Autobahn-Baustellen A 72 bei Leipzig wird 2023 teilweise freigegeben

Schon seit 2016 laufen die Arbeiten am letzten Abschnitt der A 72 zwischen Chemnitz und Leipzig. Auf sieben Kilometern wird die Autobahn von Rötha bis zur A 38 südlich von Leipzig errichtet. Doch bis die Autofahrer durchgängig und ohne Geschwindigkeitsbeschränkung bis nach Leipzig fahren können, kann es noch acht Jahre dauern. Besonders komplizierte Bodenverhältnisse sind der Grund dafür. Die könnten das ohnehin schon mehrere Hundert Millionen Euro kostspielige Projekt noch teurer machen.

Eine breite Baustellen-Schneise für eine neue Autobahn ist zu sehen, auf der künftigen Fahrbahn stehen Bagger und weitere Baustellenfahrzeuge. Das Bild zeigt die künftige A 72
Etwa 500 Meter östlich von Rötha ist die künftige Streckenführung der A 72 schon gut erkennbar. Doch die Arbeiten bis zur endgültigen Freigabe des letzten Bauabschnitts ziehen sich noch bis 2026 hin. Bildrechte: Autobahn GmbH des Bundes

Was lange währt, wird irgendwann gut. Der aktuelle Bauabschnitt von Espenhain bis zur Anschlussstelle A 38 ist mittlerweile seit sechs Jahren im Bau. Doch das ständige Geschlängel zwischen der neuen A 72 und der alten B 95 soll nächstes Jahr ein Ende finden. Derzeit wird ein neuer Abschnitt der A 72 bei Espenhain-Nord an die schon bestehende Autobahn angebunden.

Der neue Streckenabschnitt soll diesen November zwischen Espenhain und Rötha mit einer Länge von zwei Kilometern freigegeben werden. Doch noch fünf Kilometer befinden sich im Bau. Warum der endgültige Bauabschluss bis 2026 dauern wird, liegt am anspruchsvollem Bauuntergrund. So liegen 80 Prozent der Strecke auf unverdichtetem Kippengelände des ehemaligen Tagebaus Espenhain.

Blick von einer Brücke auf die Baustelle einer neuer Autobahn. Rechts läuft eine Umleitung vorbei, auf der viele Autos fahren. Das Bild zeigt die künftige A 72
An der Anschlussstelle Rötha wird der Anschluss an die bestehende A 72 vorbereitet. Derzeit wird der Verkehr noch über eine Umleitungsstrecke geführt. Ab November soll der Abschnitt zwischen Rötha und Espenhain für den Verkehr freigegeben werden. Bildrechte: Autobahn GmbH des Bundes

Komplizierter Baugrund macht Luftmatratzen-Technik notwendig

Der Projektleiter des Vorhabens der Autobahn GmbH, Eric Winter, erklärt, was den letzten Abschnitt so kompliziert macht: "Wir sind im Tagebaugebiet, deshalb haben wir hier relativ lockere Böden. Hier war ein sechzig Meter tiefes Loch, das nur relativ locker aufgeschüttet wurde."

Vogelperspektive auf eine weite Landschaft, die eine Autobahn durchkreuz. Weiße, große Bauwerke sind an den Autobandrändern zu sehen. Diese sollen die Fahrbahn stabilisieren.
Durch aufgeschüttete Dämme und sogenannte Setzungsbauwerke soll auf der neuen A 72 die Verkehrslast simuliert werden. Der Boden senkt sich durch den Druck bis zu einem halben Meter, indem Luft und Wasser aus diesem herausgepresst wird. Bildrechte: LASUV

Deswegen müsse der Baugrund entsprechend nachgebessert werden, informiert Winter. Dazu werden an besonders neuralgischen Stellen sogenannte Setzungsbauwerke errichtet, damit sich die neue Autobahn später nicht absenkt. Durch diese Bauwerke wird der zu lockere Boden besser verdichtet und gibt der Fahrbahn somit ein stärkeres Fundament.

Wir sind im Tagebaugebiet, deshalb haben wir hier relativ lockere Böden. Hier war ein sechzig Meter tiefes Loch, das nur relativ locker aufgeschüttet wurde.

Eric Winter Mitarbeiter der Autobahn GmbH, Projektleiter

Boden senkt sich durch Verdichtung bis zu einem halben Meter

Außerdem wird auf die Technik der Rüttelstopfverdichtung gesetzt, mit der der Boden verdichtet wird. Zudem werden zusätzlich Dämme an der Autobahn aufgeschüttet, erklärt Eric Winter weiter: "Wir simulieren dadurch den Autobahnverkehr und warten die Setzungen ab. Es werden Lasten aufgebracht, die dem Verkehr gleich sind. Diese werden wieder entfernt, um dann im Endzustand keine Absenkungen mehr zu haben." Auch dadurch könne der Boden weiter verdichtet werden.

Blick auf die Schallungsarbeiten für eine neue Brücke einer Autobahn. Bauarbeiter arbeiten an Stahlträgern. Die neue Autobahn ist ein Teilstück der A 72.
Der Autobahn-Bau schreitet an der A 72 voran: Für diese Autobahn-Brücke über einen Wirtschaftsweg bei Rötha wird die Schalung zur Herstellung des Überbaus auf das Traggerüst aufgetragen. Bildrechte: Autobahn GmbH des Bundes

Dieser Prozess dauere wegen der Bodenbeschaffenheit entsprechend lange, verdeutlicht der Projektleiter: "Der Boden ist ein Gemisch aus Boden, Luft und Wasser. Dass die Luft und das Wasser beim Zusammendrücken entweicht, dauert einfach seine Zeit." Bei ständiger Beobachtung der Abläufe verläuft dieser Prozess in der Regel sechs Monate, wobei sich der Boden bis zu einem halben Meter absenken kann.

Kräne stehen an einem Brückenneubau für eine neue Autobahn. An der Brücke finden Schalungsarbeiten statt. Die neue Autobahn wird Teilstück der A 72 zwischen Leipzig und Chemnitz sein.
Bei Rötha wird diese Brücke über einen Wirtschaftsweg errichtet. Mithilfe von Kränen wird ein Traggerüst hergestellt, um den später den Brücken-Überbau zu errichten. Bildrechte: Autobahn GmbH des Bundes

Wegen Lärmschutz volle Geschwindigkeit erst ab 2028

Auch wegen dieses Mehraufwandes wird aktuell davon ausgegangen, dass der Kostenrahmen von 238 Millionen Euro gesprengt wird. Doch für Autofahrer gibt immerhin eine gute Nachricht: Denn der letzte fünf Kilometer lange Abschnitt soll ab dem 15. Juli 2023 zumindest einspurig für den Verkehr freigegeben werden. In Richtung Chemnitz oder Leipzig kann dann mit jeweils 60 km/h auf der neuen Autobahn gefahren werden.

Bis die Autofahrer mit voller Geschwindigkeit über die neue A 72 fahren können, müssen sie sich laut Eric Winter wohl sogar noch bis 2028 gedulden. Erst dann sollen die Arbeiten zum Lärmschutz abgeschlossen und damit eine höhere Geschwindigkeit ermöglicht werden.

MDR (phb/mur/dst)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 03. August 2022 | 19:07 Uhr

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