Lehrermangel ade? 80 Prozent der neuen Lehrerstellen in Sachsen sind besetzt

Schüler während einer Unterrichtsstunde.
Grundschülerinnen mit ihrer Lehrerin während einer Schulstunde (Symbolbild). Bildrechte: imago/photothek

Fünf Wochen vor Schuljahresbeginn sind fast 900 der insgesamt 1.100 neuen Lehrerstellen im Freistaat Sachsen besetzt. Das teilte der sächsische Lehrerverband mit. Etwa 100 neue Lehrer kommen aus anderen Bundesländern wie Brandenburg oder Sachsen-Anhalt.

Der Bedarf und die Einstellungszahlen sind für jede Schulart unterschiedlich. Verbandschef Jens Weichelt zog dieses Mal vor allem für die Grundschulen eine positive Bilanz.

In Chemnitz haben wir erstmalig mehr Bewerber mit Grundschullehrerausbildung als geplante Einstellungen. Anders sieht es leider in anderen Regionen aus, insbesondere um Bautzen und Zwickau. Dort reicht die Zahl der Bewerber nicht aus, um alle freien Stellen mit ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern zu besetzen.

Jens Weichelt Verbandschef Sächsischer Lehrer

Er habe aber Hoffnung, dass sich noch Interessenten für die freien Stellen in diesen Regionen entscheiden. Denn insgesamt gebe es genügend Bewerber im Grundschulbereich, sagte Weichelt weiter. Die Regionen Bautzen, Zwickau und auch Chemnitz hätten außerdem noch viele offene Stellen im Mittelschul- und Oberschulbereich.

Gymnasien gut versorgt - Akuter Lehrermangel an Förderschulen

Ein Lehrer am Gymnasium, gibt Matheunterricht an einem Bildschirm.
Unterricht an einem Gymnasium mit digitaler Ausstattung (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Während es für die sächsischen Gymnasien insgesamt doppelt so viele Bewerber wie Stellen gab und alle Stellen besetzt werden konnten, sieht die Situation an den Förderschulen nach Angaben des Lehrerverbandes düster aus. Nur in Leipzig haben alle Stellen besetzt werden können. In allen anderen Städten und Regionen herrsche "problematischer Lehrermangel", so Weichelt.

70 Prozent der Einsatzwünsche in Leipzig und Dresden

Beworben haben sich insgesamt für alle Schularten knapp 1.300 Absolventen mit vollständiger Lehrerausbildung und knapp 1.100 Seiteneinsteiger. Trotz dieser guten Bewerberlage sei es nicht einfach, alle Lücken zu schließen, heißt aus dem Verband weiter.

Die Ursache liegt nicht unbedingt in der Anzahl der ausgebildeten Lehrer, denn Sachsen hat seit 2012 die Kapazitäten der Lehrerausbildung deutlich erhöht und bildet mittlerweile über dem eigenen Bedarf aus.

Jens Weichelt Verbandschef Sächsischer Lehrer

Vielmehr entsprächen die Ausbildungsart und die Wohnwünsche der jungen Lehrerinnen und Lehrer nicht immer dem Bedarf. Fast die Hälfte der grundständig ausgebildeten Bewerber habe eine Ausbildung als Gymnasiallehrer und über 70 Prozent wollen nach Dresden oder Leipzig. Dem Wunsch könne dann oft entsprochen werden, wenn die ausgebildeten Gymnasiallehrer bereit sind, an einer Berufsschule oder Oberschule eingesetzt zu werden. Im kommenden Schuljahr werden über 100 Gymnasiallehrer in anderen Schularten eingesetzt.

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.07.2020 | 07:00 Uhr in den Nachrichten

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