaufnahmeeinrichtung von Leipzig-Mockau bislang von Corona-Infektionen verschont geblieben. "Wir haben kaum Corona-Infektionen - darüber sind wir sehr froh", sagte Kraushaar. Mit den gültigen Quarantäneregeln würde dies die Aufnahmeeinrichtungen noch einmal vor ganz besondere Herausforderungen stellen.

Jeden Tag kommen hunderte Flüchtlinge

Jeden Tag kommen hunderte Flüchtlinge nach Sachsen. Überall wird Hilfe gebraucht - auch beim Übersetzen. Hilfsangebote von Übernachtungen bis Übersetzungen können auf dem Hilfeportal des Freistaats eingegeben werden. Diese sind laut Kraushaar eine riesige Hilfe und werden an die entsprechenden Kommunen weitergeleitet. Hilfe sucht aktuell auch die Bahnhofsmission Dresden beim Empfang und bei der Versorgung von Geflüchteten.

Viele kranke Kinder

"Jeden Tag kommen etwa vier bis fünf Züge mit Geflüchteten", erklärte eine Sprecherin der Bahnhofsmission. "Darunter sind viele kranke Kinder, kranke Erwachsene oder Menschen, denen schlichtweg sehr wichtige Medikamente wie Blutdrucksenker, Insulin oder andere Arzneimittel ausgegangen sind." Zu deren Versorgung werde dringend Hilfe benötigt. "Wir brauchen vor allem Krankenschwestern oder Krankenpfleger sowie Ärzte", sagte die Sprecherin. Die Einsatzzeiten wären in Schichten von 10 bis 21 Uhr. "Bei Ärzten würde uns schon eine Rufbereitschaft helfen, in der ein Arzt bei Bedarf eintreffen kann."

Ärzte und Krankenpfleger gesucht

Die Geflüchteten seien den Angaben zufolge erst nach der Registrierung krankenversichert. Natürlich sei die medizinische Versorgung im Notfall gewährleistet. "Wenn es sich nicht um einen Notfall, also der Gefahr für Leib und Seele handelt, haben wir keine Handhabe", sagte die Sprecherin. Dazu müsse es ja nicht kommen. Deswegen seien sie auf Hilfe von Krankenschwestern und Ärztinnen sowie Ärzten angewiesen.

Kontakt Bahnhofsmission Telefon 0351/ 45195990
Email: bahnhofsmission@diakonie-dresden.de

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 10. März 2022 | 15:50 Uhr

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