Krieg in Ukraine Krisenstäbe für Geflüchtete in Dresden und Leipzig nehmen Arbeit auf

Die Folgen des Krieges in der Ukraine zeigen sich auch in Sachsen. Zunehmend mehr Menschen erreichen den Freistaat und suchen hier Zuflucht. Um ihnen zielgerichtet helfen zu können, sind in Dresden und Leipzig jetzt Krisenstäbe eingerichtet worden.

Die Fahne der Ukraine weht vor dem Rathaus Dresden.
Aus Solidarität mit der Ukraine weht deren Flagge auch vor dem Dresdner Rathaus. Jetzt nimmt dort ein Krisenstab die Arbeit auf. Bildrechte: IMAGO / Steffen Kuttner

In Dresden und Leipzig haben Krisenstäbe ihre Arbeit aufgenommen, um die Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine zu koordinieren. "Wir spüren eine deutliche Zunahme an Menschen aus der Ukraine, die über ganz unterschiedliche Wege zu uns kommen. Diese herausfordernde Situation erfordert ein einheitliches strukturiertes Handeln. Deshalb habe ich entschieden, den Stab einzuberufen, der unter der Leitung des Ersten Bürgermeisters Detlef Sittel arbeitet", sagte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP).

Verschiedene Ämter in Krisenstab vertreten

Im Stab seien alle relevanten Ämter und Dienststellen der Stadtverwaltung vertreten. Man arbeite an vielen Stellen der Verwaltung mit Hochdruck, um die ankommenden Menschen gut zu versorgen und unterzubringen, sagte Bürgermeister Detlef Sittel (CDU). "Der Stab arbeitet eng mit den Hilfsorganisationen und ehrenamtlichen Initiativen zusammen. Wir sind sehr dankbar, dass wir auf eine so breite Welle der Hilfsbereitschaft aufbauen können", so Sittel.

Detlef Sittel (CDU), Erster Bürgermeister der Stadt Dresden
Detlef Sittel Bildrechte: dpa

Der Stab arbeitet eng mit den Hilfsorganisationen und ehrenamtlichen Initiativen zusammen. Wir sind sehr dankbar, dass wir auf eine so breite Welle der Hilfsbereitschaft aufbauen können.

Detlef Sittel Erster Bürgermeister der Stadt Dresden

400 Geflüchtete sollen Dresden am Freitag erreichen

Die Stadt will nach eigenen Angaben eine Infrastruktur etablieren, um die Geflüchteten registrieren und mit Erstinformationen versorgen zu können. Dieses Ankunftszentrum soll am Montag den Betrieb aufnehmen. Dirk Hilbert appellierte in dieser Situation an Land und Bund, damit diese die Städte bei ihrer Aufgabe finanziell unterstützen. "Die Städte und Gemeinden tragen in dieser Situation die Hauptlast“, sagte Hilbert.

Dresden habe bisher 45 Geflüchtete in Hotels und Wohnungen untergebracht, hieß es aus der Verwaltung. Am Freitag würden etwa 400 Menschen aus der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig erwartet. Zudem seien aktuell 335 Hotelbetten reserviert.

Notunterkunft in Turnhalle von Gymnasium Bürgerwiese

Auch die Dresdner Erstaufnahmeeinrichtungen in der Bremer Straße, in der Stauffenbergallee und im Hammerweg stünden zur Verfügung. Darüber hinaus ermöglichten Privatleute kurzfristige Unterbringungen. Als Notunterkunft stehe seit Donnerstag die Turnhalle des Gymnasiums Bürgerwiese bereit. Bei Bedarf könnten weitere drei Turnhallen genutzt werden.

Aktuell kommen die meisten Menschen am Dresdner Hauptbahnhof an. Sie erreichen die Landehauptstadt per Zug, per Fern-Bus, mit dem Pkw oder per privatem Hilfstransport. Einige wollen bleiben, andere wollen nur Luft holen und zu Verwandten in Deutschland oder Europa weiterreisen.

Leipzig richtet Krisenstab ein - Sprecher: "Nie dagewesene Situation"

Die Stadt Leipzig hat wegen des großen Zustroms von Ukraine-Geflüchteten ebenfalls am Donnerstag einen Krisenstab eingerichtet. Er solle helfen, die sich täglich verändernde Lage zu bewältigen, sagte Stadtsprecher Matthias Hasberg.

Die Stadt erlebe "eine noch nie dagewesene Situation". Leipzig rechne mit 10.000 bis 12.000 Menschen aus der Ukraine, die in den nächsten Wochen eintreffen werden. Die derzeit vorhandenen Unterkünfte seien so gut wie voll, sagte Hasberg. Die Stadt sei deshalb dabei, in der Veranstaltungshalle Arena Leipzig eine Notunterkunft einzurichten. Es werde auch versucht, Zimmer in Hostels und Hotels anzumieten. Als letzte Option blieben dann nur noch Turnhallen und Zelte.

Am Leipziger Hauptbahnhof kämen immer wieder Züge mit Ukrainerinnen und Ukrainern an. Darum richte die Feuerwehr einen "Hilfepunkt" ein, wo sich die Menschen aufhalten können und auch etwas zu essen oder zu trinken bekommen. Ebenso errichten die Johanniter nach MDR SACHSEN-Informationen ein "Empfangszentrum" mit Betten und einem Getränke- und Essensangebot.

Leipziger Ankommenszentrum für 200 Menschen am Tag

Es gehe darum, dass niemand auf dem Bahnsteig übernachten müsse, sagte Hasberg. Beim Ankommenszentrum, dass die Stadt am Mittwoch im Rathaus eröffnet hat, herrscht ein großer Andrang. Dort können sich die Geflüchteten registrieren lassen - jedoch nur rund 200 Menschen täglich. Die Stadt versuche, das Personal in dem Zentrum aufzustocken.

"Wir hoffen, dass wir damit hinkommen." Im Ankommenszentrum sollen Mitarbeiter von Jugend- und Sozialamt den Menschen bei Fragen zu Schule, Kita und Gesundheitsversorgung helfen. Das wäre woanders nicht möglich gewesen, so Hasberg. Das Zentrum sei auch eingerichtet worden, damit die Bürgerämter nicht überliefen. Zudem seien die ortsunkundigen Menschen anderswo schlecht zu erreichen.

Am Versorgungsstand an der Autobahn 4 gibt es Bratwurst und Pfannkuchen in den urkainischen Nationalfarben.
Am Versorgungsstand an der Autobahn 4 gibt es Bratwurst und Pfannkuchen in den urkainischen Nationalfarben. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

MDR(sth/mar)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 10. März 2022 | 18:30 Uhr

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