Tourismus Kommt der Surfpark am Bockwitzer See?

Entstanden aus einem bis 1992 betriebenen Tagebau, gilt der Bockwitzer See bei Borna unter Naturschützern als Kleinod, ist zudem ein Flora-Fauna-Habitat. Unter anderem leben über 180 Vogelarten, ein Dutzend Amphibienarten sowie einige Reptilien am und im ehemaligen Tagebauloch. Ein Investor will nun in unmittelbarer Nähe zur Naturschutzfläche einen Surfpark errichten. Naturschützer sehen durch die Pläne das FFH-Gebiet gefährdet.

Ein See und Uferbereiche
Ein Investor will am Bockwitzer See einen Surfpark errichten. Dagegen laufen mehrere Naturschutzverbände Sturm. Bildrechte: Nabu Südraum Leipzig

Die Pläne für einen Surfpark am Bockwitzer See in Borna sorgen weiter für Kritik bei Naturschutzverbänden. Am Donnerstag will der Stadtrat über den Verkauf einer rund zehn Hektar großen Fläche an die Stoke GmbH entscheiden, die den Park plant. Sowohl der Naturschutzbund Sachsen (NABU) als auch die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) befürchten irreparable Schäden im dortigen Naturschutzgebiet.

LaNU: Surfpark als Stör- und Unruhefaktor

"Der Bockwitzer See ist ein besonderes Naturparadies im Süden von Leipzig. Es gehört zu den bedeutenden Rast- und Schlafgewässern während des Vogelzuges", begründet Dietmar Kammerschen, Direktor der LaNU, seine Kritik. Für Erhalt und Entwicklung des Naturschutzgebietes hat die LaNU die Fläche vor 20 Jahren angekauft.

Der Surfpark mit geplanten 230.000 Besuchern pro Jahr, stellt einen erheblichen Stör- und Unruhefaktor für diesen Naturraum dar.

Dietmar Kammerschen Direktor Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt

Nicht nur für die Natur gehe Lebensraum verloren, sondern auch ein wertvoller Erholungsraum für die Bürgerinnen und Bürger der Region, erklärt Kammerschen. An dieser Stelle sei sanfter und naturnaher Tourismus gefragt.

Ein See und Uferbereiche
Sollte sich der Stadtrat für den Verkauf entscheiden, könnte in naher Zukunft am Bockwitzer See gesurft werden. Bildrechte: MDR/Dirk Hentze

NABU: Vielfältige Flora und Fauna erhalten

Auch der Naturschutzbund Sachsen appelliert an die Stadträtinnen und Stadträte, dem Verkauf nicht zuzustimmen. "Der Bockwitzer See ist der einzige Tagebaurestsee südlich von Leipzig, der eine natürliche, vom Menschen weitgehend ungestörte Entwicklung genommen hat", erklärt Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des NABU Sachsen.

Das Vogelschutzgebiet "Bergbaufolgelandschaft Bockwitz" ist dem NABU zufolge eines der bedeutendsten Brutgebiete Sachsens für den Brachpieper und die Sperbergrasmücke. Zudem stellt das Vogelschutzgebiet ein bedeutendes Rast- und Nahrungsgebiet für Saatgänse dar. Insgesamt sind laut Naturschutzbund im Gebiet über 180 Vogelarten, zwölf Amphibienarten, vier Reptilienarten, 31 Libellenarten, 20 Heuschreckenarten und fast 400 Arten der höheren Pflanzen erfasst.

Der Investor könne doch an einen anderen See gehen, wie zum Beispiel an den Zwenkauer See, findet Joachim Schruth vom Nabu-Landesverband. Sollte der Stadtrat für den Verkauf stimmen und der Park realisiert werden, befürchte er Schlimmes für die Artenvielfalt.

Das kann man in einem Wort zusammenfassen. Das bedeutet das Aus.

Joachim Schruth Nabu Landesverband Sachsen

Ein See im Hintergrund, davor ein Warnschild "Achtung Bergbau"
Naturschützer haben Angst, dass durch den Surfpark die Artenvielfalt am Bockwitzer See nachhaltig gestört wird. Bildrechte: MDR/Dirk Hentze

Investor: Nachhaltigkeit Bestandteil des Konzeptes

Mike Berus von der Stoke GmbH, die den Surfpark errichten will, versteht die Aufregung nicht so ganz. Umweltschutz und Nachhaltigkeit seien von Anfang an Teil des Konzeptes, erklärte er MDR SACHSEN. Man habe sich im Vorfeld mit ortsansässigen Naturschutzverbänden sowie dem LaNU abgestimmt. Damals gab es keine Einwände, im Gegenteil.

Zudem werde der See für das Projekt gar nicht genutzt, sondern eine sogenannte Sonderfläche am See, die zweckgebunden sei für eine touristische Entwicklung. Die anvisierte Fläche liege auch nicht in den Naturschutzgebieten, so Berus weiter.

Wir planen eine Pufferzone zu den Schutzgebieten von rund einem Kilometer.

Mike Berus Stoke GmbH

Das Unternehmen will auf der rund zehn Hektar großen Fläche einen Wellenpool bauen, eine Art Schwimmbecken, in dem Wellen erzeugt werden können.

Luedtke bewertet Surfpark positiv

Auch Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke versteht den Wirbel um das Projekt "Surfpark" nicht. "Ich bewerte das Projekt positiv", sagte sie MDR SACHSEN. "Ich sehe auch die Nachhaltigkeit bei dem Projekt, weil Surfen eine olympische Disziplin ist. Aus meiner Sicht kann das für die Stadt nur von Vorteil sein." Auch die Kritik der Naturschützer, dass dadurch die Natur nachhaltig gestört werden würde, kann sie nicht nachvollziehen.

Dass wir die Umweltbelange im Blick haben, ist selbstverständlich.

Simone Luedtke Oberbürgermeisterin Stadt Borna

Auch der Vorwurf, dass ein weiterer Interessent der Fläche im Stadtrat kein Thema mehr ist, kann das Stadtoberhaupt nicht nachvollziehen. Dieser wollte auf der Fläche einen Campingplatz mit Streuobstwiese errichten. "Im Bauausschuss wurde ein Beschlusstext eingereicht, in dem beide Projekte enthalten waren", so Luedtke.

Der Ausschuss hat dann entschieden, dass sie nur den Surfpark in den Beschlusstext aufnehmen. Der Hauptauschuss hat das dann befürwortet, deswegen haben wir im Stadtrat jetzt nur noch den einen Interessenten.

Simone Luedtke Oberbürgermeisterin Stadt Borna

Am Donnerstagabend wird es sich entscheiden, ob die Fläche verkauft wird. Für die Stadt Borna wäre es ein ordentliches Zubrot. Immerhin könnten so 1,5 Millionen Euro ins Stadtsäckel fließen.

Quelle: MDR/bb/mar

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 16. September 2021 | 16:30 Uhr

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