Arbeitsmarkt Sachsen auf Platz drei bei Langzeitarbeitslosigkeit

Mehr als 80.000 Menschen in Sachsen waren Ende 2020 erwerbsfähig aber arbeitslos. Über die Hälfte davon ist es bereits seit mindestens vier Jahren. Der Freistaat nimmt sich der Langzeitarbeitslosigkeit auf verschiedene Weisen an.

Ein Schild weist den Weg zur Agentur für Arbeit.
Sachsen ist auf Platz drei der langzeitarbeitslosen Menschen in Deutschland. Bildrechte: dpa

Nur Brandenburg und Sachsen-Anhalt schneiden noch schlechter ab: Über 80.000 Menschen waren Ende letzten Jahres in Sachsen erwerbsfähig aber arbeitslos. Sie können arbeiten, sind nicht gesundheitlich eingeschränkt oder stecken in Weiterbildungsmaßnahmen, aber erhielten die Grundsicherung – also Hartz IV. Der Großteil von ihnen, über 44.000, schon eine ganze Weile: nämlich vier Jahre oder länger.

Das ergab eine Recherche der langjährigen Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann: "Und da sehen wir ganz deutlich, dass sich Arbeitslosigkeit gerade im Hartz-IV-Bereich verfestigt." Vor allem Menschen, die 55 Jahre und älter sind, seien betroffen. "Das heißt, dass man hier die Menschen teilweise aufs Abstellgleis schiebt, obwohl sie arbeiten wollen. Es sind viele, die arbeiten möchten, aber einfach keinen Arbeitsplatz finden", erklärt Zimmermann weiter.

Arbeitslosenzahlen sind nicht neu

Das Thema ist nicht neu, bereits vor fünf Jahren schnitt Sachsen ähnlich schlecht im Bundestrend ab, hatte schon damals den dritthöchsten Wert. Während in Bayern und Baden-Württemberg weniger als 40 Prozent der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger die Leistungen seit mehr als vier Jahren erhalten, sind es in Sachsen mit 55 Prozent weit mehr. Zimmermann sieht daher auch eine Verantwortung bei der Landesregierung, das zu ändern: "Sachsen kann natürlich auch seinen Teil dazu beitragen und gerade im Bereich der Co-Finanzierung von öffentlich geförderter Beschäftigung mehr Geld in die Hand nehmen."

Geld für Langzeitsarbeitslose sei eben erst im Haushalt eingekürzt worden, sagt Zimmermann. Das hält die Linken-Politikerin für eine Fehlentscheidung. Vor allem mit dem Wissen, dass es durch die Corona-Pandemie mehr langzeiterwerbslose Menschen gebe.

Weiterhin Einkürzungen bei Langzeitarbeitslosigkeits-Maßnahmen

Konkret sind im sächsischen Doppelhaushalt die Zuschüsse für Maßnahmen zur Verringerung der Langzeitarbeitslosigkeit in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr um rund 4,6 Millionen Euro gekürzt worden. Im nächsten Jahr sollen dafür noch einmal 2,5 Millionen Euro weniger bereitgestellt werden.

Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Dulig sagt, die gemeinsamen Bemühungen zwischen Kommunen, Bund und anderen Ministerien habe die absolute Zahl der Arbeitslosen in Sachsen in den letzten Jahren senken können. Doch es bleibe ein fester Kern, vor allem bei den Langzeitarbeitslosen, die mit normalen Maßnahmen nicht erreichbar sei, sagt Dulig: "Die Gruppe, die langzeitarbeitslos und immer noch nicht vermittelt ist, hat vielfältigere Probleme, die nicht alleine nur durch Arbeitsmarktinstrumente zu beantworten sind." Da gehe es um einen ganzheitlichen Ansatz.

Individuelle Unterstützungsmöglichkeiten bieten

Dulig weißt darauf hin, dass die Unterstützungsmöglichkeiten besser auf die Person abgestimmt sein müssen, sodass "jemand seine Suchtproblematik genauso bearbeiten kann, wie jemand, der verschuldet ist, jemand der Probleme hat einen Tagesablauf zu finden. Das hat mit Arbeitsmarktprogramm erstmal nichts zu tun. Das sind eher individuelle Problemlagen, die ganzheitlich bearbeitet werden müssen."

Und ein weiteres Problem habe Sachsen. Alte Menschen seien schwieriger auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln – in einem Bundesland mit hohem Altersdurchschnitt wie Sachsen ein Problem, das auch der Wirtschaftsminister nicht ändern könne.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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